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Unsägliche Debatte

Zu jW vom 8./9. November: »Die westlinke Wende«
Lieber Dietmar Dath, mit Ihrem Essay ist Ihnen ein wirklich schönes und lehrreiches Stück literarisch-politischer Kritik an der unsäglichen Debatte über den derzeitigen »retrospektiven Systemvergleich« der BRD und der DDR gelungen. Ich bin 35 Jahre älter als Sie und lese mit Vergnügen und Interesse, wie sich im Kopf eines westdeutschen Kindes und jungen Mannes dieser »Systemvergleich« abspielte. Ich stimme Ihnen in Ihrer Kritik voll zu. Aber mir scheint, Sie haben immer die falschen Leute getroffen. Sie setzen sich mit »Alternativen« oder Grünen auseinander, die wohl nie wirklich »links« waren. Dabei haben Sie zu den »Alternativen« zuerst in der Friedens- und Ökologiebewegung gefunden, dort hätten Sie auch schon die westdeutschen Sozialistinnen und Sozialisten mit kommunistischer Gesinnung aus der DKP treffen können, die Sie offenbar erst im Hinterzimmer der Friedrich Hecker Buchhandlung fanden. Wenn Sie schreiben: »Das war der einzige Ort, an dem ich von westdeutschen Linken jemals ein freundliches Wort über irgend etwas vernahm, das mit der DDR zu tun hatte«, dann übertreiben Sie etwas sehr, oder Sie haben nicht mitgekriegt, dass die DKP eine der Hauptkräfte war, die die Ostermarsch- und vor allem die Friedensbewegung der 80er und 90er Jahre am Laufen hielt. Dort hätten Sie von vielen Menschen »Freundliches« über die DDR hören können. Dass die Grünen in der Friedensbewegung nur von Abrüstung »in Ost und West«, und zwar immer in dieser Reihenfolge, sprachen, ist richtig. Nur dass sie dachten, erst soll der Osten abrüsten, dann wird der Westen schon folgen, während die DKP und die wirklichen Pazifisten die umgekehrte Forderung stellten, was zumindest plausibler war. (...)

Wolfgang Popp, Siegen

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.11.2014, Seite 14, Leserbriefe

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