Zum Inhalt der Seite

Jugendbewegte Geschichte

Zu jW vom 8./9. November: »Ein anderer Wind«

Erfreulicherweise erinnert Ingar Solty an die Bedeutung der Waldeck-Festivals für den Wandel in der westdeutschen politischen Kultur schon vor »1968«; dazu einige Ergänzungen: Schon in der Jugendbewegung zur Zeit der Weimarer Republik existierten nicht nur schwarz-weiß-rote, dann ins Braune übergehende Orientierungen. Es gab eine vielfältige jugendbewegt-linke Szene, überwiegend im Arbeitermilieu beheimatet. Nach 1933 wurde diese unterdrückt, in die Illegalität verdrängt und verfolgt. Die rebellischen, sogenannten Edelweißpiraten hatten ihren Rückhalt vorwiegend in den Arbeiterquartieren. In der Historiographie zur Jugendbewegung, nach 1945 lange Zeit von Ehemaligen der rechten Bünde dominiert, ist die links-jugendbewegte Geschichte zumeist gezielt beschwiegen worden.

Anzeige

Initiierend für die Entwicklung der Waldeck-Festivals und deren Öffnung zum Politischen hin war vor allem Diethart Kerbs (später Kunstpädagoge und Autor immer noch lesenswerter Beiträge zur Geschichte linker Aktivisten vor und gegen Hitlerdeutschland). Zum politischen Lied hin führte die Zeitschrift song (ab 1966), eng verbunden mit den Waldeck-Festivals, herausgebracht von Rolf Gekeler. Kennzeichnend für die politische Liedkultur in den Jahren danach, nun keineswegs mehr auf einen Platz im Hunsrück beschränkt, ist der jahrelange Erfolg der Schallplattenproduktion »pläne«; mit ihrem Titel schloss diese an die gleichnamige Zeitschrift (1932, dann wieder ab 1957) und damit eine linke Linie in der Geschichte der Jugendbewegung an.
Arno Klönne, Paderborn

 

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 13.11.2014, Seite 14, Leserbriefe

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!