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Eberswalder ist nicht drin
»Verbrauchertäuschung«: Traditionswurst unter falscher Flagge im Regal
Das frühere Eberwalder Wurstwerk in Britz, nördlich von Berlin, ist dem Verfall preisgegeben. Anfang des Jahres ist die einst größte Fleischfabrik Europas vom letzten Besitzer, dem Milliardär Clemens Tönnies und seiner Zur-Mühlen-Gruppe, dichtgemacht worden. »Die Produktion ist seither tot«, sagt Uwe Ledwig, für den Landesbezirk Ost zuständiger NGG-Gewerkschafter, am Donnerstag gegenüber junge Welt. Erstaunlich, dass nach wie vor die beliebte Eberswalder Wurst in den Regalen von Supermärkten zu finden ist. »Für uns ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung«, teilt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg am Dienstag mit.
Die Menschen würden die Marke mit dem jahrzehntelangen Produktionsstandort in Brandenburg verbinden. Sie gingen davon aus, die Produkte trügen »zur regionalen Wertschöpfung« bei. »Aus diesem Grund haben wir den Hersteller abgemahnt«, so Reinke weiter. Auch die Kette Kaufland hat eine Abmahnung bekommen. In mehreren Filialen in Brandenburg würden Produkte der Marke »Eberswalder« mit dem Hinweis »Hergestellt in Brandenburg« beworben. Offenbar haben die rechtlichen Schritte erste Erfolge erzielt: In Folge der Abmahnung plane der Hersteller, die Kennzeichnung transparenter zu gestalten. Bislang ist kaum ersichtlich, dass beispielsweise die Bockwürste aus Sachsen, die Käsewürstchen aus Sachsen-Anhalt und die Wacholdersalami aus Schleswig-Holstein kämen. Und eben nicht aus Britz. Die Entschlüsselung des ovalen Codes mit Zahlen- und Buchstabenkombinationen, des sogenannten Identitätskennzeichens, das zum jeweiligen Verarbeitungsbetrieb führt, sei für Konsumenten »nicht zumutbar«, so die Expertin. »Der offizielle Firmensitz ist wohl noch in Britz, außerdem gibt es eine Bäckerei am Standort«, klärt Gewerkschafter Ledwig weiter auf. »Aber sonst ist hier Investruine, da fliegen dann die Fledermäuse.«
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