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Bizeps im Hirn
Trump kann den Mund nicht halten. Bekenntnisse nach dem FIFA-Skandal
Keine Überraschung, dass das am Ende alles nichts gebracht hat, Trumps Intervention via Telefonhörer, Infantinos stolze zwei Maßstäbe, der Einsatz eines Stürmers, der gewiss nicht zu jenen Spielern zählt, die den Unterschied machen können. Belgien besiegte erwartungsgemäß die Auswahl der USA.
Nachdem das Spiel gegen Bosnien-Herzegowina auf allergwöhnlichste Weltfußballweise Tatsachen geschaffen hatte – die US-Spieler zogen ins Achtelfinale, ihr Stürmer Folarin Balogun erhielt nach Platzverweis regulär eine Sperre –, hatten Trump und Infantino ihrerseits Tatsachen geschaffen, die FIFA setzte den Artikel 66.4 ihres Disziplinarkatalogs aus, nach dem eine Rote Karte mindestens ein Spiel Sperre fordert. Es war nun an den Belgiern, die durch eine Tatsache liquidierte Tatsache durch eine weitere Tatsache zu korrigieren. Ganz nach dem Prinzip Trump – Wirklichkeit schaffen aus demselben Grund, aus dem Hunde ihre Testikel lecken: weil sie es können.
Unterleibsvergleiche sind vulgär, hier aber angemessen, denn Trump besteht zu 100 Prozent aus Hoden, und das Testosteron muss erst recht raus, wenn man im eigentlichen Amtsgeschäft eine Niederlage nach der anderen erlebt. Zum Zeitpunkt der Annullierung war seine Beteiligung am Vorgang noch ein Gerücht, schon da allerdings ein PR-Desaster. Während Infantino sich mühte, den Eindruck eines unabhängigen Verfahrens zu erzeugen, ist Trump nicht der Mann, eine Gelegenheit auszulassen, auf seinen amtsbedingten Bizeps hinzuweisen. Ich habe das natürlich gemacht, weil ich der Mann bin, der die Macht hat, das zu machen, so etwa die Botschaft.
Für die lud man eigens Journalisten ins Oval Office. Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen, warum nicht gleich den Situation Room? »Ich finde«, sagte Trump der Presse, »wir müssen alle besten Spieler auf dem Platz haben. Man kann die besten Spieler nicht einfach herausnehmen.« Er redet, wie er denkt. Die Besten der Besten der Besten, wie Agent K im Ministerium für Brücken und Tunnel. Dass Balogun nicht »einfach« vom Platz gestellt wurde, sondern nach einem Regelverstoß, spielt da keine Rolle. »Dieser Typ« – der Schiedsrichter – »hebt einfach die Hand und sagt, dein bester Spieler wird im nächsten Spiel nicht spielen. Ich sagte: Wow, das ist eine Menge Macht.« Und wenn Trump etwas verabscheut, dann Leute, die einfach so ihre Macht ausüben. Weil es ihnen frommt, ohne tiefere Kenntnis.
Von der Trump, laut Trump, jede Menge hat. »Ich glaube nicht, dass es ein Foul war. Und ich kenne mich mit solchen Dingen aus.« Ohne Zweifel, denn: »Ich hatte keine Ahnung, was eine Rote Karte ist.« Übrigens ging es nicht darum, ob das Foul ein Foul war, sondern darum, ob es dafür hätte Rot geben dürfen.
Dass die Rote vertretbar ist, bloß halt nicht zwingend gegeben werden musste, weiß man in der Welt, die außerhalb von Trumps Schädel liegt. Auch die FIFA aber tut, was ihr möglich ist, ohne zu fragen, ob man es auch tun sollte. Artikel 27 des Disziplinarkatalogs ermöglicht, Spielsperren aufzuheben. Man kann ihn anwenden, muss es aber nicht. Weswegen das auch so gut wie nie geschieht, genauer: in der Geschichte der WM erst einmal, 1962 bei Garrincha. Der Artikel soll die Möglichkeit erhalten, eklatante Fehler wenigstens in den Nachspielfolgen korrigieren zu können. Was einer wie Trump natürlich nicht weiß, der nie Fehler macht, weil er selbst der Fehler ist.
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