- → Sport
Wie prekär ist die Finanzlage für Profiboxer?
Die allermeisten Berufsboxer in Deutschland bekommen keine Gage und müssen nebenher arbeiten, erklärt Maurice Milcke
Herr Milcke, mit dem Profizirkus im Boxsport verbindet man Millionengagen, Glamour und Blitzlichtgewitter. Ist das so?
Nein. Das trifft nur auf eine Minderheit der absoluten Weltspitze zu. Viele Profiboxer können nicht von ihrem Sport leben. Sie müssen nebenbei jobben und Geld verdienen, um über die Runden zu kommen – das ist hart. Vor allem dann, wenn du zweimal am Tag trainierst, frühmorgens und spätabends, und zwischendrin ackern gehen musst.
Und wie ist es bei Ihnen?
Also, bei meinen ersten sechs, sieben Kämpfen musste ich ohne Sponsoren auskommen. Ich habe meine Ausbildung bei der Berliner Polizei absolviert und meine Freizeit bestand aus Training, Kampfvorbereitung und Fights im Ring. Mein Alltag ist voll durchgetaktet, da bleibt wenig Luft für andere Sachen. Das ist so.
Es heißt, um an die Spitze eines nationalen und vor allem internationalen Weltverbands zu kommen, zahlen Athleten erst einmal drauf, kräftig sogar: Was macht den Sport so teuer?
Na ja, in der Aufbauphase bezahlst du deine Kontrahenten. Reisekosten, Unterkunft, Handgeld. Das ist üblich. Wir reden hier je nach Gegner von einigen tausend Euro, manchmal sogar von fünfstelligen Summen. Anfangs suchst du schlagbare Gegner, die dich Stück für Stück bei Siegen in der Rangliste nach vorn bringen. Das ist ein Prozess, das geht über Jahre – wenn du ambitioniert bist und einen Plan verfolgst.
Sie haben finanzielle Gönner?
Ja, tatsächlich. Ich habe mehrere Sponsoren, die es mir ermöglichen, dass ich mich komplett auf meinen Sport konzentrieren kann. Boxen ist mein Beruf, und seit einiger Zeit bin ich nicht mehr darauf angewiesen, nebenher zusätzlich einer Erwerbsarbeit nachgehen zu müssen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Das heißt: Boxen ist Ihr Lebensmittelpunkt?
Fraglos. Ich gehe volles Risiko, ich gehe all in. Und das mache ich bewusst, weil ich an mein Potential und meine Perspektive glaube. Und nicht zuletzt: Ich liebe diesen Sport, ich liebe die Auseinandersetzung im Ring, ich liebe es, mich mit meinem Gegner zu messen. Das ist mein Ding.
Sie sind 23 Jahre alt und bereits seit vier Jahren Boxprofi. Sie haben nicht als Amateur geboxt, sondern sind gleich ins Profilager gewechselt. Warum?
Sicher, man lernt viel im Amateurbereich, das ist eine gute Grundschule. Aber ich habe von Beginn an viele Sparringkämpfe gemacht gegen ältere, erfahrenere und bessere Boxer. Das waren meine Lehrjahre, die mich weit gebracht haben. Außerdem wollte ich der jüngste Profi in Deutschland werden. Das habe ich zwar nicht geschafft, doch mein erster Trainer Michel Trabant hat mir ganz viel Rüstzeug mitgegeben – etwa meine Schlaghärte.
Ihr Kampfrekord ist makellos: zwölf Kämpfe, zwölf Siege, einige vorzeitig durch Knockout. An welchem Punkt Ihrer Karriere befinden Sie sich?
Ja, ich habe jetzt ein Dutzend Profifights hinter mir. Also schon eine Menge Erfahrung gesammelt. Und ich bin raus aus der Phase, nur gegen Aufbaugegner zu kämpfen. Ich bin bereit für größere Aufgaben, für Kämpfe, die mich in der Weltrangliste nach oben katapultieren.
Aktuell rangieren Sie in Deutschland im Mittelgewicht auf Platz fünf, weltweit zählen Sie zu den Top 100. Was motiviert Sie, was treibt Sie an?
Nun, ich habe eine sehr enge Verbindung zu meiner Familie. Im Wettkampf vertrete ich mit meinem Namen meine Familie – genau so empfinde ich das. Es kommt noch etwas hinzu: Ich bin in Köpenick aufgewachsen, im Südosten Berlins, hier kennen mich die Leute. Viele meiner Freunde haben einen starken Ostbezug – ich auch. Und nicht zuletzt: Ich bin jung, ich bin hungrig.
Das hat sich Ende Mai in Berlin in der Columbia-Halle gezeigt, bei Ihrem bislang wichtigsten und erfolgreichsten Kampf. Sie sind Weltmeister nach Version des Global Boxing Councils, GBC, geworden. Einem kleinen Verband mit wenig internationaler Reputation, meinen Kritiker. Stören Sie solche Aussagen?
Nein, das stört mich nicht. Ich weiß, was ich schon jetzt boxerisch draufhabe. Klar, ich muss mich verbessern – technisch, taktisch, athletisch. Ich bin auf einem intensiven Weg, der mir alles abverlangt. Ich will künftig auch um Titel bei einem der vier großen Weltverbände, WBA, WBC, IBF, WBO, kämpfen. Und genau deshalb gehe ich jetzt fürs Training ins Ausland.
Wohin?
Anfang Juli nach Paraguay für einen Monat. Dort erwarten mich knallharte, gnadenlose Sparrings mit Jungs, die mich in den Ringstaub schicken wollen. Aber genau diese Leistungschecks will ich, das brauche ich, um weiterzukommen. Hey, und ich werde stärker denn je nach Berlin zurückkehren. Hand drauf!
Was planen Sie nach dem Südamerika-Trip? Eine GBC-Titelverteidigung, einen Vereinigungskampf mit einem der »großen« Weltverbände?
Zunächst ist mein Ziel klar: starke Gegner, top Kämpfe, keine Ausreden. Ich plane, im Oktober wieder im Ring zu stehen. Die letzten Gespräche dazu laufen gerade. Und mit Beginn des nächsten Jahres versuche ich, einen Fight bei der IBF zu bekommen. Schlag auf Schlag – so wird es für mich weitergehen!
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
