Vernarrt in Narrative
Von Gerhard Hanloser
Im März erscheint im Wiener Mandelbaum-Verlag der Band »Linker Antisemitismus. Zur Kritik eines Kampfbegriffs« von Gerhard Hanloser. Wir dokumentieren daraus mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag das redaktionell leicht bearbeitete Kapitel über Eva Illouz. (jW)
Die linke Soziologin Eva Illouz war dem Lesepublikum bislang vor allem durch ihre Bücher über Liebe und Gefühle im Kapitalismus bekannt, die sie als Protagonistin einer liberalen Variante der Kritischen Theorie, der es vor allem um Anerkennungsprozesse geht, ausweisen. Mit den Angriffen der Hamas und weiterer Gruppen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober 2023 wurde sie zu einer besonders im deutschen Sprachraum – von Süddeutscher Zeitung bis Zeit und Spiegel – gern angefragten kritischen Stimme gegen die linke Anti-Gazakriegsbewegung. Das ist besonders bestürzend, weil sich Illouz in der Vergangenheit als scharfe Kritikerin eines ethno-nationalistischen Israels betätigt und sich für eine säkulare Ausrichtung stark gemacht hatte.
Kehrtwende
Vor rund zehn Jahren schilderte Illouz noch die Konsequenzen einer oppositionellen Haltung wie der ihren: »Kritik muss in der jüdischen Welt entweder andauernd Liebesbeweise erbringen oder sie sieht sich unter anderem mit Antisemitismus- und Antizionismusvorwürfen, verschiedenen Formen von Ächtung, schwarzen Listen, Medienwächtern, Organisationen wie Im Tirtzu, die akademische Studienpläne auf ihre Zionismusverträglichkeit prüft, oder, im Fall von philanthropischen Organisationen, Erpressung durch deren Geldgeber konfrontiert.«¹ Um so erstaunlicher und recht verwunderlich ist darum die harsche Wendung, die sie nach dem 7. Oktober vornahm. Vorbehaltlos zuzustimmen ist ihr nunmehr nur noch darin, dass »die Juden sich nicht mehr für die Existenz Israels rechtfertigen müssen«².
Den studentischen Aktivistinnen und Aktivisten der Uniproteste gegen den Gazakrieg ruft Illouz neuerdings zu: »Ein Konflikt, den viele als schwierigsten und komplexesten der Welt ansehen, wird dargestellt, als sei er eine weitere Version des amerikanischen Imperialismus. Angesichts des Auseinanderklaffens von Protestvokabular und der Realität dieses quälenden jahrhundertealten Konflikts muss ich mich fragen, ob hier nicht doch so etwas wie die auf Phantasmen basierende Irrationalität des Antisemitismus am Werk ist«, so geschehen unter dem Titel »Euer Hass auf Juden« in der Süddeutschen Zeitung am 17. Mai 2024. Auch die weiteren Vorhaltungen der Soziologin haben es in sich, doch bei genauerer Betrachtung überzeugen sie wenig.
Man könnte Illouz im Geiste der alten Soziologie, die in den USA als eine Erweiterung der Sozialreportage entstand, fragen, welche empirische Wirklichkeit sie denn eigentlich untersucht hat. Ihre Urteile gründen lediglich auf begrifflich-theoretischen Herleitungen. Und diese stehen auf schwachen Füßen. Sie konzediert, keine Historikerin des Antisemitismus zu sein, und definiert diesen für sich »persönlich darin, dass Juden für das Vergießen des Blutes von Nichtjuden verantwortlich gemacht werden«. Später schickt sie hinterher, dass der Antisemitismus Juden als Entität konstruieren würde, »die Blut vergießen und Gesetze ignorieren«. Spätestens hier wird deutlich, wie weitgehend bei Illouz tagespolitische Tatbestände ihre Antisemitismusdefinition überstrahlen und sie damit nicht nur der Antisemitismustheorie, sondern auch dem Begreifen der Gegenwart Gewalt antut.
