Nachschlag: Gelebte Utopie
→ Battle of Tuntenhaus. Mainzerstrasse.berlin
In der Hausnummer 4 der 1990 in weiten Teilen besetzten Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain befand sich im »kurzen Sommer der Anarchie« zwischen »Wende« und Anschluss das »Tuntenhaus«. Der US-Regisseurin Juliet Bashore, die für das britische Fernsehen arbeitete, gelang etwas Besonderes: So war es ungewöhnlich, dass die autonomen Hausbesetzer (die in der Mainzer überwiegend aus Westberlin kamen) sich auf die Kamera ein- und ihren Alltag filmen ließen; zudem zeigt die Doku das queere Leben innerhalb der Hausbesetzerszene. Man erlebt das Miteinander, Plena, Feiern, Vorbereitungen auf Angriffe durch Neonazis, aber auch Reaktionen von Anwohnern – von Wohlwollen bis hin zu krassen Drohungen. Die Kamera folgt den Protagonisten in der Nacht des 3. Oktober 1990, ist bei der Schlacht um die Mainzer Straße und der brutalen Räumung durch die Westberliner Polizei im November dabei. Und sie dokumentiert zwei Jahre später die Spuren, die Traum und Räumung hinterlassen haben. Ein Zeitdokument. (af)
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