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04.05.2026
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London Calling
Zu ihrem 100jährigen Jubiläum ist die Tischtennis-WM in die britische Hauptstadt zurückgekehrt
Vorab war viel diskutiert worden über das neue Spielsystem, das sich der Tischtennisweltverband ITTF für die 70. Weltmeisterschaft ausgedacht hat. Ausgespielt werden nur die Teamwettbewerbe, Einzel und Doppel gibt es dann bei der WM 2027. Die kleinen Nationen spielen seit dem vergangenen Dienstag untereinander 24 Teilnehmer der ersten K.-o.-Runde aus. Die vermeintlich großen plus Gastgeber England sind als einzige für die Runde der letzten 32 (von 64) gesetzt, spielen aber erst noch in zwei Gruppen gegeneinander um die Reihenfolge in der Setzliste. Klingt kompliziert, ist es auch.
Aber zum Glück gibt es ja noch das Spiel, das mit dem Ball. In diesen Tagen in London feiert die Weltmeisterschaft im Tischtennis ihr 100jähriges Jubiläum. 1926, bei der Weltpremiere dieses Turnierformats, war London ebenfalls der Schauplatz. Teilnehmende Nationen damals: sieben, darunter Indien als einziges nichteuropäisches Land. Dominiert hatte den Wettbewerb Ungarn, während China und Japan noch nicht dabei waren. Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, gelten diese beiden doch als die absoluten Favoriten, sowohl bei den Damen als auch bei den Herren.
Womit wir gleich wieder beim Modus wären. Natürlich spielt die Volksrepublik China nur einmal gegen Japan, wenn überhaupt, dafür aber vielleicht zweimal gegen Südkorea. Es geht für die anderen ungefähr darum, ein Spiel in der Vorrunde zu gewinnen, um nicht schon im Viertelfinale auf China zu treffen (den Durchmarsch der genannten Favoriten vorausgesetzt). Dabei wird bei den Damen alles auf dieses Duell im Finale hinauslaufen, also China gegen Japan, höchstens die Deutschen werden die beiden ein wenig ärgern können. Bei den Männern aber sieht es anders aus.
Das zeigte schon der Sonnabend, der erste Tag, an dem die »Großen acht« in die WM einstiegen. China gewann zwar gegen England 3:0, trat dabei aber mit voller Kapelle an und gab trotzdem insgesamt sechs Sätze ab. Der Favorit, in vermeintlicher Bestbesetzung, ist schlagbar dieses Jahr. Gegen Südkorea ließ man den Weltranglistenersten Wang Chuqin auf der Bank, und prompt gab es im zweiten Spiel gleich die erste Überraschung. Nicht mehr in Bestbesetzung setzte es eine 1:3-Niederlage. Lin Shidong verlor gegen Oh Junsung!
Die deutschen Herren, in der anderen Gruppe, mussten gleich gegen Japan antreten, gewannen aber am Ende ebenso überraschend mit 3:2. Dang Qiu zeigte sich in überragender Form, Benedikt Duda sorgte für den dritten Punkt. Gegen Frankreich mit den Lebruns gab es im Anschluss dann direkt einen Dämpfer. Duda konnte zwar Simon Gauzy besiegen, gegen die Brüder aus Montpellier hatten Qiu, Ovtcharov, Duda aber keine Chance. 1:3. Frankreich könnte um den Titel mitreden. Deutschland wird sich von der Niederlage vermutlich aber schnell erholen. Dritter Vorrundengegner ist Taiwan.
Aber natürlich wurde in der Gruppenphase taktiert – das sah man besonders bei den Damen. Bei ihrem Auftakt spielten die Deutschen mit Nina Mittelham – sie scheint langsam an alte Stärke heranzukommen – statt mit der Juniorinnenweltmeisterin Annett Kaufmann. Gegen Frankreich war das 3:1 hart erkämpft. Mit England hatte man fast schon naturgemäß weniger Probleme, obwohl Kaufmann in den fünften Satz musste. Am Ende holten Kaufmann, Mittelham, Wan ein 3:0. Die Bestbesetzung wird dennoch Kaufmann, Winter, Han heißen (bei den Männern ist das offener, alle fünf spielen auf ähnlich hohem Niveau).
Das neue Format scheint etwas für sich zu haben. Ab diesem Montag aber geht es in die K.-o.-Runden, am Anfang warten vermeintlich leichtere Gegner, die »kleinen« Nationen eben, darunter Brasilien, Indien, Österreich, Italien, die USA, nicht unbedingt Laufkundschaft. Ob am Ende die großen acht auch die letzten acht stellen – na gut, mit England wird nicht wirklich zu rechnen sein –, muss sich herausstellen. Spannend ist es, diesmal vielleicht spannender denn je, was daran liegt, dass die Weltmacht wackelt. Am Sonntag steigt das Finale. In der Wembley Arena, London. Tischtennis is coming home!
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