Hintergrund: Abstürzer des Monats
Vermutlich werden in keiner anderen Branche in so kurzer Zeit so riesige Vermögen angehäuft wie bei den Entwicklern von KI-Programmen. Der Wert des eben von der Trump-Administration vor die Tür gesetzten Unternehmens Anthropic zum Beispiel wurde im Februar auf 380 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im September vorigen Jahres hatte dieser hypothetische Betrag »nur« bei 180 Milliarden gelegen.
Das Führungsteam von Anthropic hatte sich 2021 vom Branchenführer Open AI getrennt und selbständig gemacht. Dessen Wert wurde im Februar auf mindestens 730 Milliarden US-Dollar und im Oktober vorigen Jahres auf 500 Milliarden geschätzt.
Hinter so phantastisch scheinenden Wertsteigerungen steht in erster Linie der ständige enorme Zufluss von investiertem Kapital, der eine explosionsartige Expansion dieser Unternehmen ermöglichen soll. Open AI zum Beispiel hat angekündigt, bis 2030 rund 600 Milliarden US-Dollar in seine »Infrastruktur« zu investieren. Nebenbei betreibt das Unternehmen – vermutlich als Werbemaßnahme und Experimentierfeld – die Website Chat-GPT, an die sich jeder, vorläufig noch völlig kostenlos, mit Fragen wenden kann. Sie registriert gegenwärtig nach eigenen Angaben mehr als 900 Millionen »aktive User« pro Woche.
Anthropic war 2024 bis 2025 das erste KI-Unternehmen, das von der US-Regierung für unter Geheimhaltung stehende militärische Aufgaben hinzugezogen wurde. Teile seiner Software »Claude« stecken inzwischen auch in vielen Programmen anderer Vertragspartner. Der Rauswurf des Unternehmens durch Donald Trump und das damit verbundene Verbot jeder kommerziellen Beziehung zu Anthropic zwingt andere Firmen, nach Alternativen für die »Claude«-Elemente zu suchen.
Das betrifft zum Beispiel Peter Thiels Unternehmen Palantir, mit dem Anthropic eine »strategische Partnerschaft« eingegangen ist. Eine solche unterhält Palantir gleichzeitig auch mit dem militärischen und nachrichtendienstlichen Sektor Israels. Thiels Firma soll intensiv an der Festlegung der Mordziele im Gazastreifen beteiligt sein. Über Anthropic, dessen Generaldirektor Dario Amodei gern über sein Gewissen spricht, schrieb die Washington Post am 4. März, dass ihre Softwaregruppe »Claude« von zentraler Bedeutung für die Kriegführung der USA gegen Iran sei. Sie identifiziere Ziele und errechne sehr schnell Prioritäten. Das muss sich auch nicht sofort ändern: Sechs Monate ist die von der Trump-Administration eingeräumte Übergangszeit für das Auslaufen der Nutzung von »Claude«. (km)
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Schwerpunkt
-
Trump wirft KI-Riesen über Bord
vom 20.03.2026