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Femizide

Nur ein kleiner Trost

Femizid: Mörder von Dreifachmutter in Augsburg wegen »Beziehungstat« verurteilt. Geschlechtsspezifische Dimension ausgeblendet

Foto: Bihlmayerfotografie/IMAGO

Der Täter muss lebenslang in Haft, Aktivistinnen kritisieren jedoch, dass der Mord an Nina H. im Mai vergangenen Jahres in Augsburg-Haunstetten nicht als Femizid gewertet wurde. Am Dienstag sprach das Landgericht Augsburg den »Ziehsohn« Gino F. ihres früheren Lebensgefährten schuldig. Der Vorsitzende Richter Michael Eberle stellte zudem bei der Verkündung der lebenslänglichen Haftstrafe auch die besondere Schwere der Schuld fest. Nina H. sei »hingerichtet« worden, und das vor einem der drei Kinder. Die damals Achtjährige leidet demnach bis heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ihr und den beiden Geschwistern sei die wichtigste Bezugsperson genommen worden, erklärte Eberle in der fast dreistündigen Urteilsbegründung. An dem Tathergang hatte das Gericht keinerlei Zweifel.

Demnach habe der frühere Lebensgefährte der Getöteten, Christian S., seinem 30jährigen »Ziehsohn« eine Waffe samt Munition und 1.000 Euro für die Tat gegeben. Bereits während des Verfahrens wurde die Mittäterschaft von Christian S. aufgedeckt, der 43jährige sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Gino F. hatte noch versucht, die Tat auf seinen »Ziehvater« zu schieben. Der Richter betonte jedoch die »geschlossene Indizienkette« gegen ihn. So wurden Blutspuren des Opfers an seiner Kleidung gefunden, und die inzwischen neunjährige Tochter identifizierte Gino F. zweifelsfrei als denjenigen, der ihre Mutter erschossen habe.

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Aktivistinnen von »Femizide stoppen Augsburg« zu einer stillen Gedenkkundgebung an Nina H., um auf die Folgen patriarchaler Gewalt aufmerksam zu machen. Auf Transparenten hieß es etwa »Wir wollen uns lebend« oder »Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle«. Das Bündnis hatte bereits in der Vergangenheit zu Kundgebungen aus Protest gegen den Femizid an Nina H. aufgerufen.

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Die Aktivistinnen kritisieren, dass das Gericht die Tat nicht eindeutig als Femizid wertet. Schließlich folge der Fall den klassischen Mustern eines geschlechtsspezifischen Mordes, wie es in der Presseerklärung des Bündnisses heißt. Egal, ob nun der Ziehsohn geschossen habe oder der frühere Lebensgefährte den Auftrag dazu gab. Nina H. sei ermordet worden, weil sie frei sein wollte und sich getrennt habe. »Das ist ein Motiv, das die Tötung zum Femizid macht«, so die Aktivistinnen. Auch die Brutalität der Tat, die mit mehreren Schüssen ins Gesicht als Übertötung gelte, spreche für eine Tötung aus Eifersucht.

Von Medien und dem Gericht wurde die Ermordung von Nina H. als Beziehungstat gewertet. Ein Begriff, der nach Ansicht der Aktivistinnen die Tötung von Frauen, Mädchen und weiblich gelesenen Personen verharmlost. Schließlich sei die Tötung aufgrund von Eifersucht und Besitzdenken wie im Fall von Nina H. kein Einzelschicksal. So wertete die Plattform »Femizide stoppen« die Ermordung der dreifachen Mutter als 101. Femizid im Jahr 2025.

Es ist davon auszugehen, dass der Fall jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Während die Anwälte des Verurteilten bereits angekündigt haben, in Revision zu gehen und damit auf eine Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof zu warten, laufen weitere Ermittlungen gegen Christian S. Nachdem er sich bereits in Untersuchungshaft befindet, ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft wegen des in Auftrag gegebenen Mordes auch ihn anklagen wird. Ebenfalls ermittelt wird gegen einen Bekannten von Christian S., der die Schusswaffe besorgt haben soll. Die drei Kinder leben jetzt bei ihrer Oma. Der Richter wünschte ihr laut Augsburger Allgemeine viel Kraft und erklärte: »Wir können das, was mit ihrer Tochter passiert ist, nicht mehr ungeschehen machen. Wir sehen, dass sie Ninas Kindern einen sicheren Hafen bieten und ihnen die Betreuungsliebe geben, die sie von ihrer Mutter nicht mehr erfahren können.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.06.2026, Seite 15, Feminismus

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