Es tropft
Die Ausstellung »Farbe! Farbe!« im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden
Mit der Ausstellung »Farbe! Farbe!« sind im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal rund 100 Lackarbeiten des Wuppertaler Arbeitskreises zu sehen. Die Farbstudien von Willi Baumeister (1889–1955), Franz Krause (1889–1979) und Oskar Schlemmer (1888–1943) gelangen so temporär zurück an den Ort ihres Entstehens.
Der Wuppertaler Lackfabrikant Kurt Herberts (1901–1989) gründete 1937 den Wuppertaler Arbeitskreis zur Erforschung von Maltechniken mit Lack und den künstlerischen Anwendungsmöglichkeiten moderner Farbstoffe. Durch die Vermittlung des Architekten Heinz Rasch (1902–1996) beauftragte Herberts die während des Faschismus aus ihren Lehrämtern entfernten Künstler Willi Baumeister und Oskar Schlemmer sowie den Architekten und Künstler Franz Krause, der zuvor als Bauleiter der Stuttgarter Weißenhofsiedlung tätig gewesen war. Diese drei Künstler bildeten den Kern des Wuppertaler Arbeitskreises, der bis 1944 bestand.
In einem eigens eingerichteten Maltechnikum in Elberfeld fertigten die Künstler Hunderte Versuchstafeln für die Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co. Diese Firma, die auch Zwangsarbeiter vernutzte, lieferte den Spannlack für den ersten Passagierzeppelin, aber auch Tarnfarben für die Front und Holzschutzmittel für KZ-Baracken. Obwohl das Unternehmen als kriegswichtig deklariert, Kurt Herberts zum Wehrwirtschaftsführer ernannt und 1944/45 Vorsitzender der Fachgruppe Lacke im Geilenberg-Stab wurde, trat er nicht in die NSDAP ein. Obwohl komplett in die faschistische Rüstungsindustrie eingebunden, unterstützte und schützte er privat die als »entartet« ausgegrenzten Künstler. Diese arbeiteten mit Schablonen und experimentierten mit Tropftechniken, Verfahren wie Abdruck und Abklatsch, Durchreibung, Klecksografie, Tropfenlauf, Krakelee und Sprühen. Sie beschäftigten sich mit der ostasiatischen Verwendung von Tusche sowie Lack und bewunderten etwa die tropfenartigen Punkte der offenbar sehr flüssig aufgetragenen Tusche auf einem japanischen Rollbild.
Die im Skulpturenpark Waldfrieden gezeigten Farbversuchstafeln können als Vorläufer des abstrakten Expressionismus in Deutschland gelten. In der Kunstgeschichte wird die Verbreitung dieser radikal ungegenständlichen Kunst den Re-Education-Programmen der USA zugeschrieben. Neben den Farbtafeln werden neue Skulpturen des englischen Bildhauers Tony Cragg, Spiritus Rector des Skulpturenparks, gezeigt, darunter mit Hilfe eines Roboters produzierte organisch anmutende Skulpturen aus iranischem Stein.
→»Farbe! Farbe! – Willi Baumeister, Franz Krause, Oskar Schlemmer« und »Tony Cragg – Recent Works«, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, bis 3. Januar 2027
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
