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Verhandlungen der Süßwarenindustrie

Bittere Drops serviert

Entgelte in der Süßwarenindustrie werden erstmals bundesweit verhandelt. Quasi. Unternehmen mauern

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Genau abgezählt wird nicht nur bei der Schokolade: Niederegger Marzipan-Werk

Eine leichte Verbesserung des Angebotes konnten Beschäftigte aus der schleswig-holsteinischen Süßwarenindustrie mit ihrem neuerlichen Streik in der vergangenen Woche erreichen. Doch das war bei weitem nicht genug. Die tags darauf stattfindende dritte Verhandlungsrunde über die Entgelte für die Kollegen in tarifgebundenen Betrieben scheiterte so wiederum.

Zum 30. April endete die Laufzeit der Entgelttarifverträge für die Süßwarenindustrie in Hamburg und Schleswig-Holstein wie auch in vielen anderen Regionen bundesweit. Die Tarifverhandlungen werden zwar regional geführt, jedoch von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) ebenso bundesweit koordiniert, wie es der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) für die Unternehmensseite macht. Im Norden fordert die Gewerkschaftsseite 5,8 Prozent bzw. Festbeträge mehr bei Lohn und Gehalt und eine Laufzeit von zwölf Monaten, während der BDSI bis zum vergangenen Donnerstag innerhalb von zwei Jahren lediglich einmal 1,9 Prozent rückwirkend zum 1. Mai 2026 und 1,5 Prozent zum 1. Mai 2027 sowie 0,4 Prozent monatlich zusätzlich für die betriebliche Altersvorsorge offerierte.

Der Streik, zu dem die NGG Schleswig-Holstein kurzfristig rund 200 Beschäftigte von Niederegger- sowie Carstens-Marzipan und den Schwartauer Werken in Lübeck mobilisieren konnte, brachte zumindest ein wenig Bewegung in die bis dahin stagnierenden Verhandlungen. Der BDSI bot nun jeweils zwei Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütungen für 2026 sowie nochmals für 2027. Damit liegen sie allerdings nach wie vor weit von den NGG-Forderungen entfernt. Beide Seiten vertagten sich ergebnislos, berichtete lebensmittelpraxis.de vergangenen Freitag. Die vierte Verhandlungsrunde wurde für den 18. August angesetzt.

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Die Gewerkschaft möchte am liebsten differenzierte Festbeträge aushandeln: Die unteren Tarifgruppen sollen danach ein etwas höheres Plus erhalten als die höheren. Auch für die Auszubildenden würde die NGG gerne feste Beträge durchsetzen. Auf dem Fachportal hieß es, dass die NGG in diesem Jahr erstmals bundesweit über die Entgelte für die Beschäftigten der Süßwarenindustrie verhandele – gegen den Widerstand des Unternehmensverbandes und der Betriebe. Umgesetzt werde das Ganze über eine »tarifpolitische Empfehlung«, die der Hauptvorstand der Gewerkschaft Ende 2025 veröffentlicht habe. Diese reiche über eine reine Empfehlung hinaus, habe vielmehr Leitliniencharakter für die regionalen Tarifkommissionen.

Einige Tage vor der dritten Runde für die Beschäftigten im Norden waren in Fürth bereits die Tarifverhandlungen für die Süßwarenindustrie in Bayern ohne Abschluss geblieben. Die Vorstellungen beider Seiten hätten so weit auseinandergelegen, dass eine Einigung derzeit nicht absehbar sei, hieß es am 7. Juli auf lebensmittelpraxis.de. Nach der dortigen dritten Runde hatte der BDSI das Scheitern der Verhandlungen erklärt und die Schlichtung angerufen. Die NGG-Forderung nach 5,8 Prozent mehr Entgelt, mindestens aber 230 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, berücksichtige die aktuelle wirtschaftliche Situation der Süßwarenindustrie nicht, hieß es vom BDSI. So würden Arbeitsplätze gefährdet. Ein neutraler Schlichter solle mit beiden Tarifvertragsparteien einen Kompromiss erarbeiten, der den Beschäftigten und den Betrieben Sicherheit gebe, meldeten die Lübecker Nachrichten am 8. Juli. Für die Dauer des Schlichtungsverfahrens gelte die Friedenspflicht, das heißt, es dürfe nicht gestreikt werden.

Im Tarifgebiet Niedersachsen/Bremen waren die Verhandlungen in zweiter Runde am 22. Juni ohne Ergebnis geblieben und sollen am 22. Juli in Hannover fortgesetzt werden. Auch dort lagen die Vorstellungen ähnlich weit auseinander wie in den übrigen Regionen. Insgesamt arbeiten bundesweit nach Angaben des Verbandes etwa 60.000 Menschen in rund 200 vorwiegend mittelständischen Unternehmen. Es handelt sich um die viertgrößte Branche der deutschen Ernährungsindustrie.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.07.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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