Weltfriedenstag
Am 1. September 2026 erinnern nur einige regionale Zeitungen an den Weltfriedenstag, der in der Sowjetischen Besatzungszone vor 80 Jahren zum ersten Mal begangen wurde und in der DDR ein wichtiger Gedenktag war. 1957 riefen in der BRD der DGB und Organisationen wie Die Falken dazu auf, am Antikriegstag an den Überfall des faschistischen Deutschlands auf Polen 1939 zu erinnern.
Die Taz veröffentlicht einen Auszug aus der Rede, die Christoph Butterwegge zum Weltfriedenstag in Aachen halten wollte. Er fragt, warum es »›Sicherheitsexperten‹, die zu Dauergästen in deutschen TV-Talkshows avanciert« seien, gelinge, »mit ihren apokalyptischen Bedrohungsszenarien, eine Vorkriegsstimmung zu erzeugen«. Seine Antwort: »Vermutlich nur deshalb, weil die Legende einer ›Gefahr aus dem Osten‹ hierzulande eine jahrhundertelange Tradition hat (…). Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben, Russland hingegen sechsmal aus Westeuropa und allein viermal aus Deutschland angegriffen worden ist.« Das »erste Opfer« der »Zeitenwende« sei die Kindergrundsicherung gewesen, das zweite Opfer das Bürgergeld, das dritte drohe die Rente zu werden.
Die Welt erinnert mit keiner Silbe an den 1. September 1939, bekräftigt aber das Kürzen bei Sozialleistungen. Das Loch in der Pflegekasse drohe im kommenden Jahr auf zehn Milliarden Euro anzuwachsen: »Auf den gerade erst ins Amt gekommenen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) wartet eine Herkulesaufgabe. Denn klar ist, dass Abstriche bei den Leistungen unvermeidbar sind. Den Bürgern dies klarzumachen wird schwer.« Die sind einfach nicht kriegstüchtig genug.
Aber damit geht es voran, meldet das Handelsblatt auf Seite eins: »Rüstungsboom sichert Jobs in der Industrie. Rheinmetall, KNDS und ihre Zulieferer bauen Standorte aus.« In einem Kommentar heißt es: Bis 2030 werde »der Rüstungsetat auf 180 Milliarden Euro anwachsen, das ist fast doppelt soviel wie 2025«. Aber spätestens Mitte der 30er Jahre seien die Depots der Bundeswehr voll und die Staatskasse leer.
In der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung schreibt Maritta Tkalec: »Kriege beginnen mit Lügen« – so wie am 1. September 1939 mit dem »Überfall auf den Sender Gleiwitz«. Heute wucherten allerorten »Propagandalügen, die das Zeug zum Funken für einen großen Brand haben«. Zweifel und Unruhe seien da »erste Bürgerpflicht«. Und: »Nie war es hilfreicher, um historische Vorgänge zu wissen (ohne zu glauben, Geschichte wiederhole sich eins zu eins).« Eins zu eins nicht, aber die Wiederholung läuft bereits. (as)
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