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Von wegen »Lifestyle«

Frauen müssen weiterhin doppelt ran

Statistisches Bundesamt verzeichnet Rekord bei Teilzeitarbeit. Jede zweite Lohnabhängige unfreiwillig betroffen. Die meisten sind zu prekären Beschäftigungen gezwungen

Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Viele Frauen müssen sowohl zum Lohnerwerb als auch für Angehörige Carearbeit leisten (Berlin, 5.12.2025)

Teilzeitbeschäftigung nimmt immer weiter zu. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am Mittwoch auf der Basis von Erstergebnissen des Mikrozensus aktuelle Zahlen zu Arbeitszeiten und -volumina veröffentlicht. Danach gingen 2025 insgesamt 31,9 Prozent der abhängig Beschäftigten einer Arbeit in Teilzeit nach. Gut jede zweite Frau arbeitete auf dieser Basis.

Während bei den Vollzeitkräften die durchschnittliche Wochenarbeitszeit gegenüber 2015 um 0,6 Stunden zurückging, stieg sie bei den in Teilzeit Arbeitenden um zwei auf 21,3 Stunden. Weniger als Vollzeit arbeiteten im vergangenen Jahr 50,6 Prozent der Frauen und 14,3 rozent der Männer. Für beide Geschlechter habe die Teilzeitquote einen neuen Höchststand erreicht, so Destatis, wobei sie bei den Männern im Zehnjahresvergleich mit 3,7 Prozentpunkten stärker zunahm als bei den Frauen mit 2,6. Besonders Mütter von minderjährigen Kindern reduzieren ihre Arbeitszeit; 2025 waren das 66,4 Prozent der weiblichen Elternteile im Alter von 25 bis 49 Jahren. Väter fühlen sich in ihrer großen Mehrzahl nach wie vor kaum für die Kinderbetreuung zuständig. Lediglich 8,6 Prozent aus derselben Altersgruppe wie die Mütter arbeiteten in Teilzeit. Auch Frauen ohne Kinder sind mit 24,8 Prozent öfter in solchen Beschäftigungsverhältnissen zu finden als kinderlose Männer mit 12,3 Prozent.

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Während in dieser aktuellen Statistik die Motive für Teilzeitarbeit außen vor bleiben, hatte Destatis ein Jahr zuvor Beschäftigte dazu befragen lassen. 2024 lag die Teilzeitquote mit 30,8 Prozent leicht unter der von 2025. 4,7 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Arbeit in Teilzeit als Notlösung ansähen. Hauptgrund dafür war es, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben. 6,2 Prozent der teilzeitbeschäftigten Männer und 4,2 Prozent der Frauen suchten eigentlich einen Vollzeitjob. Besonders verbreitet war die unfreiwillige Teilzeitarbeit mit 7,1 Prozent im Wirtschaftssektor Handel, Verkehr und Gastgewerbe. 22,9 Prozent begründeten ihre verringerte Erwerbstätigkeit mit der Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen. Das gaben 32,9 Prozent der Frauen, aber nur neun Prozent der Männer an. »Insbesondere mit Blick auf die Betreuung von Kindern und Angehörigen ist davon auszugehen, dass Veränderungen bei Angeboten für Kinderbetreuung und Pflege die Wünsche nach Vollzeit- oder Teilzeitarbeit beeinflussen«, hieß es resümierend in der Destatis-Erklärung. Da Pflege in Einrichtungen jedoch immer teurer wird und Kitaplätze längst nicht überall in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, könnte die erzwungene Teilzeitquote besonders bei Frauen weiter steigen.

Dass reduzierte Arbeitszeiten nichts mit »Lifestyle« zu tun haben, wie Bundeskanzler Friedrich Merz im Januar behauptete, belegt auch eine vergangenen Herbst veröffentlichte Studie, die die Gewerkschaft Verdi in Auftrag gegeben hatte. Sie führt einen weiteren Grund für Teilzeitarbeit an: Danach stresst der verbreitete Personalmangel im Dienstleistungssektor nahezu die Hälfte der Beschäftigten so sehr, dass sie ihren Job aufgeben oder die Arbeitszeit verringern. Auch das betrifft zum großen Teil Frauen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.05.2026, Seite 15, Feminismus

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