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Bayer

Kursgewinn nach Glyphosaturteil

Bayer-Konzern sieht sich mit Kürzungsprogramm auf gutem Weg. Richterspruch zu Umweltgift freut Anleger

Foto: Wolfgang Rattay/REUTERS
Erneute Gewinnsteigerungen: Dem Bayer-Konzern geht es blendend

Als »Retter von Bayer« feierte die Wirtschaftswoche jüngst den Vorstandsvorsitzenden Bill Anderson auf ihrem Titelblatt. »Glyphosatdrama fast gelöst, Pipeline wieder voll«, und dann auch noch das Rationalisierungsprogramm »Dynamic Shared Ownership« (DSO) – geschlagene neun Seiten nahm die Jubelstory ein. Den weiteren Fortgang präsentierte der Leverkusener Multi am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanz für das zweite Quartal des laufenden Jahres.

Um 2,2 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum, und der Gewinn vor Sondereinflüssen (also den juristischen Nebenwirkungen von Glyphosat) steigerte sich um 1,9 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Gute Geschäftszahlen durch Kürzungskurs und die Aussicht auf weniger Entschädigungsklagen in Zusammenhang mit dem Umweltgift lassen die Bayer-Aktie steigen. Besagte Arbeitsplatzvernichtungen im Zuge des 2024 eingeführten DSO und des 2025 noch zusätzlich installierten speziellen Umbauprogramms für die Agrosparte trugen nicht wenig bei.

Die Zahl der Beschäftigten bei Bayer schrumpfte gegenüber dem Vorjahresquartal um 1.826 Personen. Neben den durch die Stellenkürzungen bewirkten »Effizienzsteigerungen« sorgten im Landwirtschaftsbereich vor allem die einträglicheren Geschäfte mit Sojabohnen- und Baumwollsaatgut sowie mit Glyphosat (plus 12,6 Prozent) für ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent. Bei besagtem Umweltgift Glyphosat ändert der Konzern trotzdem die Verkaufsstrategie. Das Mittel verspricht keine außerordentliche Profitmarge, weswegen es hauptsächlich auf die produzierte Menge ankommt.

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Daher will Bayer eine eigene Gesellschaft namens Ruveon gründen, welche den Anforderungen besser gerecht werden kann. »Diese kann agiler handeln und damit den spezifischen Wettbewerbsdynamiken in dem durch Generika geprägten Markt besser begegnen«, erläuterte Konzernchef Anderson. Zuvor hatte der Global Player angegeben, auf »spezifische Wettbewerbsdynamiken« zu reagieren, indem er die US-Politik unter Druck setzt, Antidumpingzölle gegen die chinesische Konkurrenz zu erheben. Nach Protesten von Landwirten, die höhere Preise fürchteten, ließ er dieses Ansinnen jedoch wieder fallen.

»Bayer ist operativ auf Kurs«, so das Resümee aus Leverkusen. Zudem vermeldete der Chemiemulti bedeutende Erfolge, insbesondere den Rechtskomplex »Glyphosat« betreffend. »Die vergangenen 90 Tage waren eine entscheidende Phase in den jahrelangen Bemühungen des Unternehmens, die Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen«, erklärte Anderson. Im Zuge dieser Maßnahmen hatte der Konzern der Republikanischen Partei 122.000 US-Dollar an Wahlkampfspenden überwiesen und eine millionenschwere Lobbykampagne in Gang gebracht. Anderson antichambrierte sogar höchstpersönlich. »Er kennt vermutlich mehr Senatoren persönlich als Donald Trump«, zitierte die Wirtschaftswoche einen Vertrauten des US-Amerikaners.

Ende Juni konnte der Agroriese die Ernte dieser Pflege der politischen Landschaft einfahren. Der Oberste Gerichtshof der USA wies Gerichte an, sich künftig an die Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA zu halten, wonach das Herbizid nicht krebserregend sei. Durch diese Entscheidung, die Bill Anderson zufolge bereits Einfluss auf laufende juristische Auseinandersetzungen hatte, räumt er auch der von Bayer vorgeschlagenen Vergleichslösung bessere Chancen ein, zu der am 19. August eine Anhörung stattfinden soll. Die weiteren Aussichten sieht die Aktiengesellschaft vor allem durch die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten getrübt. Dazu zählt sie unter anderem höhere Kosten für Energie, Rohstoffe und Logistik sowie eine schwächelnde Nachfrage. »Besonders betroffen sind energieimportierende Länder, wobei Wachstumsimpulse durch künstliche Intelligenz diese Effekte in einigen Ländern teilweise ausgleichen«, heißt es im Halbjahresbericht.

Konzernchef Anderson fechten diese Rahmenbedingungen nicht weiter an. »Trotz eines unsicheren Umfelds sind wir auf einem guten Weg, unsere Ziele zu erreichen«, freute er sich am Dienstag. Die Finanzmärkte scheinen diese Einschätzung zu teilen und verschafften der Bayer-Aktie satte Kursgewinne.

→ Jan Pehrke ist Vorstandsmitglied der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG)

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.08.2026, Seite 5, Inland

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