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Aus: Ausgabe vom 02.03.2026, Seite 15 / Politisches Buch
Marxistische Debatte

Kooperation und Konflikt

Die Rolle der BRICS-Staatengruppe: Ein neues Heft der Zeitschrift Marxistische Erneuerung
Von Holger Czitrich-Stahl
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Gruppenfoto beim BRICS-Gipfel in Rio de Janeiro (7.7.2025)

Welche weltpolitische Rolle spielen die BRICS-Staaten tatsächlich bzw. welche Interessen verbinden Staaten wie China, Indien und Russland? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Zeitschrift Z in ihrer neuen Ausgabe. Für Russland sei das Format eine probate Plattform, um sich in der Situation von Konkurrenz und Kooperation mit China zu behaupten und seine Zurückdrängung durch den »Westen« zu kompensieren, schreibt Felix Jaitner in seinem Beitrag. China wiederum würde von einer weiteren Stärkung der Süd-Süd-Kooperation am meisten profitieren, richte sich aber als Großmacht vor allem nach Gesichtspunkten der außenpolitischen Souveränität und der inneren Stabilität aus, ohne tatsächlich als aktiver Gegenpol zu den USA auftreten zu wollen, wie Wolfgang Müller betont.

Indien entziehe sich mit seiner neoliberalen und nationalistischen Politik am ehesten dem BRICS-Profil und wecke so die Begehrlichkeiten des Westens, schreibt Radhika Desai. Für Brasilien, so Luiz Faria in seinem Beitrag, sei die BRICS-Mitgliedschaft Ausdruck des Versuchs, durch stärkere Integration in Süd-Süd-Wirtschaftsbeziehungen einen von den USA unabhängigen und sozial ausgeglicheneren nationalen Entwicklungstyp durchzusetzen.

Doch was eint die heterogenen Interessen dieser Staaten und ließ sie in den vergangenen Jahrzehnten zu einem weltpolitischen Faktor werden? Jule Kettelhoit und Jörg Goldberg entwickeln eine Einschätzung dieser Staatengruppe, die kein Staatenbund im engeren Sinne ist. Die Gruppe umfasse mit der Erweiterung von 2024 47,3 Prozent der Weltbevölkerung und 36,4 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts nach Kaufkraftparität. Doch sei die BRICS-Gruppe weder ein Gegenpol zum Westen noch ein »subimperialistisches« Gebilde innerhalb der bestehenden Weltordnung. Sie sei eine Kooperationsplattform, die es ihren Ländern erlaubt, ihre entwicklungspolitischen Spielräume zu erweitern, Erfahrungen auszutauschen und die Autonomie zu vergrößern. Perspektivisch allerdings könnten die BRICS-Staaten »zu einem multilateralen Raum für progressive soziale Kräfte werden.« Weitere Beiträge, darunter der Text von Jörg Zimmermann über den Wasserkonflikt zwischen Indien und dem BRICS-Aspiranten Pakistan, vertiefen das Thema.

Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 145 (März 2026), herausgegeben vom Forum Marxistische Erneuerung e. V. und dem IMSF e. V., 224 Seiten. Einzelheft 10 Euro, Mail: redaktion@zme-net.de

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