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Ausgegrenzte des Tages: Homöopathie

Foto: IMAGO/CHROMORANGE
Globuli, Anker der Menschheit

Das größte Geheimnis der Homöopathie, jener Lehre des Geheimnisvollen, ist ihre Entstehung. Ich hätte da eine These, wie man auf das, worauf man nicht kommen kann, kommen konnte. Irgendwann im letzten Dezennium des 18. Jahrhunderts muss Samuel Hahnemann zuviel getrunken haben. Den Kater am nächsten Morgen begoss er mit weiterem Alkohol, wonach der Kater sich verzog. Alkohol gegen Alkohol, ein geläufiges Hausmittel. Doch nicht, weil Alkohol gegen Alkohol wirkt, er betäubt vielmehr das Nervensystem, ersetzt also bloß die Schmerztablette.

Hahnemann, so meine These, schloss aus dem Erlebnis, Gleiches müsse gegen Gleiches wirken, und da er am Morgen nur einen Drink nahm, wirke das Gleiche desto besser, je geringer die verabreichte Menge ist. So ist sie entstanden, die Lehre der Homöopathie, mehr zu vermuten wäre durchaus nicht mehr wissenschaftlich. Allein, die vielleicht wichtigste Frage der Welt – Wie kommt die Scheiße in die Köpfe? – scheint um eine weitere Antwort reicher.

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Aus der Welt bringen wird das die Homöopathie nicht. Was geglaubt werden kann, wird geglaubt, sagt die Erfahrung. Hahnemann starb, ehe das wissenschaftliche Zeitalter das vorwissenschaftliche ablöste. Heute leben wir im unwissenschaftlichen Zeitalter, es hätte ihm sicher auch gefallen. Obgleich klinische Studien nie je eine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus nachweisen konnten, hat Homöopathie eine feste Fanbase. Selbst gesetzliche Kassen übernahmen entsprechende Behandlungen bislang durch Hintertüren. Im Zuge von Sparmaßnahmen soll damit jetzt Schluss sein. Die Fanbase kocht. Winfried Kretschmann, Sarah Wiener, Malu Dreyer, Otto Schily und andere Gesundheitsexperten haben einen offenen Brief gegen die Streichung aus dem Leistungskatalog unterzeichnet. Das sei »unethisch«, Medizin müsse »integrativ« bleiben. Ein Kater und seine Folgen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.06.2026, Seite 3, Ansichten

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