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Sahneschlag Kopfhaken
Boxgeschichte in Aschersleben: Youngster Arminius Rolle ist jüngster deutscher Titelträger
Das Publikum steht, Applaus brandet immer wieder auf: Samstag abend, kurz nach 21 Uhr, in der Ballhausarena von Aschersleben, Sachsen-Anhalt, bei der Boxgala der SES-Boxing-Promotion. Scheinwerfer und Blitzlichter richten sich auf Arminius Rolle. Der Ringsprecher verkündet mit sonorer Stimme das Ergebnis: Technischer Knock-out in der neunten Runde. Beim Berliner Youngster brechen alle Dämme, Tränen laufen ihm über das Gesicht.
Hinter ihm versammeln sich Vater und Trainer Robert Rolle, Betreuer und Offizielle. Der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), Thomas Pütz, tritt hervor und legt dem Teenager den schwarzen Gürtel um die Hüfte. Arminius fährt mit den bandagierten Händen über den Schriftzug: »Internationaler Deutscher Meister«. Mit 16 Jahren hat der Gymnasiast Boxgeschichte geschrieben: Er ist der jüngste deutsche Titelträger aller Zeiten. Im Superleichtgewicht bis 63,5 Kilogramm. Leicht war der Weg zum Triumph allerdings nicht.
Erster Gong, erste Runde: Amijan Sepic prescht nach vorne, drückt, schiebt. Arminius behält die Übersicht, fährt die linke Führhand aus, hält seinen 22jährigen Gegner aus Bosnien auf Distanz. Der bleibt offensiv. »Raus aus der Ecke, zieh an«, schallt es durch den Ring. Vater Rolle erteilt die Kommandos, der Sohn pariert. Ähnliches Bild in Runde zwei, drei, vier. Sepic sucht den Infight, clincht – Bravorufe vom gegnerischen Coach.
Die Rolles stecken in der Rundenpause zum fünften Durchgang die Köpfe zusammen, stimmen sich ab. Arminius schaltet ein, zwei Gänge hoch und beeindruckt seinen Gegner mit Links-rechts-Kombinationen. Überpacet der Junior jetzt? Die Gefahr sieht auch der Senior: »Arminius, kontrolliert bleiben!« Der setzt weiter Haken zum Kopf und Körper von Sepic. »Ich hab’ gespürt, die haben Wirkung gezeigt«, wird Arminius im nachhinein im jW-Gespräch sagen. Ende der fünften Runde, der Wendepunkt im Gefecht.
■ Der Teenager aus Neukölln dominiert, bestimmt weiter das Tempo. Sepic’ Elan versiegt langsam, er setzt kaum noch Akzente. Arminius: »Mir war klar: Ich knack’ ihn jetzt.« Mitte der achten Runde schlägt ein rechter Kopfhaken bei seinem Kontrahenten ein. Sepic wackelt, seine Knie werden weich, er geht zu Boden und wird vom Ringrichter angezählt. Der Twen aus Sanski Most rettet sich in die Pause. Es hilft nichts. Arminius will finishen, packt sein boxerisches Repertoire aus. Ein Schlaghagel beendet den Zehnrundenkampf vorzeitig. Der Unparteiische bricht ab.
Stunden später, Sonntag morgen. Der Titelträger schwingt seinen Gürtel über die linke Schulter, drückt ihn fest ans Herz, lächelt – und sagt: »Der rechte Kopfhaken ist mein neuer Sahneschlag.« Ganz nach dem Geschmack des Publikums.
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