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Bomben gegen Vergesellschaftung

Am 26. September 1960 hielt Fidel Castro vor der UN-Vollversammlung eine historische Rede. Ein Auszug

Foto: Sergei Preobrazhensky/IMAGO
Hier packt der Jefe noch selbst an. Fidel Castro bei der Zuckerrohrernte im Osten Kubas (undatierte Aufnahme)

Noch waren wir keine 150prozentigen Kommunisten. (Lachen.) Wir sahen nur ein bisschen röter aus. Wir haben die Ländereien nicht konfisziert; wir haben ganz einfach vorgeschlagen, sie in 20 Jahren abzuzahlen, und zwar auf die einzige Art und Weise, in der wir sie bezahlen können: in Boni, die in 20 Jahren ablaufen würden; und sie sollten 4,5 Prozent Zinsen kassieren, die Jahr um Jahr getilgt würden.

Wie sollten wir die Ländereien in US-Dollar bezahlen, und wie sofort, und wie sollten wir bezahlen, was sie dafür verlangten? Das war absurd. Jeder versteht, dass wir unter diesen Umständen wählen mussten: Machen wir die Agrarreform oder machen wir sie nicht? Wenn wir sie nicht machten, würde die furchtbare wirtschaftliche Situation in unserem Land auf unbestimmte Zeit weiter fortdauern. Tun wir es, würden wir uns die Regierung des mächtigen Nachbarn im Norden zum Feind machen.

Wir machten die Agrarreform. (…) Aber in unserem Land waren nicht nur Ländereien im Besitz nordamerikanischer Monopole. Auch die wichtigsten Bergbauwerke waren im Besitz von Monopolen. Kuba produziert zum Beispiel viel Nickel; der gesamte Nickel wurde von nordamerikanischen Unternehmen ausgebeutet. (…)

So erließ die revolutionäre Regierung das Gesetz über die Bergbauwerke, das diese Monopole verpflichtete, eine Steuer in Höhe von 25 Prozent der Exporte jener Minerale zu zahlen. Die Handlungsweise der revolutionären Regierung war wohl zu vermessen. Sie geriet in Konflikt mit den Interessen des internationalen »Stromtrusts«, des internationalen »Telefontrusts«, des internationalen »Minentrusts« und mit den Interessen der United Fruit Company sowie praktisch mit den mächtigsten Interessen der Vereinigten Staaten, die, wie Sie wissen, aufs engste miteinander verflochten sind. Und das war mehr, als die US-Regierung – oder besser gesagt: die Vertreter der US-Monopole – hinnehmen konnte. Und es begann eine neue Phase der Schikanen gegen unsere Revolution. (…) Das Problem war, dass dieselben Unternehmen die Besitzer der Reichtümer und der Naturvorkommen des größten Teiles der Völker der Welt waren. Und das Vorgehen der Kubanischen Revolution musste bestraft werden. Strafaktionen jeder Art, bis hin zur Vernichtung jener, die es wagten, die Kühnheit der revolutionären Regierung zu besitzen. (…)

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Die Kolonie hatte sich der Metropole zu unterwerfen, und sollte die Kolonie Maßnahmen ergreifen, um sich zu befreien, würde die Metropole Maßnahmen ergreifen, um sie zu zerschlagen. Im Bewusstsein der Abhängigkeit unserer Wirtschaft von ihrem Markt begann die Regierung der Vereinigten Staaten mit einer Reihe von Warnungen, dass man uns unsere Zuckerquote streichen würde; und parallel dazu fanden andere Aktivitäten in den Vereinigten Staaten statt, Aktivitäten von Konterrevolutionären.

Eines Nachmittags kam ein Flugzeug aus dem Norden übers Meer, überflog eine unserer Zuckerfabriken und warf eine Bombe ab. Das war eine seltsame Sache, eine nie dagewesene Sache, aber wir wussten, woher die Flugzeuge kamen. Ein weiteres Flugzeug überflog an einem anderen Nachmittag unsere Zuckerrohrfelder und warf einige kleine Brandbomben ab. Und was zunächst nur sporadisch begann, setzte sich dann systematisch fort.

Eines Nachmittags, als gerade eine Anzahl von Tourismusagenturen jenes Landes bei uns zu Besuch waren, da die revolutionäre Regierung große Anstrengungen unternahm, um den Tourismus als Einnahmequelle für unser Land zu fördern, warf ein Flugzeug US-amerikanischer Herkunft, eines, wie es im letzten Krieg benutzt wurde, über unserer Hauptstadt Flugblätter und einige Handgranaten ab. Natürlich haben einige Luftabwehrstützpunkte darauf reagiert. (…) Das Ergebnis: mehr als 40 Opfer. Kinder mit herausgerissenen Eingeweiden, alte Männer und Frauen. War das für uns das erste Mal? Nein. Mädchen und Jungen, alte Leute, Männer und Frauen in kubanischen Dörfern waren viel Male durch Bomben nordamerikanischer Herkunft, die an den Tyrannen Batista geliefert wurden, zu Tode gekommen. (…)

Wir hatten leider nicht viel Luftabwehr, und die Flugzeuge flogen weiter, bis die Zuckerrohrernte vorbei war. Da stand nun kein Zuckerrohr mehr, und die Bombardierungen hörten auf. (…) Dann erhielten wir einen Prankenhieb: Auf Antrag der US-Regierung verabschiedete der Kongress ein Gesetz, wonach der Präsident bzw. die Exekutive befugt war, die Zuckerimporte aus Kuba auf das von ihm als angemessen erachtete Maß zu reduzieren. Man zog blank gegen die Wirtschaft, unsere Revolution. Die Rechtfertigung für diese Haltung hatten die Werbetreibenden bereits vorbereitet; die Kampagne lief schon seit langem, denn Sie wissen ganz genau, dass Monopol und Werbung hier zwei Dinge sind, die untrennbar miteinander verbunden sind. Die Wirtschaft als Waffe: Man reduziert mit einem Schlag unsere Zuckerquote um fast eine Million Tonnen Zucker, der bereits für den US-amerikanischen Markt bestimmt war, um unser Land seiner Mittel für die Entwicklung zu berauben, um unser Land machtlos zu machen, um damit politische Ziele zu erreichen.

→ Rede des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz am Sitz der Vereinten Nationen in New York, USA, am 26. September 1960. Hier zitiert nach: fidelcastro.cu/de/discursos

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.10.2026, Seite 2, Wochenendbeilage

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