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Porsche-Chef bläst die Backen auf

Stuttgart. Mit Blick auf eine mögliche Übernahme der Kontrolle des Autoriesen VW, hat der Chef des Stuttgarter Autofabrikanten Porsche, Wendelin Wiedeking, mächtig aufgedreht: »Niemand wird uns mehr daran hindern, die nächsten Schritte zu gehen, sofern wir es wollen –auch nicht der Konzernbetriebsrat von Volkswagen«, tönte Deutschlands bestbezahlter leitender Angestellter auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Freitag. Der VW-Betriebsrat hatte Eigner und Management des Stuttgarter Familienunternehmens offenbar verärgert, als er gegen die Mitbestimmungsvereinbarung der Porsche-Holding klagte. In der Holding sollen die 12000 Beschäftigten der Stuttgarter Fabrik ebensoviel Stimmrechte haben, wie die mehr als 300000 VW-Mitarbeiter – falls Porsche seinen VW-Anteil von derzeit gut 30 auf mehr als 50 Prozent aufstockt.

Wiedeking monierte auch den jüngsten Entwurf von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) zur Änderung des VW-Gesetzes. Obwohl der Europäische Gerichtshof wesentliche Teile für rechtswidrig erklärt habe, sollten nach dem Zypries-Entwurf wichtige Entscheidungen nicht wie bei allen anderen Unternehmen mit der gesetzlichen Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie verhindert werden können, sondern bereits mit einem Anteil von 20 Prozent, beschwerte sich Wiedeking. Sollte dieser Entwurf Gesetz werden, könnte Porsche mit »elementaren Entscheidungen an Niedersachsen scheitern«, dessen Anteil mit 20,1 Prozent exakt die geplante Gesetzeshürde erfülle.
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(AP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 26.01.2008, Seite 9, Kapital & Arbeit

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