Gefährliche Irrtümer
Es ist ja offensichtlich, dass die israelische Armee in Gaza für ein beispielloses Blutvergießen sorgt und dass dieser Krieg Verbrechen produziert, die der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag zum Anlass nimmt, neben dem israelischen Exverteidigungsminister Joaw Gallant und dem Hamas-Anführer Mohammed Deif auch nach Benjamin Netanjahu fahnden zu lassen. Mit ihrer persönlichen Antisemitismusdefinition nun könnten Illouz und alle, die ihr folgen, das Konstatieren von Gesetzesbruch und Kriegsverbrechen durch Israel in Gaza in den Bereich des antisemitischen Wahns rücken.
Ärgerlich ist Illouz’ Intervention in der SZ, wenn sie den Hinweis, viele jüdische Studierende seien in die Proteste gegen den Gazakrieg involviert, als »alte, von den Sowjets gepflegte Trope« abwehrt und damit Antikommunismus anstelle eines Arguments vorbringt. Wirklich verheerend ist dann aber der Satz, mit dem sie jüdisches Leben mit Israel und dem Zionismus in eins setzt: »Wenn Zionismus zum Synonym für das radikal Böse gemacht wird, dann deshalb, weil wir kognitiv und emotional nicht zwischen Israelis und Juden, zwischen israelischen Verbrechen (die in der traurigen Geschichte der Menschheit alltäglich sind) und dem tiefen kulturellen Gefühl, dass Juden für die Welt gefährlich sind, unterscheiden können.« An dem Satz stimmt nichts. Aber politisch passt er zur Herabsetzung der jungen jüdischen Radikalen der Campusbewegung, die genau diesen falschen und identifizierenden Nexus von Jüdischsein auf der einen und Israel und Zionismus auf der anderen Seite zertrennen wollen.
Eva Illouz erklärt, »für uns Juden, für uns Israelis« sind der 7. Oktober und die als »zutiefst antisemitisch interpretierten« Uniproteste gegen den Krieg eine Katastrophe. Netanjahu und die seit Jahrzehnten friedensverhindernde Siedlungspolitik nennt sie an dieser Stelle nicht explizit. Für »Spaltung, Misstrauen und Feindschaft« zwischen Palästinensern und jüdischen Israelis macht sie ausgerechnet die Proteste, in denen jüdische und arabische mit anderen empörten Studierenden zusammenkommen, verantwortlich. Illouz’ Text ist damit eine intellektuelle Kapitulationserklärung des liberalen Zionismus, auch wenn die Angst und Furcht, die Illouz als Jüdin artikuliert, volles Verständnis finden sollten. Doch der Verursacher dieser berechtigten Angst um die Sicherheit jüdischen Lebens sitzt weniger in den globalen studentischen Protestcamps, sondern dominiert die Knesset und befindet sich auf einem rassistisch unterlegten Kriegskurs, der neue Feindschaften hervorbringt und eine irgendwie geartete Lösung der Israel-Palästina-Frage, die den Interessen beider im historischen Raum Palästina lebenden Bevölkerungsgruppen Rechnung trägt, systematisch sabotiert.
Radikal einseitig
Undifferenziert ist auch Illouz’ eher theoretisch aufgebaute Streitschrift »Der 8. Oktober«. Ihre Vorwürfe sind schrill: Der 7. Oktober sei von der Linken nicht als Verbrechen gegen die Menschheit angesehen und erkannt worden, die Linke habe die schockierten und leidtragenden Juden »im Stich gelassen, ignoriert, stigmatisiert und einer vermeintlichen Urschuld, des israelischen Kolonialismus, bezichtigt«. Das Buch startet mit einer raschen Aneinanderreihung vermeintlich euphorischer bis legitimatorischer Aussagen von Linken zum 7. Oktober, die weitgehend kontextfrei präsentiert werden. Illouz kommentiert: »Soweit ich mich erinnern kann, hat kein anderes Massaker (…) im Westen und in islamischen Ländern so viele Menschen glücklich gemacht.« Sie behauptet einen Mangel an Mitleid für die am 7. Oktober ermordeten, verletzten und entführten Juden auf seiten der Linken.
