Ein Stück vom Erzkuchen
Weltgrößter Eisenerzhafen Port Hedland in Westaustralien bestreikt. Tarifverhandlungen stocken seit Monaten, Arbeiter wollen Druck erhöhen
Seit der Jahrtausendwende hatte es in Port Hedland, dem weltgrößten Erzexporthafen, keinen so weitreichenden Arbeitskampf gegeben: Nachdem bereits am Sonnabend die Angestellten des Bergbaukonzerns BHP Group die Arbeit niedergelegt und die Beladung von Schiffen gestoppt hatten, schlossen sich am Sonntag weitere Arbeiter aus anderen Teilen des Hafenbetriebs dem Streik an. Ebenfalls am Sonntag traten die Elektriker, die für die Energieversorgung in Newman, einer BHP-Förderstätte 450 Kilometer landeinwärts in der nordwestlichen Region Pilbara, zuständig sind, in einen zwölfstündigen Ausstand. Der insgesamt 48stündige Streik sollte die bereits seit vergangenem Jahr stockenden Tarifverhandlungen in Gang bringen, berichtete der Sender ABC am Montag morgen (Ortszeit).
Schon vorab hatten Gewerkschaften den Schaden, der für BHP durch den zweitägigen Streik entstehen könnte, auf 120 Millionen Australische Dollar (AUD; umgerechnet mehr als 73 Millionen Euro) geschätzt. Auch dem Staat entgingen demnach gut sieben Millionen AUD an Konzessionseinnahmen. In Port Hedland erfolgt die Verladung von circa zwei Dritteln des in Minen der Pilbara-Region geförderten Erzes, so dass ein Arbeitsausstand empfindliche Störungen nach sich zieht. Die Elektriker wiederum sind unerlässlich für den Betrieb der 22 hochmodernen Minenfahrzeuge, die zwar voll automatisiert arbeiten, jedoch bei einer Störung des Stromnetzes oder der Überwachungssysteme zum Erliegen kommen. Insgesamt beteiligten sich an dem Streik am Sonntag je nach Angabe zwischen 400 und 800 Arbeiter.
Konzernvertreter bekundeten am Sonnabend zwar, das Beladen von Schiffen – laut Reuters waren acht Beladungen für das Wochenende geplant – sei trotz der Arbeitsniederlegungen weitergegangen. Auch seien andere Konzerne, die den Hafen nutzen, nicht betroffen gewesen. Dennoch dürften die Auswirkungen schmerzlich sein. Zu BHP gehören acht der 19 Anleger von Port Hedland. Nach konzerneigenen Angaben hat das einst in der Minenstadt Broken Hill und mittlerweile zu einem Weltmarktriesen aufgestiegene Unternehmen allein im Fiskaljahr 2022/23 rund 257 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert – »genug, um daraus den Stahl für 2.980 Sydney Harbour Bridges zu machen«, wie der Minenkonzern die Menge versucht, plastisch darzustellen.
BHP ist global die Nummer drei in Sachen Eisenerz. Im Fiskaljahr 2024/25 betrug die Fördermenge 263 Millionen Tonnen, für das Ende Juni ausgelaufene Jahr sind es nach bisherigen Berechnungen bis zu 290 Millionen Tonnen. Die Pilbara-Region ist mit einem jährlichen Gesamtförderwert von 580 Milliarden AUD ein Schwergewicht des australischen Bergbaus.
Die Tarifverhandlungen standen seit Oktober 2025 still. Die im Dachverband Combined BHP Ports Unions organisierten Mitglieder dreier Spartengewerkschaften wollen für die kommenden vier Jahre konkrete Verbesserungen erreichen – insbesondere auf dem Lohnzettel. Dabei geht es nicht nur um eine Erhöhung der Gehälter: Laut Medienberichten führen uneinheitliche Verträge dazu, dass einige Arbeiter bei funktional gleicher Tätigkeit jährlich 40.000 AUD (rund 24.460 Euro) weniger verdienen als ihre Kollegen. Schon Mitte Juli gab es einen achtstündigen Streik, an dem sich laut ABC etwa 200 Beschäftigte beteiligt hatten. Die nächste Verhandlungsrunde von Konzern und Gewerkschaften, koordiniert von der Fair Work Commission, ist für den 18. August angesetzt.
»BHP muss verstehen, dass sich die vereinigten Hafengewerkschaften nicht durch Drohungen oder Einschüchterung abschrecken lassen werden«, wurde Craig Beveridge, Regionalvorsitzender der Australian Workers Union (AWO) in Western Australia, am Sonntag von der ABC zitiert. Adam Woodage von der Electrical Trade Union (ETU) hatte schon im Juli unterstrichen, dass man insgesamt eine kämpferische Botschaft an »Big Australia« senden und die Großkonzerne erinnern wolle, wem sie ihr Wachstum zu verdanken hätten. BHP habe mit seiner Blockadehaltung seine Beschäftigten enttäuscht, »deren Arbeit dem Unternehmen im Vorjahr 15 Milliarden AUD an Profiten eingebracht hat«. Pilbara habe immer für das Versprechen »Gutes Geld für harte Arbeit« gestanden, das BHP nun brechen wolle, so der nationale ETU-Sekretär Michael Wright. Die Beschäftigten seien vor allem durch die fortgesetzten Verzögerungstaktiken des Konzerns aufgebracht, hieß es am Wochenende von weiteren führenden Gewerkschaften gegenüber News Wire.
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