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Beim Fananwalt

Museumslandschaft

Foto: jW

Vor kurzem verschlug es mich an einem Wochenende in den Westen der Republik, nach Bochum. Ich wollte das örtliche Musicaltheater besuchen. Aber auch ein Wochenende in der Fremde geht natürlich nicht ohne Fußball. Treu nach dem alten Motto von Ernst Happel, dass ein Tag ohne Fußball ein verlorener Tag sei. Und da die Wege im Ruhrgebiet kurz sind, ging es einige Kilometer weiter nach Dortmund ins Deutsche Fußballmuseum. Denn auch der Fananwalt kann immer noch etwas aus der Historie mitnehmen.

Mit möglicherweise zu großen Erwartungen kam ich in diese heiligen Fußballhallen. Aus meiner Sicht ist es eine gut gestaltete Ausstellung, vielleicht ein wenig unstrukturiert. Der rote Faden verliert sich zwischen Pokalen, Fußballgeschichten und zu vielen bunten Bildern. Was mir als Fußballfan aus dem Osten aber besonders bitter aufgestoßen ist, war der Ausstellungsteil über den Fußballosten. Der hatte schließlich 45 Jahre lang selbständig existiert. Dies ist auch im Vergleich zu den 126 Jahren DFB ein nicht unbeträchtlicher Zeitraum. Der Ostfußball fand sich im Museum in einer eher kleinen und etwas schummrigen Ecke wieder. Was aber bei mir Kopfschütteln auslöste, war die inhaltliche Gestaltung. Der überwiegende Anteil bestand aus »Stasi«, Unterdrückung und der Flucht von Fußballern in den Westen. Sportliche Inhalte rückten eher in den Hintergrund. Auch wenn es im Osten nicht die Vielzahl der Fußballtitel wie im Westen gab, besteht der DDR-Fußball eben doch aus mehr als einem 1:0 1974 in Hamburg. Der Europapokalsieg des 1. FC Magdeburg, zahlreiche Olympiamedaillen oder auch eine ganz eigene Fankultur fanden nur am Rande eine Würdigung.

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Auch wenn ich mich zunächst sehr darüber ärgerte, wurde mir eines schnell klar: Warum sollte es sich mit der Gestaltung der Ost-West-Beziehungen in einem Fußballmuseum anders verhalten als es sonst gang und gäbe ist im Leben im allgemeinen und im Fußball bzw. beim DFB im besonderen? Auch sonst wurde und wird der Ostfußball stiefmütterlich behandelt. Denken wir nur an die aktuelle Debatte um die Reform der Regionalliga. Westdeutsche Fußballfunktionäre stehen auf der Bremse, um eigene Pfründe gegen den aufmüpfigen Osten zu verteidigen. Und auch schon zur »Wende« wollte man eher widerwillig möglichst wenige Vereine aus dem Osten ins westdeutsche Ligensystem integrieren. Und so ist diese Museumsgestaltung nur folgerichtig. Schade, aber es kann ja nur besser werden.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.10.2026, Seite 16, Sport

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