Diese Linke nennt sie »die identitäre Linke«. Sie schreibt: Bis zum 7. Oktober »bestanden die Vergehen des identitären Denkens in nichts Schlimmerem als der Preisgabe von Universalismus, Ökonomie und Klasse zugunsten von Relativismus, ›Rasse‹ und Kultur sowie darin, das Mantra der Intersektionalität herunterzubeten und aus Weiß eine schuldbeladene Farbe zu machen. Nun aber erweist sich diese Politik als gefährlicher: Sie gleicht einer quasireligiösen Weltsicht, flößt ihren Adepten eine eschatologische Heilsmission ein und identifiziert das radikal Böse mit Israel.« Illouz macht ein manichäisches Weltbild bei diesen Linken aus, das sie voller haltloser Polemik so zusammenfasst: »Die Kräfte des Guten (…) sind die Einheimischen, FLINTA, Palästinenser, die schwarze Hautfarbe, der Islam und die Natur.«
Nun wurden identitätspolitische Manöver, die in eine solche Richtung weisen, bereits von verschiedener Seite angegriffen und als schädlich für die Linke identifiziert.³ Aber es wäre zunächst einmal zu erhärten, ob die identitätspolitische Linke einem dermaßen manichäischen Weltbild überhaupt erlegen ist, wie Illouz behauptet. Sie liefert keine konkreten Belege. Statt dessen hebt sie in ihrem Essay an, das von ihr konstruierte Weltbild mit Antisemitismus gleichzusetzen, den sie sogar als »Campusantisemitismus« zu lokalisieren weiß. Dieser habe sich herausgebildet, weil man sich in den Geisteswissenschaften, in denen die dekonstruktivistische Denkschule hegemonial sei, antidemokratischen Gedankenguts verschrieben hätte. Sie zählt auf: Marquis de Sade, Martin Heidegger, Carl Schmitt. »Diese unplausiblen Vorreiter der ›französischen Theorie‹ teilen eine tief verwurzelte, irrationale Ablehnung der Vernunft, der universalistischen Moral, des Liberalismus, der Technologie und der westlichen Welt«, so Illouz.
Bei dieser dünnen Bestimmung beschleicht den Leser das Gefühl, dass Illouz hier ihren eigenen Manichäismus pflegt und kaum in der Lage zu sein scheint, zu verstehen, was diese dunklen Denker der Moderne nicht nur für die französische Dekonstruktion, sondern auch für die Kritische Theorie Adornos und Horkheimers bedeuteten. Wenig erstaunlich ist angesichts dieser Oberflächlichkeiten gepaart mit Denunziationsbedürfnis, dass Illouz den Beweis schuldig bleibt, dass aus diesen geisteswissenschaftlichen Theoriebezügen direkt ein spezifisch linker Antisemitismus, ein »Campusantisemitismus« folgen müsse.
Vor allem scheint sie von den Theorien selbst und ihren Vertretern wenig Ahnung zu haben. So kritisierte Alex Demirović Illouz unlängst und rückte Erfahrung wie Wirken der Vertreter der »französischen Theorie« zurecht: »Israel und der Antisemitismus werden (Illouz, G. H.) zum Maß aller Dinge. Dafür müssen auch biographische Erfahrungen übergangen werden. Dazu gehört, dass Derrida selbst als Jugendlicher in Vichy-Frankreich antisemitische Erfahrungen machen musste, sich selbst als jüdisch betrachtete und seine Philosophie sich den Gewaltverhältnissen entgegenstellt. Von Foucault wird berichtet, dass er 1967 Tunesien hastig verließ, weil er einen Horror vor den antisemitischen und antiisraelischen Ausschreitungen in arabischen Städten hatte, die nach der Niederlage der Truppen Ägyptens, Jordaniens und Syriens im Junikrieg verbreitet stattfanden. Über Gilles Deleuze, früher einmal einer der engsten Freunde Foucaults, heißt es, dass seine Freundschaft mit Foucault über der Palästina-Frage zerbrach, weil er für die Palästinenser eintrat, Foucault hingegen für Israel. Berichtet wird dies von Edward Said, dem seine Versöhnungsversuche nicht zugutegehalten werden, sondern der seinerseits immer wieder als Antisemit denunziert wird. (…) Derrida war der Ansicht, dass dieser Konflikt ein Knoten der Weltgeschichte ist und die Menschheit die Aufgabe hat, sich neu zu konstituieren, um ihn einmal zu überwinden.«⁴
Erklärungsbedarf
Der gesamte Text, der manch bedenkenswerte Passage beinhaltet, scheitert da, wo er wirklich erklären will, dass die Welt mit einem gefährlichen, aus dem linken, universitären Bereich kommenden Antisemitismus konfrontiert sei. So springt die Autorin vom Unicampus nach China, von dort nach Venezuela, das sich vor längerer Zeit in einer »Achse« mit Ahmadineschads Iran wähnte, und versucht, dort die linksinternationalistischen wie gleichermaßen antisemitischen Bezugspunkte für die Unilinke auszumachen. Einmal begonnen mit diesem globalen Husarenritt, kennt sie kein Halten mehr: Sie spricht von einer »Alchemie der umherwandernden Strukturen«, in denen »Antikapitalismus, Globalisierungsgegnerschaft, westlicher Antiimperialismus und Antizionismus« eins würden mit der Befreiung von sämtlicher Unterdrückung.
