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Wie wehrt sich Ihre Bürgerinitiative?
Bayern: Es braucht keine neuen Gasfelder, sondern den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, sagt Ute Steininger
Sie sind aktiv in einer Bürgerinitiative, die sich gegen Gasbohrungen in Oberbayern einsetzt. Was genau geschieht zwischen Landsberg am Lech und Ammersee?
In Reichling wurde 1983 schon einmal eine Ölbohrung gemacht. Damals haben sie aber kein Öl, sondern Gas gefunden. Das Loch haben sie aber wieder verschlossen. Jetzt soll an genau dieser Stelle wieder nach Gas gebohrt werden. Bereits mit dem Beginn der Bohrung am 8. August 2025 sind schon die ersten Schadstoffe in unser Wasser gelangt. Zwischen Lech und Ammersee ist von zehn möglichen Bohrstellen die Rede. Das widerspricht dem Ziel, klimaneutral zu werden. In der Umgebung der Bohrstelle Gimmenhausen werden für den Klimaschutz Moore vernässt. Und 300 Meter weiter lassen sie das Gas raus, das dann verbrannt werden soll. Das ist für mich wirklich nicht nachvollziehbar.
Wirken sich die Bohrungen auf das Trinkwasser aus?
In 3.300 Metern Tiefe wurde schon gebohrt, und auf neun Metern befindet sich das Zuflussgebiet unserer Trinkwasserquelle – überhaupt kein Problem, hieß es da immer. Wir haben Gott sei Dank Greenpeace, das sich immer wieder beim Bergamt informiert. Dadurch haben wir Anfang Februar erfahren, dass Schadstoffe wie Barium, Zink und BTEX durch die Probebohrung schon in unserem Trinkwasser gefunden worden sind.
Wie wehrt sich die Bürgerinitiative?
Im Juni 2024 sind wir das erste Mal öffentlich aufgetreten. Für uns aus Reichling ist es natürlich wichtig, dass unsere Region geschützt wird. Zu unserer ersten Demo haben wir uns mit einem symbolischen Gasbohrturm an das Wirtschaftsministerium in München gestellt. Etwa zehn Tage später war die Bohrgenehmigung da. Das war sehr deprimierend. Dennoch haben wir gesagt, wir machen weiter. Aus der Sache ist dann eine riesige Bewegung geworden. Die Grundstücksbesitzer um den Bohrplatz in Reichling haben auch schon unterschrieben, dass sie keine Grundstücke für eine Pipeline hergeben wollen. Dann müssten sie das Gas hier in einer Fabrik aufbereiten. Im Landratsamt wird uns immer gesagt, das Gas hier zu verflüssigen wäre wirtschaftlich nicht machbar.
Mit welchen Unternehmen haben Sie es zu tun?
Es geht um Genexco und Genexco Gas. Die haben sich umbenannt in Energieprojekt Lech. Daran ist zu 80 Prozent Mineralöl MRH aus Düsseldorf beteiligt.
Beim Thema Gas geht es vielen um Energieunabhängigkeit. Wäre es nicht besser, es in Deutschland zu fördern?
Man muss keine neuen Gasfelder eröffnen. Die, die schon bestehen, reichen. Außerdem möchten wir vielleicht sogar irgendwann auf Sonnenenergie umsteigen, die nichts kostet und keinen Krieg verursacht. Es bestehen so viele Verträge, zum Beispiel mit Katar, von dem wir sowieso Gas abnehmen müssen. Das Gas aus Reichling würde einfach nur zusätzlich noch verbraucht. Dabei hat der Bau des Bohrturms schon einen so hohen Schaden verursacht. Und weg von den fossilen Brennstoffen müssen wir sowieso.
Das habe ich dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auch schon mal persönlich gesagt: Kann man nicht irgend etwas noch im Boden lassen für die nächsten Generationen? Es könnte ja sein, dass es in 100 Jahren eine ganz tolle Erfindung gibt, für die man Erdgas gebrauchen könnte. Jetzt wird das alles verschenkt, was unter unserem Hintern über Millionen von Jahren gewachsen ist.
Wieso verschenkt?
Es gibt keine Förderabgabe in Bayern. Im deutschen Bergrecht ist für Erdgas eine festgeschrieben, aber Bayern ist seit 1999 davon befreit. Wir Bürger in Bayern bezahlen für Wasser jetzt einen Wassercent, doch das Erdgas wird kostenlos irgendeiner Firma gegeben, die sehr viel Geld damit machen wird. Ich war im Landtag, da haben sie gesagt, wenn der Bohrplatz Teil des Wasserschutzgebiets wird, dann kriegen die Firmen auch Ausgleichszahlungen, wie beim Atomausstieg. Die nächsten Generationen zahlen das.
Von wie viel Gas sprechen wir hier?
Wir werden hier die deutsche Wirtschaft nicht sichern können. Sie sprechen von 300 bis 500 Millionen Kubikmetern um Reichling. Das entspricht, wenn sie 15 Jahre fördern, 2,5 bis 4,2 Prozent des aktuellen jährlichen Gasverbrauchs von Bayern. Wenn man das jetzt auf Deutschland rechnet, sind das 0,… Prozent. Was hier gefördert wird, wird auch den Gaspreis nicht verändern.
Ute Steininger wehrt sich mit der Bürgerinitiative Reichling gegen Gasbohrungen in ihrer Gemeinde in Oberbayern
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