Post mit Portorekord
Bundesnetzagentur
Der Brief ist ein Auslaufmodell, heißt es. Seit Jahren schon. Komisch nur: Behörden verschicken ihre Bescheide weiter per Post, Gerichte Beschlüsse, Urteile oder Ladungen. Millionen Menschen erhalten wichtige Dokumente noch immer im gelben Umschlag. Totgesagt wird der Brief regelmäßig. Ausgerechnet die Kleinkunden sollen für sein Überleben bezahlen.
Zum Jahreswechsel 2027 droht nun der nächste Preisaufschlag, berichtete dpa am Montag. »Erhöhungsspielraum« nennt das die zuständige Bundesnetzagentur. Höhere Kosten dürfen über Porti umgelegt werden. Um mehr als 20 Prozent könnte das »Beförderungsentgelt« steigen. Ein Rekord. Die Kosten für einen Standardbrief, der heute noch 95 Cent kostet, dürften dann deutlich über einem Euro liegen. Seit 2012 hätte sich das Briefporto dann verdoppelt. Die Standardformel zum Standardbrief: Das Briefaufkommen sinkt, die Kosten steigen – für Personal, Energie, Infrastruktur.
Die Digitalisierung hat den Briefverkehr nahezu halbiert. Verschickten Unternehmen, Behörden und Privatleute 2005 noch 16,9 Milliarden Sendungen, waren es zwei Jahrzehnte später nur noch 9,4 Milliarden. Dennoch: Der Verweis auf digitale Alternativen ist zynisch. Wer jung, gesund und technikaffin ist, mag vieles online erledigen können. Für Alte, Kranke oder Gehandicapte gilt das oft nicht.
Staatsauftrag ist, landesweit Sendungen auszutragen, ein engmaschiges Filialnetz zu betreiben – kurz: überall eine postalische Grundversorgung zu gewährleisten. Bis in den letzten Winkel. Doch allein beim zeitnahen Befördern und Zustellen hakt es. Spätestens seit Anfang des vergangenen Jahres. Heute müssen 95 Prozent der eingeworfenen Sendungen erst nach drei Werktagen beim Empfänger sein, 99 Prozent nach vier Werktagen. Gleichzeitig häufen sich Vermisstenanzeigen für Briefe.
Dabei ist Briefpost keine beliebige Ware. Ist der »Universaldienstleister« aber ein börsennotierter Konzern, müssen die Werktätigen – allen voran die Briefzusteller – eines: rentabel rabottern. Die Aktionäre erwarten schließlich Dividenden. Ginge es anders?
Es ginge. Man müsste nur aufhören, eine öffentliche Aufgabe wie ein Geschäftsmodell zu behandeln. Denn nicht der Brief ist das Problem. Das Problem ist die Vorstellung, dass selbst die Grundversorgung noch Rendite abwerfen muss. Oder: Das Profitprinzip hat seinen Preis.
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