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Marxistische Debatte

Kein einheitliches Rezept

Ein neues Heft der Zeitschrift Marxistische Erneuerung

AfD
Foto: Agustin Marcarian/Reuters

Erfolgt gerade eine Wiederauferstehung des Faschismus? In welchem Verhältnis stehen Faschismus, libertärer Autoritarismus, nationalistischer Neoliberalismus und Neokonservatismus? Im neuen Heft der Zeitschrift Marxistische Erneuerung greifen zehn Beiträge mit unterschiedlichen Perspektiven das Thema auf.

Gerd Wiegel fragt nach den Ursachen für die internationale Rechtsentwicklung und nach ihrer möglichen Reichweite. Er betont: »Von der AfD über die FPÖ bis zum Rassemblement National lassen sich ohne Zweifel eine Reihe von Elementen beobachten, die an faschistische Ideologie und Praxis anknüpfen. Sie zu benennen ist Aufgabe antifaschistischer Politik. Ob sich daraus im Falle der politischen Machterlangung eine faschistische Politik ergibt, hängt auch von den ökonomischen und politischen Umständen ab, in denen eine solche politische Formation Erfolg hat.« Erhellend ist Manfred Weißbeckers Überblick über die historischen Versuche, den Faschismus zu deuten. Philipp Becher schreibt über das Thema »die globale Rechte und der US-Faschismus«.

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Patrick Eser betrachtet die Rechtswende in Argentinien und den »Mileismus« im »Lichte der Faschismustheorie«. Er fragt nach der Bedeutung Argentiniens als Experimentierlabor des libertären Autoritarismus und der Erklärungsfähigkeit von Faschismus- und Bonapartismustheorien. An das begriffliche Potential materialistischer Faschismustheorien knüpft darauf folgend Richard Gebhardt an. Er warnt vor einem inflationären Gebrauch des Faschismusbegriffs als Gegenwartsdiagnose, worin für ihn eher eine politische und analytische Hilflosigkeit zum Ausdruck kommt. Eine gegenläufige Feststellung findet sich in dem Aufsatz Joachim Beckers: Eine zunehmende Tendenz zur Gewalt deute auf ein wachsendes Faschisierungspotential hin. Er warnt zugleich: »Bei Gegenstrategien ist die Vielfalt der nationalistischen Rechten in Rechnung zu stellen. Es gibt keine einheitliche Rezeptur.«

Michael Schwan nimmt die Struktur der Machtelite in den USA hinter Trumpismus und »MAGA«-Bewegung in den Blick und verweist auf die Rolle von KI und »Big Tech«. Ist die AfD »die neue Arbeiterpartei«, fragen Richard Detje und Nicole Mayer-Ahuja. Angesichts des auch innerbetrieblichen Vormarsches der rechten Partei, des weiteren Niedergangs der SPD und der relativen Abwesenheit der Linkspartei in den Betrieben empfehlen sie: »Eine Politik der Arbeit, die ganz im Sinne klassischer Arbeiterparteien auf Gleichheit, Menschenwürde und Solidarität setzt, ist das wirkungsvollste Mittel, um der AfD das Wasser abzugraben.« Die letzten beiden Texte stammen von Irina Herb (»Faschismus reproduzieren? Soziale Reproduktion im (Anti-)Faschismus«) und von Anika Taschke (»Antifaschismus heute«). Auch wenn die anderen Rubriken diesmal etwas kürzer ausfallen, machen auch sie die Lektüre der neuen Z-Ausgabe lohnend.

→ Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 146, 224 Seiten, Einzelheft 10 Euro, Kontakt: redaktion@zme-net.de, Webseite: zeitschrift-marxistische-­erneuerung.de

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.06.2026, Seite 15, Politisches Buch

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