Beschnüffelte des Tages: Ukrainische Lehrerinnen
Von Reinhard Lauterbach
Odessa war für die ukrainischen Nationalisten immer ein schwieriges Pflaster. Die überwiegend russischsprachige und für ihren unpatriotisch-sarkastischen Humor bekannte Stadt musste im Mai 2014 erst von einem brandsatzwerfenden Mob aus anderen Landesteilen in die Unterwerfung unter das »Maidan«-Regime gezwungen werden. Aber politische und faktische Unterwerfung sind zweierlei. Jetzt kam durch Postings in sozialen Netzwerken heraus, dass in einer Schule die Spindfächer und Mobiltelefone der Lehrerinnen durchsucht wurden, um herauszufinden, in welcher Sprache diese mit den Eltern ihrer Schüler kommunizierten. Sie habe sich gefühlt, als ob jemand in ihrer Unterwäsche herumgeschnüffelt hätte, schrieb eine der betroffenen Lehrerinnen. Eine andere kündigte an, den Job zu quittieren.
Man sollte meinen, die Ukraine hätte andere Probleme zu lösen, aber die begeistertsten Vertreter dieser »Heldennation« lassen nicht locker. Denn ihre Ukrainisierungspolitik kommt allenfalls holperig voran. Erst Mitte März beschwerte sich die »Beauftragte für den Schutz der Staatssprache«, Olena Iwanowska, öffentlich über unglaubliche Dinge im westukrainischen Lwiw: Dort würden ukrainischsprachige Kinder nicht etwa, wie bereits öffentlich gefordert wurde, russischsprachigen Klassenkameraden eins aufs Maul geben, wenn sie nicht Ukrainisch sprächen, sondern sogar umgekehrt – sie würden »sich ohne Probleme das Russische aneignen«. Dabei sei doch das Russische »die Sprache der Gewalt und des Zynismus«. Aber bringe das mal Achtjährigen bei.
Sogar die stellvertretende Kulturministerin der Ukraine, Nadija Kusmitschowa, schaltete sich ein und warnte öffentlich davor, es mit der Förderung der ukrainischen Sprache zu übertreiben. Das könne nach hinten losgehen. Wie dichtete Wolf Biermann noch in der DDR: Was verboten ist, das macht uns gerade scharf.
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