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2 Leserbriefe
- → Politisches Buch
Eine gefährliche Linke aufbauen
Olivier Davids Plädoyer für die Rückbesinnung auf klassenkämpferische Kunst und Politik
Wie hängen Krieg und Krise zusammen? Welche Rolle kommt der Kultur darin zu? Wie lässt sich der Widerspruch organisieren – auf den Straßen, aber auch mit den Mitteln der Kunst? Um solche Fragen kreisen die Texte in Olivier Davids neuem Buch, einer Sammlung von Kolumnen, Essays und Kommentaren, die sich um den Ausspruch »Die Waffen liefern die Reichen – die Armen liefern die Leichen« gruppieren.
Dabei geht es dem Autor nicht allein um den Krieg im engeren Sinne, sondern auch um die blutige Linie, die die Schützengräben in der Ukraine, die bedrängte Bevölkerung in Gaza und die zahllosen Opfer unserer Gesellschaft verbindet, für die kein würdevolles Leben vorgesehen ist: Kriege finden nicht im luftleeren Raum statt, sie sind nur die blutrünstigste Ausprägung derselben Gewalt, der die Arbeiterklasse tagtäglich ausgeliefert ist.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die bereits das Programm enthalten: »Positioniert euch – radikalisiert euch – organisiert euch.« Es handelt sich um ein dezidiert parteiliches Werk, nicht um ein distanziert-analytisches. David schreibt aus eigener Betroffenheit, aus der Erfahrung langjähriger Armut, aus der Geschichte einer Familie, in der Gefängnisaufenthalte, psychische Erkrankungen und Suizide »normal« waren.
Was den Band auszeichnet, ist die Verbindung von persönlicher Erfahrung und klassenkämpferischer Analyse. David führt vor, wie Armut materiell vernichtet, aber auch psychisch krank macht, wie sie Menschen in die Einsamkeit treibt. Er zeigt, dass die vielbeschworene »Mittelschicht« ein Mythos ist, eine Konstruktion der Herrschenden, die reale Klassenverhältnisse verschleiert. Seine Kritik zielt nicht auf eine durchlässigere Gesellschaft mit besseren Aufstiegschancen, sondern auf die Überwindung der Klassengesellschaft selbst.
Scharf greift er den Linksliberalismus an, der »klassenblind und moralisch argumentiert, wo es eine materialistische Analyse braucht«. Er polemisiert gegen jene, deren »Antifaschismus« sich in der Gegnerschaft zu Symptomen der bestehenden Verhältnisse wie der AfD erschöpft. Akteuren wie der Interventionistischen Linken oder dem Bündnis »Widersetzen«, die »eine Faschismusanalyse liefern, die sich kaum von der Analyse bürgerlicher Akteure unterscheidet«, wirft er in diesem Zuge opportunistisches Handeln vor: Es bleibe beim »harmlosen Blockadeversuch«, statt »tatsächliche Gegenmacht zu entfalten«. Ein revolutionärer Antifaschismus hingegen bekämpfe die AfD als Teil der bürgerlichen Herrschaft, richte seinen Schwerpunkt aber auf Sozialabbau und Kriegsvorbereitung. Es brauche einen Antifaschismus, in dessen Zentrum der Kampf für die Lebensbedingungen der eigenen Klasse stehe.
Was die Kultur angeht, plädiert David für eine »militante Kunst«, die sich nicht in der Pose der Besorgnis gefällt, nicht bei der Darstellung von Leid stehenbleibt, sondern die Bedingungen seiner Überwindung benennt. Eine Kunst, die Partei ergreift und dem Leser einen Begriff von der Veränderbarkeit der Verhältnisse vermittelt. Dass er den Schritt zur Organisation einfordert, macht den Band zu einem politischen Manifest. Er ruft dazu auf, zur »gefährlichen Linken« zu werden – politische Subjekte herauszubilden, die tatsächliche Gegenmacht entfalten können.
Das Buch ist eine Essaysammlung, keine geschlossene Theorie. Die Texte wurden über mehrere Jahre hinweg verfasst, mitunter kommt es zu Wiederholungen. David liefert eine politische Schrift, die Ausdruck eines Denkprozesses ist, der sich seiner Widersprüche bewusst ist. Sie ist, wie der Autor selbst schreibt, die »Chronik einer Politisierung – einer, die anhält«.
Der Band endet nicht mit einem Appell an die Vernunft, sondern an den Hass – den Hass auf die Verhältnisse, die Menschen in die Armut treiben, die Körper verschleißen, die Leben verkürzen. »Da, wo die neue Rechte Angstpolitik betreibt, muss eine klassenkämpferische Linke ihren Liberalismus überwinden und in eine Hasspolitik transformieren«, so David. Damit meint er, dass man die vorhandene Wut in Teilen der Klasse aufgreifen, sie verstärken und sie politisch adressieren soll. Die Arbeiterklasse soll lernen, mit ihrer Wut etwas anzufangen.
→ Olivier David: Die Armen liefern die Leichen. Positioniert euch – radikalisiert euch – organisiert euch. Letatlin, Offenbach/Berlin 2026, 184 Seiten, 18 Euro
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Onlineabonnent*in Oliver S. aus S. 14. Sept. 2026 um 14:21 UhrWie wird aus dem Sozialismus eine Massenbewegung? Grob gesagt bräuchte es zunächst eine Gallionsfigur, mit adretter Frisur und Krawatte, die bereit und fähig wäre, sich in die Mitte der Gesellschaft zu stellen und am rechten Rand zu fischen! Wir brauchen eine kommunistische Partei, die es schaffen könnte, die Menschen in ihrem Lebensalltag zu erreichen. Eine solche Partei müsste zunächst das umsetzen, was ihre Kernkompetenz vor allen anderen zu sein hat: die Zusammenhänge einer globalen und nationalen Ökonomie zu verstehen und zu erklären und die richtigen Schritte einzuleiten, die ein Wohlstandsversprechen für die Bevölkerung enthalten und den Menschen eine Zukunftsperspektive bieten. Die KPCh und andere machen es vor. Blinde Radikalisierung, Gejammer und verbaler Extremismus sind kontraproduktiv. Der Hass muss sublimiert und in konstruktive Bahnen gelenkt werden, ohne die Bevölkerung zu verschrecken. Gegenüber dem Bürgertum hatten Marxisten schon immer die plausibleren Erklärungen, Argumente und Lösungen. Wir brauchen Werbefachleute und Verkäufer, die unsere Ware wohlfeil unters Volk bringen!
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Wer Interesse an Werbung und »Verkauf« hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich mache in Hamburg das »Rote Sofa«, eine Form von Straßenagitation, und heile die Menschen von ihrem Unwissen. Praxis steht an erster Stelle und kein Rumgejammer und endlose Diskussionen um den Bart von Karl Marx. Der Prozess der Erkenntnis: Praxis → Erfahrung → Theorie → zurück in Praxis → vertiefte Wahrheit. mauerwerks-bau@web.de. Manni Guerth
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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