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Niederlande

Cyberattacke: Leere Supermärkte

Hackerangriff auf Handelskette in den Niederlanden: Regierung beteuert Stabilität der Lebensmittelversorgung, Zeitarbeiter zahlen die Zeche

Foto: Anadolu Agency/IMAGO
Peu à peu vergriffen: Ware in der Supermarktkette Albert Heijn (Rotterdam, 13.10.2026)

Leere Regale, Probleme mit dem digitalen System, verunsicherte Kunden: Die belgisch-niederländische Einzelhandelskonzern Ahold Delhaize ist am Sonntag Opfer eines Cyberangriffs geworden. In den Niederlanden ist unter anderem die zum Unternehmen gehörende Supermarktkette Albert Heijn (AH) betroffen. AH hält in den Niederlanden einen Marktanteil von fast 40 Prozent. 1.203 Filialen sind über das ganze Land verteilt. In kleineren Gemeinden ist AH oft das einzige Lebensmittelgeschäft. Am Wochenende soll alles wieder rundlaufen, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

In einigen Logistikzentren von AH steht die Arbeit seit Sonntag still. Der Lieferservice wurde bis auf weiteres eingestellt. Der bringt den Kunden sonst den online bestellten Einkauf bis an die Haustür. Landesweit blieben Regale leer. Tausende Zeitarbeiter wurden nach Hause geschickt. Sie machen sich nun ernste Sorgen, ob sie für die ausgefallenen Schichten überhaupt bezahlt werden. »In eilig eingerichteten Whats-App-Gruppen versuchen Angestellte und Gewerkschaftsmitglieder, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen«, erfuhr Allgemeen Dagblad (AD) am Dienstag. »Man merkt, dass die Stimmung sehr angespannt ist und die Mitarbeiter die Situation als äußerst nervenaufreibend empfinden«, sagte ein direkt betroffener Angestellter, der anonym bleiben möchte.

Die Gewerkschaft FNV weist darauf hin, dass eine Vergütung für die ausgefallenen Stunden nicht vorgesehen ist. »Die Zeitarbeitskräfte zahlen die Zeche. Wer gestern und heute mehr als die Hälfte der geplanten Zeit nicht arbeiten konnte, verliert in dieser Woche ein Viertel seines Einkommens«, erklärte Gewerkschafter Michiel Al am Dienstag im Noordhollands Dagblad. »Albert Heijn verspricht zwar einen Ausgleich zu einem späteren Zeitpunkt – in den kommenden Wochen soll mehr Arbeit anfallen –, doch das ändert nichts an der aktuellen Situation.« Ein Unternehmenssprecher konterte, dass zumindest die vertraglich vereinbarten Stunden bezahlt würden.

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Nach Angaben der FNV machen Zeitarbeitskräfte bei AH 80 bis 90 Prozent der insgesamt 10.000 bis 12.000 Beschäftigten in den Filialen und im Onlinegeschäft aus. Die meisten von ihnen stammen aus Polen. In den Logistikzentren stellen Zeitarbeitskräfte mindestens 60 Prozent der 6.000 Mitarbeitenden. Die FNV behält sich Protestaktionen vor, falls AH den Lohn schuldig bleibt, immerhin geht es laut Gewerkschaft um einige Millionen Euro.

Wer hinter dem Angriff steckt, ist bis jetzt unbekannt. Der Konzern knausere mit Informationen und habe auch noch keine Anzeige erstattet, erfuhr AD dann am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft. Merkwürdig, schätzte der emeritierte Ökonomieprofessor Cor Molenaar den Schaden am Mittwoch laut ANP doch auf mindestens zehn Millionen Euro. Am Montag verlor der Konzern 787 Millionen Euro an Marktwert. Mittlerweile hat sich die Aktie stabilisiert. Ahold Delhaize sieht keinen Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Cyberangriff in Frankreich, bei dem die Temperatur in den Kühlregalen von rund 200 Supermärkten auf bis 50 Grad hochgeregelt wurde.

IT-Fachleute neigen immer stärker zur Ansicht, dass es sich um eine DDoS-Attacke handelt. Das heißt, das Netzwerk des Konzerns wurde so lange mit Anfragen bombardiert, bis es überlastet zusammenbrach. Dahinter kann ein Erpressungsversuch stecken. Aber auch der Versuch, im allgemeinen Chaos an anderer Stelle ins System einzubrechen, um zum Beispiel Daten von Kundinnen und Kunden zu stehlen. Ahold Delhaize erklärte jedoch, dafür gebe es bis jetzt keine Anhaltspunkte.

Einzelhandelsexperten bezeichnen den Angriff auf AH als den größten digitalen Zwischenfall in der Geschichte der Kette. Aktuelle Studien belegen, dass Supermarktregale bei größeren Störungen innerhalb von zwei Tagen leer sein können. »In gewisser Weise ist es ein Glück, dass es nur eine Supermarktkette getroffen hat«, sagt Dave Maasland, Cybersicherheitsexperte bei ESET Nederland, auf der Nachrichtenseite NU.nl. »Stellen Sie sich vor, mehrere Supermarktketten wären gleichzeitig betroffen gewesen.« Dann wäre Holland gewiss in Not. »Die Lebensmittelversorgung ist nicht in Gefahr«, versuchte der zuständige Staatssekretär in den Niederlanden, Silvio Erkens, schon am Dienstag die Bevölkerung zu beruhigen. Die Regierung erarbeite momentan einen Notfallplan.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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