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Tarifrunde Metallindustrie

Metallkapital knausert beim Lohn

Zweite Verhandlungsrunde Metalltarif angelaufen. Angebot weit unter Inflationsrate

Von Mirko Knoche
Foto: Benjamin Westhoff/dpa
Wollen ihre Jobs nicht zu Grabe tragen: Stahlarbeiter gehen auf die Straße (Siegen, 26.10.2026)

Sie führen den Klassenkampf von oben an. Die Unternehmer in der Metall- und Elektroindustrie haben in der laufenden Woche ein dürftiges Angebot für ihre Beschäftigten in der diesjährigen Tarifrunde vorgelegt. Eine einprozentige Einmalzahlung eines Jahresgehalts erst im Juli 2027 und eine 1,3prozentige Erhöhung der Entgelttabelle im Juli 2028 sollen laut einer Mitteilung des Kapitalverbands Gesamtmetall vom Dienstag schon alles sein. Laufen soll der neue Tarifvertrag nach dem Willen der Bosse bis Ende Dezember 2028. Verhandelt wird regional, die Termine der zweiten Gesprächsrunde begannen am Dienstag und enden am Freitag.

Die Industriegewerkschaft Metall (IGM) weise das Angebot als »unzureichend zurück«, hieß es am Mittwoch aus deren Zentrale. Gefordert hatte die weltgrößte Einzelgewerkschaft fünf Prozent mehr Lohn für ein Jahr. Am Sonnabend endet die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie, ab Sonntag sind Warnstreiks möglich und bereits angekündigt. Die Abschlüsse in der Branche galten über Jahrzehnte als Messlatte für andere Industriezweige, bleiben aber immer weiter hinter vielen Sparten zurück.

Gesamtmetall argumentiert für seine magere Offerte mit der Notwendigkeit, »die Deindustrialisierung zu stoppen, industrielle Wertschöpfung zu erhalten und so viel Beschäftigung wie möglich in Deutschland zu sichern«. Dahinter steckt die Drohung, Standorte dichtzumachen, wenn die Lohnzuwächse nicht weit unterhalb der Inflationsrate von derzeit 3,3 Prozent jährlich bleiben. »Kosten senken, Standorte retten«, lautet denn auch die markige Parole der Kapitalisten in der diesjährigen Lohnrunde.

Dabei gibt es ganze Sektoren der Metallindustrie, die regelrecht »boomen«, wie die IG Metall es formuliert, und dafür Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Elektrotechnik und Rüstungsbranche nennt. Bereits bei der Vorstellung der bundeseinheitlichen Entgeltforderung Ende September brachte IGM-Chefin Christiane Benner dafür tarifliche Öffnungsklauseln mit Abweichungen nach oben sowie Gewinnbeteiligungen ein. Das lehnt Gesamtmetall strikt ab.

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Allerdings deutete Tarifvorständin Nadine Boguslawski auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Benner mit der ominösen Formulierung, den »Werkzeugkasten zu überprüfen«, an, in kriselnden Unternehmen mit der Bezahlung nach unten zu gehen. Das sorgte in der einst führenden Autoindustrie für Zündstoff in der Belegschaft. Bei Volkswagen regte sich Mitte Oktober Widerspruch der »Gewerkschafter von unten« mit einem offenen Brief (jW berichtete), bei Mercedes-Benz soll nach jW-Informationen auf einer Betriebsräteversammlung in Sindelfingen Anfang Oktober ein Antrag eingebracht worden sein, der Zugeständnisse an »den geplanten Kahlschlag der Autobosse« verurteilte.

Tatsächlich befindet sich die Konzernspitze in Gesprächen mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Ergun Lümali über »eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich«, wie eine Mercedes-Sprecherin am Dienstag gegenüber jW bestätigte. Dabei soll es nach Medienberichten bereits um einen Kompromiss zwischen einer Wochenarbeitszeit von tariflich vereinbarten 35 Stunden und kapitalseitig geforderten 40 Stunden gehen. Stellungnahmen des Gesamtbetriebsrats und der IG Metall Baden-Württemberg gingen bis jW-Redaktionsschluss nicht ein. Mercedes droht hier mit der Schließung eines Autowerks und eines Komponentenwerks, wenn die Arbeitskosten nicht sinken.

Im Volkswagen-Konzern hat der Vorstand gar den Manteltarifvertrag des Haustarifs zum Jahresende gekündigt. Der regelt auch die 35‑Stunden-Woche. Insgesamt zehn Tarifwerke sind gekündigt, die Friedenspflicht endet am 31. Dezember. Im Konzern sollen vier Werke geschlossen werden.

Die Autobauer erhöhen den Druck, weil die Geschäfte wegen des Einbruchs auf dem chinesischen Markt schlecht laufen. Dort schrumpfen die Absatzahlen, gleichzeitig drängt die Konkurrenz aus dem Reich der Mitte vermehrt auf den europäischen Markt. So meldete Mercedes am Mittwoch für das dritte Quartal einen mehr als halbierten Gewinn von 560 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Viel Gegenwind für die Metaller.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.10.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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