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Beim Fananwalt

Richtlinien

Von René Lau
Foto: jW

Bekanntlich wollte die Law-and-Order-Fraktion auf der Innenministerkonferenz in Bremen Anfang Dezember des vergangenen Jahres gegen die Fußballfans das ganz große Repressalienbesteck herausholen (TOP 22 Sachstandsbericht »Fußball ohne Gewalt«). Dumm nur, dass ihre eigenen Statistiken der Polizei nicht dienlich werden konnten. Von sinkenden Zahlen bei Straftaten trotz erhöhter Zuschauerzahl über weniger Arbeitsstunden der Polizei bis zu weniger Verletzten bei Fußballspielen generell war alles dabei. Den Ministern gingen die Argumente aus, also mussten sie klein beigeben. Von den angekündigten Repressalien blieb nicht viel übrig. Eins aber blieb: das Vorhaben, die Stadionverbotsrichtlinien des DFB zu verschärfen.

Zunächst stellt sich mir als Jurist die Frage, was die Innenpolitik damit zu tun hat. Schließlich ist doch nach oberster Rechtsprechung das Stadionverbot ein Mittel des Hausrechts und damit des Zivilrechts, womit die Exekutive in unserem Land nichts zu tun hat. Aber gut. Saubere juristische Argumentation ist wohl bei dieser Thematik seitens der Polizei und der Innenminister ohnehin nicht angebracht.

Angekündigt war eine einvernehmliche Änderung der Richtlinie mit Verbänden und Vereinen. Auch war man im vergangenen Jahr noch offen für Gespräche mit Fans. Jetzt aber kam heraus, dass in Hinterzimmern die Politik mit DFB und DFL verhandelte. Erst die Fanszenen waren es, die an diese neuen Unterlagen kamen und die angedachten Änderungen der Stadionverbotsrichtlinie veröffentlichten. Innenpolitiker wie Herbert Reul und Armin Schuster schwadronieren derweil in Interviews, dass »wöchentlich Spiele wegen Pyro unterbrochen und Menschen verletzt werden« oder dass man »sichere Stadien schaffen müsse«, obwohl diese längst da sind. Waren derartige Politiker eigentlich jemals in einem Stadion, oder woher kommt ihre Sichtweise?

Politiker und Polizei sollten endlich bei der Wahrheit bleiben und nicht ihr eigenes Zerrbild als Objektivität verkaufen. Keiner glaubt ihnen, und so wird es nie einen vernünftigen Dialog mit den Fans geben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.03.2026, Seite 16, Sport

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