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Schwangerschaft und Geburt

Eingeplante Versorgungslücke

Krankenhausreform: Geburtsstation am St.-Josefs-Krankenhaus Potsdam musste schließen

Von Annuschka Zak
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
In der ach so kinderfreundlichen Bundesrepublik wird medizinische Betreuung zusammengestrichen (Symbolbild)

Das Licht der Welt erblicken – kein ganz einfaches Unterfangen. Häufig romantisiert, in der Realität schmerzhaft bis gefährlich für das Neugeborene und die Gebärende. Etwa 98 Prozent aller Schwangeren in der BRD entbinden im Krankenhaus.

Im Zuge der Krankenhausreform musste die Station für Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Josefs-Krankenhaus in Potsdam vor zwei Wochen schließen. Durchschnittlich 650 Geburten fanden dort jährlich statt. Schwangere müssen nun ausweichen – auf das einzige andere Krankenhaus mit Geburtsstation in Potsdam. Der hebammengeführte Kreißsaal war beliebt bei Gebärenden. Schwangere, die sich schon angemeldet hatten, um im St.-Josefs-Krankenhaus zu entbinden, müssen sich schnell umorientieren. Auch der Betrieb der dortigen Babyklappe ist eingestellt worden. Sie war die einzige Vorrichtung dieser Art in Brandenburg.

»Mit der Schließung des Kreißsaals des St.-Josefs-Klinikums in Potsdam wird eine Lücke in die Versorgungsinfrastruktur gerissen, die sich nicht in Zahlen messen lässt. Sie schränkt das Recht jeder Gebärenden auf die freie Wahl des Geburtsortes ein, stand doch gerade die dortige Geburtshilfe für eine individuelle, frauenzentrierte und hebammengeleitete Betreuung«, sagte Beatrice Manke, Vorsitzende Hebammenverband Brandenburg e. V., am Donnerstag gegenüber junge Welt. Für die Schwangeren, die sich bereits für das St. Josefs entschieden hätten, sei die nun zwingende Suche nach einer Alternative sicherlich eine emotionale Belastung.

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Noch härter trifft es die Beschäftigten: »Für die Kolleginnen und Kollegen ist die plötzliche und unerwartete Schließung ihres Kreißsaals nicht nur eine menschliche, sondern auch eine existentielle Katastrophe«, so Manke. Der Wegfall ihrer Arbeitsplätze mit der damit verbundenen finanziellen Unsicherheit verlange von ihnen eine schnelle berufliche Neuorientierung, und das in Zeiten knapper werdender Stellen bei sinkenden Geburtszahlen. Auch für die Beschäftigten des einzigen Ausweichkrankenhauses mit Geburtsstation, hat die Schließung Auswirkungen: »Für die Kolleginnen und Kollegen des Ernst-von-Bergmann-Klinikums Potsdam ist die Herausforderung, plötzlich mehrere hundert Geburten im Jahr mehr betreuen zu müssen, ebenfalls enorm«, so Manke. Ihnen bleibe nur zu wünschen, dass ihr Haus schnellstens mit der Schaffung weiterer Hebammenstellen reagiere, um die Arbeitsbelastung zu senken und ihnen eine angemessene Betreuung der Gebärenden zu ermöglichen.

Es ist bekannt, dass die Gesundheitsversorgung von Frauen schlechter ist, als die der Männer. Frauen sind in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung systematisch benachteiligt, obwohl sie statistisch gesehen eine höhere Lebenserwartung haben. Hebammenverbände fordern seit Jahren, dass Geburtshilfe auskömmlich finanziert werden muss. Die sinkende Geburtsrate rechtfertigt keine schlechte Versorgung in der vulnerablen Zeit von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Manke plädiert für eine 1:1-Betreuung durch eine Hebamme an dem Ort, den sich die Gebärende selbst ausgesucht hat. »Denn es ist nicht egal, wie wir geboren werden«, so die Hebamme.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.07.2026, Seite 15, Feminismus

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