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Flensburger Frühling

Die Gleichstellungsbeauftragte der Uni Flensburg, Martina Spirgatis, hat die Bronzeskulptur »Primavera« des Künstlers Fritz During von 1956 aus dem Foyer der Europa-Universität entfernen lassen, weil sich ein »hoher Frauenanteil unter den Studierenden als auch den Lehrkräften« »zum Teil unwohl« bei dem Anblick des nackten Frühlings fühlte. Das Kunstwerk verkörpert ein »überholtes Bild der Weiblichkeit und legt nahe, Weiblichkeit auf Fruchtbarkeit und Gebärfähigkeit zu reduzieren«, was nicht dem aktuellen Stellenwert und Selbstverständnis der modernen Frau entspreche. Nun ziert ein regenbogenfarbenes Fragezeichen das Unifoyer, eine Eigen­initiative aus der Studentenschaft.

Hiervon inspiriert soll eine parteiinterne Arbeitsgruppe der Grünen klären, inwieweit beispielsweise Frauen- und Puttenabbildungen in bayerischen Barockkirchen – häufig etwas üppig bis übergewichtig und mit gebärfreudigen Becken dargestellt – der aktuellen Vorstellung von gesunder, zuckerreduzierter Ernährung im Sinne der Werbeverbote von Ernährungsminister Cem Özdemir entsprechen oder vielleicht einer ungesunden, zuckerhaltigen Ernährung Vorschub leisten. Möglicherweise wird es nötig sein, beispielsweise die Wieskirche bei Steingaden aus ernährungspädagogischen Gründen zu sprengen, zumindest aber die im Inneren der Kirche vorhandenen Frauen- und Puttenfiguren durch Regenbogenfragezeichen zu ersetzen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2023, Seite 10, Feuilleton

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  • Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 26. Juli 2023 um 20:39 Uhr
    Der Fragezeichen-Einsatz könnte durchaus erweitert werden, z.B. eines an jedes (Wand-)Kreuz. Folgt dann die Kulturrevolution?
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