»Defense Tech« an der Spree
Eine IMI-Studie zeigt, wie Berlin zu einem Knotenpunkt des militärisch‑industriellen Komplexes gemacht wird
Für die Studienreihe der Tübinger Informationsstelle Militarisierung hat Chris Hüppmeier untersucht, wie das einst als »Hauptstadt der Startups« inszenierte Berlin in raschem Tempo in eine europäische Metropole der Rüstungsindustrie transformiert wird. Anknüpfungspunkt für die Studie ist die Entwicklung der Berliner Startup‑Szene, die nicht Wohlstand und Innovation, sondern prekäre Arbeitsverhältnisse und Gentrifizierung hervorgebracht hat. Dieses »Ökosystem« bildet den Nährboden für die neuen »Defense-Tech-Startups«.
2025 hat die Landesregierung beschlossen, Berlin zur »europäischen Metropole für Defence Tech« zu machen. Das 2026 zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Berlin-Brandenburg vorgestellte »TechHub SVI Ost« soll dabei ein Knotenpunkt sein, in dem Politik, IHK, Bundeswehr und »Investoren« eng verzahnt agieren – ein »Vorgeschmack auf ein Vorhaben, das die Hauptstadt der Startups zum Zentrum des Umbaus zur Kriegswirtschaft des gesamten Ostens Deutschlands machen soll«. Die Studie zeigt, wie bestehende »Innovationscluster« systematisch militarisiert werden. Das Label »battle proven« wird dabei zum zynischen Qualitätsmerkmal.
Kritisch beleuchtet wird in der Studie die Rolle der Hochschulen: Kürzungen und marode Infrastruktur erzeugen – falls das überhaupt nötig ist – Druck, Kooperationen mit Rüstungsunternehmen einzugehen. Adlershof mit dem naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität erscheint dabei als Paradebeispiel der Verflechtung mit der Rüstungsproduktion. Hier sind neben zahlreichen Forschungsinstituten längst einschlägige Unternehmen sowie Bundeswehr‑IT‑Strukturen vor Ort.
Thematisiert werden auch die Personennetzwerke dahinter. Ehemalige Bundeswehr-Soldaten und Akteure in und aus den politischen Apparaten prägen die Defence‑Tech‑Szene. Das sogenannte Cyber Innovation Hub der Bundeswehr ist ein Scharnier zwischen Militär, Startups und Politik und hat bereits einige Projekte und Karrieren angeschoben. Derweil werden Milliarden mobilisiert, um Rüstungsproduktion auszubauen und zivile Industriebetriebe zu übernehmen und umzuwidmen. Die deutsche Hauptstadt wird so zum Experimentierfeld eines militarisierten Kapitalismus, der auf staatliche Rüstungsmilliarden und geopolitische Konflikte setzt. Krieg erscheint für interessierte Akteure immer stärker als Beschleuniger technologischer Entwicklung, die wiederum den gesellschaftlichen Militarisierungsschub verstärkt. Berlin wird so zum Knotenpunkt eines neuen militärisch‑industriellen Komplexes, dessen Akteure Krieg als Chance für Profit und wirtschaftliches »Wachstum« verstehen. Diesem militaristischen Umbau kann, betont Hüppmeier, nur eine breite, gut organisierte Friedensbewegung etwas entgegensetzen. (jW)
→ IMI-Studie, Nr. 6/2026, 16 Seiten, Bezug: Informationsstelle Militarisierung (IMI) e. V., Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen, kostenlos als PDF-Download über www.imi-online.de
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