»Dasselbe gilt für den brasilianischen Präsidenten Lula, der sich an die Spitze des globalen Südens gesetzt hat und den Krieg Israels in Gaza als neue Schoah charakterisiert. Auch auf Südafrika trifft dies zu, das enge Verbindungen zum Iran unterhält und 2024 eine Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof eingereicht hat, eine Maßnahme, die es gegen die mörderischen Regime auf seinem eigenen Kontinent noch nie zu ergreifen für nötig befand. Damit ist deutlich, dass sich das Bündnis zwischen dem Islam und der Linken innen- wie außenpolitisch als besonders mächtig erwiesen hat, gerade in Verbindung mit den Narrativen des Imperialismus und des Kolonialismus.« Auch an diesen Sätzen stimmt wiederum nichts. Sie bestehen aus konstruierten Querverbindungen, die in einem anderen Kontext als Verschwörungsideologie abgelehnt würden. Es handelt sich um Whataboutism, um bestimmte politische Entscheidungen herabzusetzen. Die Beispiele leisten eben nicht das, was sich Illouz selbst attestiert, nämlich etwas zu verdeutlichen. Letztlich erklärt sie Imperialismus und Kolonialismus zu »Narrativen«, so dass man sich wundern muss, warum sie an der dekonstruktivistischen akademischen Linken wenige Seiten davor bemängelt hat, diese würden alle sozialen Verhältnisse zu Text erklären.
Für eine Soziologin ist die Schrift erschreckend empirielos. Illouz hat kein einziges Flugblatt der Bewegung zitiert, keine einzige Parole. Dass sich die linken Aktivistinnen und Aktivisten auf ihren propalästinensischen Demonstrationen eher mit dem Aufstand der Generation Z in Afrika, mit der kurdischen Befreiungsbewegung in Nordsyrien und mit den Menschen im Sudan und im Kongo solidarisieren, als dass der Iran, Venezuela oder China positive Bezugspunkte wären, kümmert die Soziologin mit ihren vorgefertigten Urteilen nicht. Sie unterstellt ihrem Gegenüber »kognitive Verkürzungen«, dass er sich im Modus des »schnellen Denkens« bewege. Weiter führt sie aus: »Wir sind kognitiv darauf ausgerichtet, voreilige Schlüsse aus wenigen Belegen zu ziehen. Das bedeutet: Je stimmiger eine Geschichte und die Geschichte sind, desto leichter fällt es uns, Schlüsse aus ihnen zu ziehen.« Damit hat Illouz allerdings eher die Wahrheit über ihren eigenen Text formuliert.
