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Erbauung des Tages: Marienstatue

Von Reinhard Lauterbach
Foto: Eckhard Stengel/IMAGO
Fast 20 Meter kleiner als die neue Marienstatue: Jesus von Świebodzin

»Viel hilft viel« ist eine dem praktischen Verstand von Landwirten zugeschriebene Volksweisheit. Was sich normalerweise im sorglosen Umgang mit Pestiziden und dem großzügigen Versprühen von Gülle betätigt, findet in Polen aber auch spirituelle Anwendung: im Aufstellen gigantomanischer religiöser Monumente. Lange Zeit war der »Jesus von Swiebodzin« – man kann ihn vom Zug aus sehen, wenn man von Berlin nach Poznań fährt – mit seinen 36 Metern Höhe und einer Dornenkrone aus Mobilfunkantennen rund um den Kopf das höchste Bauwerk dieser Gattung in Polen. Jetzt schlägt ihm eine neue Herrgottsinstallation aufs Haupt – eine mit Sockel 55 Meter hohe Marienstatue nahe der Ortschaft Konotopie zwischen Warschau und Torun. Gestiftet hat das Bauwerk ein zu viel Geld gekommener Anwohner, der sich die Erbauung – im physischen wie im geistlichen Sinn – angeblich um die 100 Millionen Złoty (gut 23 Millionen Euro) hat kosten lassen. Errichtet wurde die Madonna aus selbstreinigendem Beton, denn der Qualm der auf dem polnischen Land noch verbreiteten Brikett- und Altreifenheizungen ließe sonst von der angestrebten gottgleichen Schönheit schon nach einer Saison wenig übrig.

An diesem Sonnabend soll das Monument feierlich eingeweiht werden – zum Feiertag der Himmelfahrt Mariens, der in Polen auch als »Tag der polnischen Armee« begangen wird. Denn die Muttergottes soll beim polnischen Sieg gegen die Rote Armee Mitte August 1920 ihre segnende Hand im Spiel gehabt haben. Die Bürgermeisterin am Standort freut sich schon über anziehende Umsätze in der örtlichen Gastronomie, angeblich hat die Nachfrage nach Gewerbeflächen rund um die Madonna zugenommen. Wie sagte schon Heinrich Heine: Polen sei voller katholischer Kirchen, aber schöne gebe es nicht darunter. Die Polen hätten »die fatale Angewohnheit, ihre Kirchen zu renovieren«. Oder neue zu bauen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.08.2026, Seite 3, Ansichten

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