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Angst vor Kurden in Syrien

Im Osten der Türkei sind einem Medienbericht zufolge in den vergangenen drei Tagen 22 kurdische Kämpfer bei Auseinandersetzungen mit Regierungstruppen getötet worden. Auch zwei türkische Soldaten seien bei den Gefechten ums Leben gekommen, berichtete der Fernsehsender CNN Türk am Dienstag auf seiner Internetseite. Die Kämpfe hätten am Sonntag in der Provinz Hakkari begonnen, die an den Iran und den Irak grenzt.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Dienstag abend: »Sorgen bereiten der Türkei derzeit auch die Aktivitäten syrischer Kurden. Sie sollen jetzt Gebiete kontrollieren, die an die Türkei grenzen und von syrischen Regierungstruppen geräumt wurden.« Außenminister Ahmet Davotuglu sagte am Sonntag im türkischen Fernsehen, Ankara werde die »Bildung terroristischer Strukturen an unserer Grenze« nicht zulassen. Egal ob es sich um Al-Qaida oder die in der Türkei als terroristische Gruppe verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) handele, werde die Regierung »alle Maßnahmen treffen«, erklärte Davotuglu, ohne Einzelheiten zu nennen. Der Minister relativierte zugleich Äußerungen von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, der zuvor mit einem militärischen Einmarsch ins Nachbarland gedroht hatte. Erdogan hatte gesagt, der syrische Präsident Baschar Al-Assad habe fünf Gebiete nahe der Grenze zur Türkei Kämpfern der PKK und ihres syrischen Arms »anvertraut«. Dazu erklärte Davotuglu, nicht der gesamte Norden Syriens werde von der PKK kontrolliert. Allerdings bestehe Gefahr, und diese werde ernst genommen, selbst wenn sie »nur ein Prozent« ausmache.
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Hintergrund der Drohungen und Propaganda ist, daß sich die Kurden in Syrien nicht dem von Ankara gesponserten Aufstand der »Freien Syrischen Armee« (FSA) gegen Assad anschließen. Mittlerweile haben sich die syrischen Streitkräfte aus mehreren Kurdengebieten an der nördlichen Grenze des Landes zurückgezogen. »Die Orte Afrin und Kobani im Norden von Aleppo sowie Amude und Deirik weit im Osten des Landes sollen nun weitgehend unter der Kontrolle der PYD stehen, des syrischen Arms der türkischen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK)«, berichtete am Montag selbst die Welt. »Videoclips im Internet zeigen, wie neuerdings die rot-weiß-grün gestreifte Fahne der Kurden vor den Verwaltungsgebäuden im Wind weht. Jugendliche reißen syrische Nationalflaggen herunter; die Menschen feiern auf der Straße. Auch das Banner der PKK hängt an den Fassaden und Poster des inhaftierten Parteigründers Abdullah Öcalan. Auf öffentlichen Plätzen patrouillieren bewaffnete kurdische Milizionäre.« (rg)
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Erschienen in der Ausgabe vom 02.08.2012, Seite 3, Schwerpunkt

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