Auf Linie
Israel selbst taucht abseits von ein paar pflichtschuldigen linkszionistischen Bemerkungen – etwa, dass es sich der Besatzung schuldig mache – gar nicht mehr als agierender Staat auf, sondern gerät Illouz selbst zu einer Chimäre. Es ist nicht das Bild Israels, wie es von postkolonialen oder antiimperialistischen Linken wirklich gezeichnet wird. Sondern es ist ein projiziertes Abziehbild dieses Bildes, das lediglich auf den Unterstellungen von Illouz beruht: »Israel ist (…) zu einem konzeptionellen und kulturellen Vektor geworden, der es erlaubt hat, disparate Prozesse miteinander zu verbinden: die Konkurrenz zwischen Minderheiten (hier meint Illouz die Konkurrenz zwischen Schwarzen und Juden in der US-Gesellschaft, G. H.) und die Verständlichkeit, die der dekoloniale Diskurs der Diskriminierung und dem Rassismus verleiht, einerseits, und das Bündnis zwischen Islamismus und dekolonialer Linker sowie die globale Strategie zur Schwächung des Westens andererseits. Palästinenser, Islam, Dekolonisierung und unterdrückte rassifizierte Minderheiten werden in eine antiwestliche Matrix integriert, die aus Israel eine neue Mythologie macht.«
Doch die angeblich miteinander verbundenen Prozesse wurden von niemand geringerem als Illouz selbst konstruiert und miteinander verbunden. Auch die »antiwestliche Matrix« ist eine konstruierte Folie. Denn die auf dem Campus artikulierte Antikriegshaltung schöpft schließlich aus einem universalistischen Menschenrechtsverständnis, das gemeinhin als »westlich« gilt, vom Westen realiter aber nicht eingelöst wird, wie die Munitionierung Israels, die Kriegsverbrechen in Gaza, die unterlassene humanitäre Hilfe für die dortige Zivilbevölkerung und die Verschleppungen, systematische Folter sowie Gefangennahme ohne Anklage in drastischer Form zeigen.
Man mag der Linkszionistin Eva Illouz zugute halten, dass Sorge um »die Verletzlichkeit der Juden und des Staates Israel« aus jeder ihrer in der Sache selbst unhaltbaren Behauptungen spricht. So ist das Canceln von Veranstaltungen und Einladungen von Eva Illouz durch Palästina-Aktivisten dumm, kontraproduktiv und scheint nur die Diagnose eines autoritär wirkenden linken Antisemitismus zu bestätigen. Ein griechischer Verlag zog die Kooperation mit ihr zurück, die Universität Rotterdam lud sie mit der Begründung aus, man fühle sich mit der Einladung nicht mehr wohl, außerdem habe die Universität ihre Zusammenarbeit mit israelischen Universitäten beendet. Dies ist zweifelsfrei die autoritär-irrationale Seite akademischer Boykotte.
Schließlich hatte Illouz auch die Größe, 2012 Judith Butler zu verteidigen, die Dialektik der freien Meinung mit John Stuart Mill zu preisen und sich für die Verleihung des Adorno-Preises an die Philosophin auszusprechen, auch wenn sie deren Aussagen zu Hamas und Hisbollah als »Teil der globalen Linken« scharf kritisierte. Doch wenn Illouz schließlich in ihrer Schrift »Der 8. Oktober« von einem »ontologischen Israelhass« raunt, der in der palästinasolidarischen Linken grassiere, und »Antizionismus« als »intellektuell respektable Version des Antisemitismus« zeichnet, bewegt sie sich in einer antilinken Vorurteilsstruktur, die im Land der »Staatsräson« besonders gut ankommt. Das sollte ihr gesagt werden. Mit guten Argumenten. Direkt.
Anmerkungen
1 Eva Illouz: Israel. Soziologische Essays. Berlin 2015, S. 39 f.
2 Eva Illouz: Der 8. Oktober. Berlin 2025, S. 92
3 Vgl. Gerhard Hanloser (Hg.): Identität & Politik. Kritisches zu linken Positionierungen. Wien 2022
4 Alex Demirović: Wilde Verdächtigungen, ND – Der Tag, 27.1.2026
Gerhard Hanloser: Linker Antisemitismus. Zur Kritik eines Kampfbegriffs. Wien: Mandelbaum Verlag 2026, ca. 192 Seiten, 17 Euro (erscheint im März)
links & bündig gegen rechte Bünde
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (4. Februar 2026 um 21:01 Uhr)Ich habe einmal wieder Google gefragt, nach: »Soziologiestudium«. Ein Teil der Antwort: »Es vermittelt theoretisches Wissen und Methoden der empirischen Sozialforschung, wie Statistik und Datenerhebung.« Statistik- und Datenpositivismus kann durchaus zu solchen Elaboraten wie denen der Eva Illouz führen. Da historischer Materialismus nicht Gegenstand der Ausbildung ist, unterliegen die Ergebnisse der solcherart Ausgebildeten der flachen Gauß-Kurve mit breiter Streuung und geringer Sinndichte. Ist Frau Illouz womöglich ein Avatar Wolfram Robert Wilhelm Weimers oder Felix Kleins (bitte nicht mit dem Erfinder der gleichnamigen Flasche verwechseln!)?
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