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»Freiheit für Eva und Ahmet«

Nur ein halber Sieg

Syrien: Nach Haft und Folter ist Journalistin wieder in Deutschland. Zur Lage ihres kurdischen Arbeitskollegen gibt es weiterhin keine Informationen

Von Lucia Kara
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
Aufklärung gefordert: Demonstration für die beiden verschleppten Journalisten in Leipzig (1.5.2026)

Es waren 152 Tage Haft in Syrien: Verschleppung, sechs Verlegungen in unterschiedliche Haftanstalten, Isolationshaft, Folter und ein weiterhin inhaftierter Arbeitskollege. Die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann und ihr kurdischer Arbeitskollege Ahmet Polad wurden am 18. Januar aus den Gebieten der Demokratischen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens von Truppen der syrischen Übergangsregierung verschleppt. Über drei Monate war weder bekannt, wo sie sind, was ihr aktueller Gesundheitszustand ist, geschweige denn, ob sie überhaupt noch leben. Familienangehörige, Freunde, Aktivisten, Organisationen und Parteien arbeiteten unermüdlich für die Aufklärung des Falls, bis die Behörden in Damaskus am 30. April offiziell ihre Gefangenschaft bestätigten. Am 19. Juni dann das Aufatmen: Michelmann wurde entlassen und konnte sicher nach Deutschland zurückreisen.

Am Donnerstag äußerten sich nun der Anwalt der Journalistin sowie ihre Familie in Köln zum ersten Mal seit ihrer Freilassung auf einer Pressekonferenz. Auch Michelmann wandte sich an die Öffentlichkeit und äußerte sich in einer Videobotschaft über ihre Haft, die Solidaritätsarbeit in Europa und die aktuelle Situation in Syrien. Eine persönliche Teilnahme an der Konferenz war entsprechend ihrer aktuellen Verfassung noch nicht möglich, erklärte Rechtsanwalt Roland Meister.

»Ich musste davon ausgehen, dass möglicherweise niemand weiß, was in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar mit mir geschehen ist. Ich musste monatelang davon ausgehen, dass die Menschen, die mich kennen und lieben, mich für tot halten«, erklärt Michelmann. Sie erzählte von mehrfachen Verlegungen in Haft und völliger Isolation. Als sie zum Ende ihrer Haft mit weiteren Gefangenen eingesperrt wurde, befand sie sich mit 20 Frauen und ihren Babys in einer mit Fliesen ausgelegten winzigen Zelle ohne Matratzen. Sie wurde von Verhör zu Verhör gebracht.

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Auch wenn sich Michelmann wieder in Freiheit befindet, bleibt die Kritik an der Bundesregierung bestehen. »Es ist von Bedeutung, ob die deutsche Bundesregierung und der Bundeskanzler mit verdeckten Karten gespielt haben und zwei Journalisten den guten Beziehungen zu Syrien geopfert haben«, erklärte Rechtsanwalt Meister. Ein Vorwurf, der während der Solidaritätsarbeit zur Freilassung von Michelmann und Polad immer wieder geäußert wurde. Die Abkommen zwischen Deutschland und Syrien verliefen während der Haft Michelmanns ungehindert weiter. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schüttelte die Hand des ehemaligen Al-Qaida-Kämpfers und heutigen Präsidenten der Übergangsregierung, Abu Muhammad Al-Dscholani , während eine deutsche Journalistin in Syrien gefoltert wurde. Sie planen gemeinsam die Abschiebung von Tausenden Flüchtlingen nach Syrien, die voraussichtlich ein ähnliches Schicksal erwartet. Ein Umstand, den Michelmann und ihre Familienangehörigen weiterhin klar anprangern.

»Bitte glauben Sie nicht, dass das HTS-Regime in Syrien in irgendeiner Weise demokratisch wäre. Folter mit Schlägen und Elektrizität sind in den Gefängnissen dieses Regimes ganz normale Standardverhörmethoden. Zivilistinnen und Zivilisten werden auf der Flucht erschossen und auf offener Straße hingerichtet. Nein, Syrien ist nicht sicher!« erklärte Michelmann. Ende März hatte Merz dementgegen die Rückkehr von rund 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer gefordert – über 700.000 Menschen.

Doch das Land besitze auch eine andere Seite – »Syrien, das heißt Herberge des Westen Kurdistans«, äußerte sich Michelmann. Sie richtete einen Appell an die Öffentlichkeit: »Lasst uns die Hoffnung nicht aufgeben, Syrien zu einem Land zu machen, in dem Menschen glücklich und sicher leben können.« Weiter forderte sie: »Lasst uns gemeinsam weiterhin das Recht auf freie Meinungsäußerung und kritischen Journalismus verteidigen!«

Während Michelmann nun wieder in Deutschland ist, gibt es seit fast sechs Monaten kein offizielles Lebenszeichen von ihrem kurdischen Arbeitskollegen Ahmet Polad. Statt dessen wird mittels bürokratischer Hürden ein anwaltlicher Kontakt verweigert. Laut eigener Aussage der Behörden, würden sie damit seine Inhaftierung bestätigen – eine Bestätigung, die auf April datiert. Die Initiative »Freiheit für Eva und Ahmet« erklärte denn auch auf der Pressekonferenz, dass es nicht nur um die Freiheit von Michelmann ginge, sondern auch um jene Polads und aller weiteren politischen Inhaftierten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.07.2026, Seite 6, Ausland

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