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05.06.2026
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Geschichtsbewusste des Tages: Sylt
Hindenburg war ein schlechter General. / Sein Krieg nahm ein böses Ende. / Die Deutschen sagten: Teufel noch mal. / Den machen wir zum Präsidente. – Von Brecht erledigt in vier Zeilen. Gedauert hat das aber ein paar Jahrzehnte. Während man in der BRD um 1990 herum bei der Übernahme der DDR keine Hemmungen zeigte, selbst Straßen umzubenennen, die nach Antifaschisten benannt waren, gab es landesweit noch mehr als 400 Straßen und Plätze, die den Namen jenes Generalfeldmarschalls trugen, der einen Weltkrieg von 17 Millionen Toten geführt und hernach gesagt hatte, dieser Krieg sei ihm wie eine Badekur bekommen. Ob er auch sagte, was durch Zuckmayer überliefert ist, nämlich dass er nur zwei Bücher im Leben gelesen habe – das Exerzierreglement und die Bibel –, mag sich bezweifeln lassen, doch es passt zum Selbstbild des mordenden Strategen beinah noch mehr als zum Bild, das wir von ihm haben.
Wie viele Straßen heute noch nach dem Mann heißen, ließe sich mit Aufwand rausbringen. Wikipedia listet derzeit 88. Apropos 88: Für die Ernennung Hitlers zeichnet Hindenburg ebenfalls verantwortlich. Er habe sich ein wenig geziert, heißt es. Nicht wegen Hitlers erklärten Zielen, der war halt bloß Gefreiter.
Während die Umbenennungen festländisch Desiderat bleiben, kompensiert man inselständisch den Makel. An einer Straße nämlich, die gar nicht nach Hindenburg heißt. Das heißt, offiziell nicht. Im kommenden Jahr soll der Hindenburgdamm auf Sylt in Syltdamm umbenannt werden. Als er am 1. Juni 1927 eingeweiht wurde, war der Reichspräsident zugegen, seither hieß er im Volksmund Hindenburgdamm, auch wenn er nie so hieß. Vermutlich wird es weitere 100 Jahre brauchen, bis die Sache ins Volksgedächtnis eingesickert ist. Und dann kann man vielleicht auch auf Sylt eine Badekur nehmen, ohne an den wirkmächtigsten Enabler der Naziherrschaft zu denken.
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