Gegründet 1947 Montag, 21. Oktober 2019, Nr. 244
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 08.07.2019, Seite 11 / Feuilleton
Pop

João Gilberto ist tot

Der legendäre brasilianische Sänger und Gitarrist João Gilberto ist tot. Nach Angaben des Nachrichtenportals G1 starb Gilberto am Samstag im Alter von 88 Jahren in seiner Wohnung in Rio de Janeiro. »Mein Vater ist gestorben. Sein Kampf war edel. Er hat versucht, seine Würde zu bewahren, während er seine Eigenständigkeit immer weiter verlor«, schrieb sein Sohn João Marcelo Gilberto auf Facebook. Der Musiker galt als der Vater des Bossa Nova. Durch seine Interpretationen von »Das Mädchen aus Ipanema« und »Chega de Saudade« (Nie mehr Sehnsucht) gelangte er zu Weltruhm. Zuletzt lebte er Medienberichten zufolge schwer krank und hoch verschuldet in Rio de Janeiro. »João Gilberto ist von uns gegangen, das größte Genie der brasilianischen Musik«, schrieb die Sängerin Gal Costa auf Instagram.

Gilberto brach mit 16 Jahren die Schule ab und zog nach Salvador, um Musik zu machen. Später ging er nach Rio de Janeiro und schloss sich dort der Gruppe Garotos da Lua an. Zwar nahm er bereits damals einige Singles auf, allerdings war er als Musiker größtenteils erfolglos, bis er den typischen Rhythmus des Bossa Nova erfand. Bei der »Neuen Welle« der brasilianischen Musik handelte es sich um eine moderne Mischung aus Samba und Jazz. Für die Arrangements seiner Lieder arbeitete er auch immer wieder mit dem deutsch-amerikanischen Komponisten Claus Ogerman zusammen.

Als erster großer Bossa-Nova-Hit gilt »Chega de Saudade«, das von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben und von Gilberto interpretiert wurde. Mit seiner Albumtrilogie »Chega de saudade« (1959), »O amor, o Sorriso e a Flor« (1960) und »João Gilberto« (1961) machte er den Bossa Nova auch außerhalb von Brasilien populär. (dpa/jW)

Mehr aus: Feuilleton