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Energiepolitik

Raubbau für die KI in Patagonien

In Argentinien entstehen großer Rechenzentren, die nicht nur die Wasserversorgung bedrohen

Von Florencia Beloso
Foto: Noah Berger/AWS
Auf jeweils 10.000 Quadratmetern Fläche verbraucht jede dieser Serverfarmen in der Regel über 100 Megawatt Strom

Überall in der Welt werden Server-Farmen für künstliche Intelligenz gebaut. Laut einer Studie des Nachrichtenunternehmens Bloomberg dürften solche Rechenzentren bis 2035 weltweit mehr als 1.500 Terawattstunden Strom verbrauchen, etwas weniger als ganz Indien. Verhältnisse wie in Irland, wo diese Zentren heute schon mehr Strom schlucken als alle städtischen Haushalte zusammen, sind auch für Argentinien nicht auszuschließen.

Die Regierung unter Präsident Javier Milei hat ein Investitionsförderprogramm namens »Super Rigi« aufgelegt. Es soll die Ansiedlung von Produktionsstätten für neue Technologien befördern. Eine tragende Säule sind Hyperscale-Rechenzentren zumeist großer Konzerne. Auf mehr als jeweils 10.000 Quadratmetern Fläche verbraucht jede dieser Serverfarmen in der Regel über 100 Megawatt Strom.

Zur Erfassung der Riesenfarmen in Argentinien hat Pablo Sedrán, Rechtsanwalt und Dozent an der Universität von Buenos Aires (UBA), die Beobachtungsstelle »Tengo Data« ins Leben gerufen. Sedrán erstellt mit Kollegen eine Karte, die alle Rechenzentren des Landes in aktueller Form abbildet. »Derzeit erfassen wir ›Projekte‹, da es in Argentinien noch keine Rechenzentren vom Typ ›Hyperscaler‹ gibt«, erklärte Sedrán. »Außenminister Pablo Quirno hat sich Mitte Oktober in Malaysia mit Vertretern des Unternehmens Day One getroffen, das mit Rechenzentren in Finnland für Kontroversen gesorgt hat. Unter anderem, weil nicht bekannt ist, wieviel Wasser diese Zentren verbrauchen.«

In Argentinien analysiert Tengo Data derzeit etwa »das Stargate-Projekt, das mit Open AI verbunden ist«, wie der UBA-Dozent ergänzte. Das Hyperscale-Zentrum in Patagonien wurde bereits im vergangenen Jahr von Präsident Milei groß angekündigt. Noch ist kein Termin für die Inbetriebnahme bekannt. Aber viele transnationale Unternehmen lassen sich bereits in der Region nieder, die von einem der weltgrößten Grundwasserleiter abhängt, dem 1.200.000 Quadratkilometer großen Acuífero Guaraní.

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Laut Sedrán ist diese Süßwasserreserve »gefährdet«. Eines der paraguayischen Unternehmen, das sich in der Region ansiedelt, »Iguazú IA City«, wird vom Founders Club finanziert, der mit dem Milliardär Peter Thiel in Verbindung steht. »Diese Unternehmen brauchen Wasserressourcen, um die Rechner zu kühlen«, erklärte Sedrán. »Der große Stromverbrauch kann leicht zu einer Überhitzung der Server führen. Patagonien wäre ein idealer Standort.«

Weltweit wird über die Regulierung der Großkonzerne gestritten, deren Bauwut das Leben vieler Gemeinden bedroht. »Wir sind nicht gegen Rechenzentren«, so Sedrán. »Uns geht es darum, dass Argentinien einen souveränen Entwicklungsweg einschlagen sollte.« Hilfreich seien in dieser Hinsicht die Erfahrungen Brasiliens. »Im September hat Brasilien ein Gesetz verabschiedet, das als ›Datengesetz‹ bekannt ist. Es enthält Auflagen für Unternehmen, die große Rechenzentren errichten wollen. In Argentinien gibt es so etwas nicht. Das argentinische Wirtschaftsministerium erklärt auch, dass es das niemals geben werde. In Brasilien ist die staatliche Unterstützung für Hyperscale-Rechenzentren zum Beispiel an die Auflage geknüpft, dass ein Teil der Rechenkapazität in den Händen des brasilianischen Staates verbleibt.«

In den USA ist der Bau von Rechenzentren laut Sedrán »ein zentrales Thema im Wahlkampf« vor den »Mid-Terms«. Anwohner und Umweltorganisationen kritisieren den enormen Wasserverbrauch für die Kühlung, den Stromverbrauch, der die Tarife in die Höhe treibt, den ständigen Industrielärm und die Auswirkungen auf die Umwelt.

Was die Entwicklung in Argentinien angeht, ist die Verteidigung des Bodengesetzes laut Sedrán von zentraler Bedeutung. Die Regierung Milei will dieses Gesetz aufheben. Es bietet einen gewissen Schutz vor dem Raubbau multinationaler Konzerne. Sedrán: »Es ist dieses Gesetz, das es uns überhaupt erst ermöglicht, mit den Konzernen über Bedingungen ihres Einstiegs zu verhandeln.«

Viele Arbeitsplätze werden durch den Bau großer Rechenzentren nicht geschaffen. Laut Untersuchungen aus den USA entspricht die Anzahl der Stellen etwa der eines mittelgroßen Supermarktes. Im uruguayischen Canelones wird ein mit Google verbundenes Rechenzentrum von 40 Beschäftigten betrieben.

Einen Beschäftigungsschub gab es bisher allenfalls in der Bauphase, doch auch das hat sich geändert. Neuerdings werden Rechenzentren im Modulbausystem errichtet. Vorgefertigte Bauteile sind mit den erforderlichen Komponenten bereits vollständig ausgestattet. Sie müssen nur noch an das Strom- und Kühlnetz angeschlossen werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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