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Tarifstreit an Seehäfen

Docker legen Häfen lahm

Mit einem Warnstreik haben die Hafenbeschäftigten dem Zentralverband der Seehafenbetriebe ihre Forderungen klargemacht

Von Mirko Knoche, Hamburg-Waltershof
Foto: Ulrich Perrey/dpa
Rund 2.000 Hafenarbeiter zogen am Dienstag durch die Hamburger Docks

Die Ausleger der Containerbrücken ragten senkrecht in die Luft. So gut wie gar nichts mehr ging im wichtigsten Seehafen der Bundesrepublik: Fast alle Kräne standen am Dienstag still. Über 2.000 Docker waren im Warnstreik für mehr Lohn entschlossen durch den Hamburger Hafen gezogen. Bei eher norddeutschem Sommerwetter versammelten sie sich anschließend auf dem Parkplatz des Containerterminals Burchardkai zur Kundgebung. Gleich danach stärkten sich die Hafenarbeiter bei Kaffee und heißen Würstchen. In mehreren Verdi-Zelten registrierten sich am Ende alle für ihr Streikgeld.

Verdi-Landesbezirksleiter André Kretschmar zeigte sich im Gespräch mit junge Welt begeistert von der Beteiligung und bewertete die Aktion in der Hansestadt als außerordentlich »erfolgreich«. Nacht-, Früh- und Spätschicht waren nacheinander in den Ausstand getreten. In Hamburg sind rund die Hälfte der 11.000 Arbeiter aus den deutschen Nordseehäfen beschäftigt, schätzte Verdi-Hafensekretär Adrian Wolf gegenüber jW. Auch in den anderen Hafenbetrieben an der Küste waren die Docker zum Warnstreik aufgerufen.

Sie hatten in einer Belegschaftsbefragung durch betriebliche Tarifbotschafter zu fast 80 Prozent das »finale Angebot« der Unternehmer abgelehnt. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) hatte zuletzt 5,1 Prozent mehr Geld bei 19 Monaten Laufzeit offeriert. Auf zwölf Monate umgerechnet beträgt das Angebot nur noch 3,2 Prozent. Außerdem verweigern die Unternehmer einen Sockelbetrag von 2,50 Euro pro Stunde für alle. Die lange Laufzeit und die fehlende soziale Komponente hatten unter den Hafenarbeitern den größten Unmut hervorgerufen.

Sie wollen bei der einjährigen Laufzeit bleiben – quasi ein Relikt aus der Zeit gewerkschaftlicher Stärke. Doch der Organisationsgrad von Verdi in den Häfen ist außergewöhnlich hoch und vermittelt den Unternehmern ihre Verhandlungsmacht. Nur wenige Stunden nach Streikbeginn in der Nachtschicht übersandte der ZDS der Gewerkschaft einen Termin für eine dritte Verhandlungsrunde. Es handelt sich dabei um den 24. und 25. August.

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Verdi-Verhandlungsführerin ­Sylvi Krisch berichtete im Gespräch mit junge Welt vom Warnstreik in Bremerhaven. Dort waren demnach weit über 1.000 Docker auf die Straße gegangen. Sie hätten den Unternehmern klargemacht, dass sie »bereit« seien, »rauszugehen«. Der ZDS dagegen hält die Arbeitsniederlegungen für »unverhältnismäßig«. Sie beeinträchtigten »die Zuverlässigkeit der deutschen Seehäfen« und damit »zentrale Lieferketten für Industrie und Handel«, heißt es in einer jW vorliegenden Erklärung. Das werde sich schnell auf »Importe, Produktion und deutsche Exporte« auswirken.

Just aus diesem Grund waren die Hafenarbeiter sich sicher, mit Warnstreiks mehr rausholen zu können als ausschließlich am Verhandlungstisch. Mit ihrer 24stündigen Blockade der Nordseehäfen erhöhten sie nun den ökonomischen Druck auf die Gegenseite. Bereits im Jahr 2022 endete die über vier Jahrzehnte währende Stille in den Tarifgesprächen für die maritime Branche. Die Auseinandersetzungen im Hamburger Hafen nahmen zwischenzeitlich wilde Züge an. Von politischen Spontanstreiks bis hin zu militanten Aktionen wurde über die gesamte Palette hinweg einiges geboten.

Der ZDS erwartet hingegen von Verdi, die »wirtschaftlichen Realitäten anzuerkennen«. Das vorgelegte Angebot sei höher als Abschlüsse in anderen Branchen, darunter Chemieindustrie, Energiewirtschaft sowie Groß- und Außenhandel. Man offeriere einen »spürbaren Lohnzuwachs für die Beschäftigten« und wahre die »dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit der Hafenunternehmen«. »Unser Angebot erfüllt diesen Anspruch«, behaupten die Hafenbetreiber.

Tatsächlich gliedert sich der Flächentarif in A- und B-Betriebe. Zu ersteren zählen die mächtigen Kaibetreiber HHLA, Eurogate und die BLG aus Bremen mit ihrem Containerumschlag. Dort erhalten die Arbeiter eine eigene Zulage, die der ZDS um jährlich 460 Euro erhöhen will. Laut Verdi-Mann Wolf zeigt sich bei den dortigen Dockern ein großer »Solidaritätsgedanke« mit den Kollegen im konventionellen Umschlag und im Massengutumschlag. Deshalb pochen die Streikenden auf einem Sockelbetrag für alle, der besonders die unteren Lohngruppen begünstigt. Der ZDS argumentiere, die kleineren Betriebe könnten den Sockel nicht stemmen, doch gäben die großen Terminalbetreiber im Unternehmerverband in Wahrheit den Ton an, so Gewerkschafter Wolf gegenüber jW.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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