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Pol & Pott

Venceremos

Foto: imago/Steinach

Ich muss was erzählen. Und zwar hat es einen Aufstand gegeben in der Plauener Kommune. Eine Kollegin von Doris im Arbeitsamt, pardon, »Jobcenter«, hat ihr gesteckt, dass sie in einer Rezeptkolumne von »so einer komischen Jugendzeitung« vorkommt, wie es die Westkollegin ausdrückte. Doris hat sich daraufhin die junge Welt gekauft, aber in der Ausgabe kam sie nicht vor. Dann hat sie im Netz alle Onlineausgaben durchforstet und … tja. Hat ihre Entdeckungen gleich Udo und Roswitha gezeigt.

»Verrat!« Rossi sitzt vor dem PC und liest Pol & Pott (so heißt die Onlineversion dieser Kolumne). Sie ist außer sich. »Das ist ja quasi … quasi … Stasi!« – »Du trittst unser Kommunenleben in der Öffentlichkeit breit?!« fragt mich Udo demonstrativ entrüstet. »Klasse! Zeig her!« – »Also, hör mal, Maxi, wie stehe ich denn jetzt da auf Arbeit?!« fragt mich Doris mitten ins Gewissen. »Die Kollegen denken doch, ich sei mit einem Haufen Verrückter zu Gange.« – »Ich nicht!«, unterbricht Udo. – »Ich bin Lebenskünstler!« – »Ja, ja, eben unsolide Leute. Mit Kommunisten sei ich befreundet, unterstellen sie mir.« – »Die sind nur neidisch«, wirft Udo ein. – »Was ich nicht verstehe, als V-Frau arbeitet man doch im Geheimen«, belehrt mich Rossi. »Ich kann alles erklären«, sage ich. »Die junge Welt wird sowieso vom Verfassungsschutz beobachtet, und da dachte ich mir, ich schreibe unsere Pläne gleich direkt mit rein – ist dann ein Abwasch.«

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Roswitha vergräbt ihren Kopf in den Händen. »Unsere Pläne?« fragt sie leise. »Was sind denn bitte unsere Pläne?« – »Na, der neueste ist: Queere Tuntenballette überfallen Rüstungsfirmen, Kasernen und Stützpunkte. Bundesweit. Konzertierte Aktion!«, verkünde ich stolz. Rossi schluckt. »Und wollen wir den Behörden nicht noch Datum und Uhrzeit mitteilen, Maxilein?« fragt sie scheinheilig. – »Ach ne, wer ist hier die Vau-Frau?! Kommt nicht in Frage, soll ja eine Überraschung sein. Waffen habe ich auch schon besorgt. Sind im Keller« sage ich, bevor sie erst dumm fragen. – Können die auf einmal rennen! Unser Dackel Molotow will hinterher, aber als er sieht, dass ich faul sitzen bleibe, bezieht er seinen Wohnungstürposten. Wie immer schätzt er die Lage korrekt ein: Das Rudel wird in Kürze wieder zusammenfinden. Ich nehme ihn auf jeden Fall mit nach Ramstein als meinen Adjutanten.

Udo kommt schnaufend in die Wohnung zurück: »In unserem Keller lagern gefühlt 4.500 Tüten rosa Wattebäuschchen und 200 regenbogenfarbene Konfettikanonen. Ich glaub’, wir müssen reden, Maxi.« Doris geht kopfschüttelnd mit einer Wattetüte ins Bad, Rossi legt den Arm um mich. »Maxi, du musst mal ausspannen, das war alles ein bisschen viel für dich …« – Hä? Was soll das Getue? »Weißt du, altes Haus, du musst nicht für immer Kochrezepte schreiben. Lass mal jüngere ran. Neue Schneebesen rühren gut, oder wie man sagt. Du setzt dich jetzt schön zur Ruhe und …«, na, und so weiter. So ist das, liebe Leserinnen und Leser. Irgendwann übernehmen die literarischen Figuren die Regie, und dann musst du als Autorin machen, was die wollen, zum Beispiel keine Kochrezepte schreiben. Fairplay. Die Plauener Kommune verabschiedet sich hiermit rezeptlos, aber dafür mit einem herzhaften ¡Venceremos!

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.06.2026, Seite 8, Pol & Pott

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