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18.03.2026
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Der Sportjournalist
Einen wunderschönen guten Morgen! Am Montag morgen starb im Alter von 78 Jahren in Olivos/Vicente López (Buenos Aires) der Sportjournalist und -kommentator Marcelo Araujo an einer Lungenentzündung. Seit Dekaden war der 1947 in Villa Crespo als Lázaro Jaime Zilberman geborene Araujo (Künstlername) einer der populärsten Köpfe im argentinischen Balltretbusiness. Seine Karriere als TV-Berichterstatter internationaler Fußballspiele begann in den 70ern. Er wurde zum Gesicht des Programms »Fútbol de Primera« (1989–2004), ein zwingendes Fernsehprogramm am Sonntag für den Großteil der argentinischen Familien. In Argentinien ist der Fußball Familiensport, man wird in das jeweilige Trikot hineingeboren. Zur gleichen Zeit präsentierte López zusammen mit Enrique Macaya Márquez den »Clásico del domingo«, das wichtigste Match jedes Spieltags. Während Araujo so etwas wie die graue biedere Eminenz des argentinischen Fußballs war, vergleichbar mit Ernst Huberty in der »Sportschau«, steht Macaya für wahre Qualität und echte Gefühle. Araujo habe ich nie persönlich kennengelernt, Macaya schon. Vor fünfzehn Jahren stritten wir einige Tage lang gefühlt hundert Stunden. Dabei habe ich unglaublich viel über Sportjournalismus gelernt.
Araujo begann im Radio. Argentinische Rundfunkjournalisten arbeiten praktisch alle gleichzeitig für Fernsehen und Radio. Morgens Radio, abends Fernsehen. Die Tage sind sehr lang. Schimpfwörter gefielen ihm gut. Er arbeitete auch für den kolumbianischen Privatsender RCN. 2006 war er der Chef-Cop bei der WM in Alemannien für Canal 9.
Ab August 2009 startete in Argentinien »Fútbol para todos«. Die AFA, der Balltretverband der Gauchesken, war von der Regierung Kirchner gezwungen worden, die Verträge mit dem TV-Sender TyC Sports zu zerreißen. Danach war der Fußball im argentinischen Teeveeh gratis, auch im Internet war er frei zugänglich. Araujo gehörte zum Staff. Als Ende 2015 die Republikaner um Maurio Macri an die Macht kamen, wurden dem Volk die Tore wieder entführt, sie verschwanden, so wie die Bosse von TyC Sports, letztere hinter schwedischen Gardinen.
Araujo wird unvergessen bleiben für seine histrionische Interpretation von Sportjournalismus. Julio Grondona, dem Schattenpräser der FIFA, war er einst spinnefeind, zuletzt kroch er ihm in den Allerwertesten. Ich würde behaupten, nur Peronisten mochten den, das sind überwiegend permanente und also machtgeile Wendehälse.
Im März 2021 wurde Araujo nach einem häuslichen Unfall in das Hospital Italiano eingeliefert, wo er Covid-19-positiv getestet wurde und zwei Monate auf der Intensivstation lag. Im selben Hospital verstarb er nun. Seine Familie ließ verlautbaren, dass es keine Totenwache gebe, Marcelo Araujo wurde gestern auf dem populären Friedhof Chacarita eingeäschert. Zu Lebzeiten galten der 2021 an oder geimpft mit Covid-19 verstorbene Farándula-Journalist Mauro Viale, Fernando Niembro sowie der Kardiologe Luis de la Fuente als seine engsten Freunde.
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