Rauchsäulen in Südostasien
Indonesiens Waldbrandsaison 2026 gilt schon als die schlimmste seit elf Jahren
Seit Tagen liegt über Singapur ein grauer Schleier, der der Stadt im wahrsten Sinne des Wortes den Atem kostet. Am Freitag konnten die Bewohner des Stadtstaates erstmals kurz aufatmen: Die Werte des PSI‑Index, der die Belastung durch Feinstaubpartikel (PM 2,5) misst, fielen im gesamten Stadtgebiet unter die Marke von 100 – jene Schwelle, ab der die Behörden von einer potentiell gesundheitsschädlichen Luftqualität sprechen. Doch die Erleichterung dürfte nur von kurzer Dauer sein. Denn die Rauchkrise, die weite Teile Südostasiens seit Ende August abermals im wörtlichen Sinne in Atem hält, ist längst nicht vorbei. Ausgelöst werden die Rauchwolken, die als ungesunder Smog in die Nachbarländer Singapur, Malaysia und den Süden Thailands ziehen, durch Waldbrände in Indonesien, insbesondere auf Sumatra und dem indonesischen Teil Borneos.
Bis zu 15 Jahre Haft drohen, sollte jemandem eine solche Brandstiftung gerichtlich nachgewiesen werden. Allein am 23. August, als das Thema sich erneut in den regionalen Nachrichten ganz nach vorn schob, gab es laut behördlichen Angaben aus Jakarta 72 Festnahmen Verdächtiger. Wie die englische Ausgabe der Zeitung Tempo am Freitag meldete, ermitteln die Strafverfolgungsbehörden inzwischen gegen 162 Einzelpersonen und 95 Firmen, wie Brigadegeneral Mohammad Irhamni, Direktor der Sondereinheit der nationalen Polizei, zitiert wurde. Die meisten Fälle hat mit 65 die Polizei in der Provinz Westkalimantan auf Borneo zu bearbeiten, gefolgt von 57 Fällen in Riau, Zentralkalimantan mit 25 und Südsumatra mit 24. Bei den mit den Feuern in Verbindung gebrachten Firmen haben 33 ihren Sitz in Zentralkalimantan, 14 in Westkalimantan und 16 im Süden Sumatras.
Indonesien geht seit Wochen mit großer Anstrengung gegen die Ausbreitung der Brände vor, neben Feuerwehrleuten und Helfern am Boden sind 52 Löschflugzeuge im Einsatz. Ihnen wird noch mindestens anderthalb Monate weiter viel abverlangt werden. Denn die Waldbrandsaison in Indonesien – laut offizieller Einschätzung die schlimmste seit elf Jahren – ist erst zur Hälfte vorbei. »Diese Wald- und Buschbrände werden uns bis Ende Oktober oder Anfang November weiter begleiten«, konstatierte der zuständige Waldminister Raja Juli Antoni am Mittwoch.
Wie stark die Nachbarländer in der Region betroffen sind, hängt insbesondere von den konkreten Windverhältnissen und anderen Aspekten der jeweiligen Wetterlage ab. Singapur hatte da in den vergangenen zwei Jahren Glück, als die PSI-Werte zumindest unter der Marke von 100 geblieben sind. Diesmal aber ist die Belastung durch zuletzt vorherrschende Südwinde wieder ungleich höher und geht schon deutlich über 2023 hinaus, nahe an der Kurve, die 2019 zu verzeichnen war. Dass es bisher nicht so schlimm wurde wie 2015, als die Messwerte teilweise sogar 250 überschritten und zuhauf etwa Schulen geschlossen werden mussten, sorgt aber kaum für Beruhigung.
Denn einmal mehr ist 2026 ein besonders starkes »El Niño«-Jahr – der regelmäßig auftretende Klimaeffekt facht mit noch ausgeprägterer Trockenheit die Brandgefahr zusätzlich an und lässt einmal ausgebrochene Feuer noch intensiver lodern. Gerade in den teilweise ausgetrockneten Torfmooren im Süden Borneos und in den Südostzipfeln Sumatras, wo sich die größte Zahl an Bränden konzentriert, ist die Gefahr eines Flächenbrandes besonders hoch. Die Löscharbeiten sind dort wiederum äußerst schwierig, weil das Feuer auch im Boden neue Nahrung findet.
Auch in Hat Yai, der mit 800.000 Einwohnern größten Stadt im Süden Thailands, war eine deutliche Verschlechterung der Luftqualität, die bei besonders sensiblen oder chronisch kranken Menschen bereits Atemprobleme auslöst, zur Wochenmitte registriert worden. Bei den dominanten PM-2,5-Partikeln wurden im Durchschnitt knapp 60, in Spitzenwerten teils 88 Mikrogramm gemessen – maximal 37,5 Mikrogramm gelten nach thailändischen Vorgaben als gesundheitlich »unbedenklich«. Singapurs Nationale Umweltbehörde (NEA) warnt schon vor neuen Rauchwolken, die von Sumatra und Borneo den Hauptbrandgebieten herüberzuziehen drohen. Dort wird Feuer gelegt, um Regenwald in Plantagen, meist für Palmöl, umzuwandeln.
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