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Belohnung der Geduld
In der Finalserie der Major League Baseball führen die Milwaukee Brewers gegen die Tampa Bay Rays mit 3:0
Nach den ersten beiden dramatischen Partien der World Series in der Major League Baseball (MLB) zwischen den Milwaukee Brewers und den Tampa Bay Rays führen die Brewers mit 3:0. Am Freitag abend (Ortszeit) gewannen sie Spiel eins im heimischen, mit mehr als 43.000 Zuschauern restlos ausverkauften American Family Field mit 3:2 – und das sogar zweimal, aber dazu später mehr –, ehe sie am Sonnabend mit 5:4 erneut nur knapp die Oberhand behielten.
Die Brewers aus der National League spielten mit 103 Siegen die beste Saison aller 30 MLB-Klubs, obwohl sie die zweitwenigsten Homeruns (154) droschen. Statt Power ist Geduld das Rezept der Brewers: Kein Team schwang seltener nach Bällen als Milwaukee. Mit 34,1 Prozent wies Milwaukee die beste On-Base-Percentage auf und erzielte 832 Runs – Platz zwei in der MLB. Die Rays, mit 98 Siegen bestes Team in der American League (AL), spielen das Gegenmodell: Sie schlagen früh und häufig, bringen den Ball ins Spiel und rennen wie die Hasen. Kein Team strikte seltener aus, als die Rays mit ihren 18,8 Prozent und stahl mehr Bases (164) in der AL. Spiel eins hatte bereits nach dem ersten Wurf seinen ersten Rekord in den Büchern: Misiorowskis erster Pitch gegen Designated Hitter (DH) Yandy Díaz war gleich 103,5 Meilen pro Stunde (knapp 167 Kilometer pro Stunde) schnell – ein schnellerer Wurf wurde in keiner World Series zuvor je gemessen. Die Brewers punkteten auch zuerst. Leftfielder Jackson Chourio schlug den ersten Pitch von Nick Martinez – der von Teammanager Kevin Cash überraschend statt Drew Rasmussen aufgestellt worden war – zu einem Single. Anschließend trieb Brewers-Captain und Designated Hitter Christian Yelich mit einem Triple Chourio zum 1:0 nach Hause. Catcher William Contreras legte einen Single nach, den Yelich zum 2:0 nutzte.
Nach dem wackligen Start fing sich Martinez aber und sorgte in den folgenden Innings für das Aus von 13 von 14 Schlagmännern. Tampa Bay verkürzte dann im vierten Inning: First Baseman Jonathan Aranda nutzte ein Groundout von Catcher Liam Hicks für den ersten Run zum 2:1. Kurz darauf war Feierabend für Misiorowski, der fünf Innings bei drei Strikeouts, einem Walk und einem Run durchhielt – ein ordentlicher, aber kein dominanter Auftritt des 24jährigen. Aus dem »Bullpen« übernahmen Abner Uribe und Aaron Ashby, die die Innings sechs, sieben und acht abdeckten, ohne den Rays eine Chance zu lassen. Defensiv steckte sich Catcher Contreras einen Sheriffstern an und hielt mit präzisen Würfen Aranda und Victor Mesa Jr. vom »Base stealing« ab – gegen das laufstärkste Team der Liga kein unwichtiges Detail. Im neunten Inning brachte Brewers-Cheftrainer Pat Murphy Closer Trevor Megill ins Spiel, der Díaz auch gleich per Groundout wieder auf die Bank schickte. Doch Megill geriet danach in Schwierigkeiten und ließ zwei Singles, einen »Doppel-Steal« sowie einen Walk zu. Bei geladenen Bases schlug Hicks einen Groundball zu Second Baseman Brice Turang, der das vermeintlich spielbeendende Doubleplay einleitete. Der Jubel war grenzenlos, ein Feuerwerk wurde gezündet, von den TV-Crews wurde bereits die Bühne für die Postgame Show aufs Spielfeld gerollt, als sich plötzlich das Replay Command Center in New York meldete und das Doubleplay per Videobeweis einkassierte. Rookie-Shortstop Cooper Pratt hatte schon knapp nicht mehr auf der zweiten Base gestanden, als er den Ball von Turang fing und anschließend für das vermeintlich zweite Aus zur ersten Base feuerte. Der Run von »Pinch Runner« Jorge Mateo zählte. Es stand nur noch 3:2. Mit Läufern auf zweiter und dritter Base musste Megill erneut an die Arbeit. Nach fünf Würfen strikte er Centerfielder Jonny DeLuca allerdings souverän aus. Der Jubel durfte erneut ausbrechen.
In Spiel zwei am Sonnabend erwischten die Rays einen Traumstart und gingen gegen Rookie-Pitcher Logan Henderson – der nur drei Innings durchhalten sollte – gleich im ersten Inning mit 4:0 in Führung. Hicks steuerte per Homerun zwei Runs bei. Was folgte, war »Brewers Ball« in Reinkultur. Unnachgiebig halbierte Milwaukee den Rückstand noch im ersten Inning gegen den bis dahin besten Pitcher der Playoffs, Drew Rasmussen: Chourio und First Baseman Jake Bauers landeten Hits, ehe sie von Contreras und Centerfielder Garrett Mitchell mit Singles zum 2:4 geschlagen wurden. Anschließend zermürbten die Brewers Rasmussens Arm und zwangen ihn in immer längere Duelle. Im vierten Inning gelang dem Heimteam durch einen Run von Pratt der 3:4-Anschluss. Nach 3 2/3 Innings hatten die Brewers Rasmussen erschöpft – sein kürzester Auftritt seit Juli. Im sechsten Inning glich ausgerechnet Rightfielder Sal Frelick per Homerun zum 4:4 aus. Frelick hatte in der gesamten Saison bisher lediglich vier »Long Balls« geschlagen, den letzten im Juli. Im siebten Inning schlug Pratt per Single Turang gegen Einwechselwerfer Kevin Kelly zum 5:4-Endstand heim. Es war das siebte von zehn Playoffspielen, das die Brewers nach Rückstand noch drehen konnten. Den Sieg sicherte schließlich Ashby, der in 1 2/3 Innings drei Strikeouts warf und dabei den Ausgleichsläufer der Rays auf der dritten Base strandete.
Das Spiel drei auf dem Tropicana Field in Sankt Petersburg, Florida, wurde für die Rays zum Desaster. Milwaukee gewann in Florida sage und schreibe 10:1, spielte ein sensationelles fünftes Inning mit acht Runs bei bereits zwei Outs! Und führt in der Serie mit 3:0. Sie haben nunmehr acht Playoffspiele hintereinander gewonnen und damit den MLB-Rekord für eine einzelne Postseason eingestellt. Einen 0:3-Rückstand wiederum konnte noch keine einzige Mannschaft in der bisherigen Geschichte der World Series zum Gewinn der Best-of-seven-Serie drehen. Die Rays brauchen ein Wunder. Spiel vier beginnt in der Nacht auf Mittwoch um 01.00 Uhr MEZ.
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