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26.05.2026
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Globale »Marktbereinigung« im Pappgeschäft
US-Papierhersteller schließt fünf Fabriken in Deutschland. Verdi fordert einen Sozialtarifvertrag. Beschäftigte streiken für angemessene Abfindungen
Einmal mehr treffen die Folgen der globalen Kapitalkonzentration kleine Standorte und ihre Beschäftigten: Der britische Verpackungshersteller DS Smith – seit Ende Januar 2025 Bestandteil des US-amerikanischen Konzerns International Paper (IP) – will in diesem Jahr fünf Fabriken in Deutschland schließen. Mit Streiks am Donnerstag vor Pfingsten untermauerten die Kollegen an den Standorten ihren Anspruch auf einen Sozialplan mit angemessenen Abfindungen.
Bereits im vergangenen November wurden die Beschäftigten über die anstehenden Schließungen bzw. Teilschließungen informiert. Danach steht für den Standort Paderborn bereits zum 30. September, für die ebenfalls in Ostwestfalen gelegene Fabrik in Hövelhof zum Jahresende die vollständige Schließung an. Außerdem sollen die Werke Endingen am Kaiserstuhl, Donauwörth und Mannheim dichtgemacht werden. Für die Fabrik im schleswig-holsteinischen Glinde ist eine Teilschließung geplant. Insgesamt rund 500 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Nach diesen Ankündigungen durch das Management hätten die gesetzlich vorgeschriebenen Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat (GBR) über einen Interessenausgleich und Sozialplan begonnen, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Dabei habe die Interessenvertretung »eine wirtschaftlich geprüfte Alternativplanung auf den Tisch« gelegt, »die eine Vielzahl an Arbeitsplätzen erhalten hätte«, so Verdi. Doch die Unternehmensleitung wollte von diesen Vorschlägen nichts wissen. Und die Sozialplanverhandlungen kommen nicht voran. Die Gewerkschaft fordert inzwischen einen Sozialtarifvertrag. »Ziel der Tarifforderung sind Regelungen, die neben der reinen Milderung wirtschaftlicher Nachteile der Betroffenen auch ein Mindestmaß an Wertschätzung ausdrücken«, erklärte Daniel Hirschi, bei Verdi Konzernbetreuer für die DS-Smith-Beschäftigten.
Mit der Wertschätzung ist es bei dem global agierenden Konzern, der faserbasierte Verpackungen aus Wellpappe, Kunststoff und Papier produziert, nicht weit her. So erklärte Reinier Schlatmann, Manager bei DS Smith für den Raum Europa, Mittlerer Osten und Afrika, im November vergangenen Jahres gegenüber Bild, dass nach der Übernahme durch den US-Mutterkonzern IP das mitteleuropäische Geschäft einer strategischen Überprüfung unterzogen worden sei. Die Werkschließungen in Deutschland seien Ergebnis dieser Überprüfung. Aber auch DS Smith hatte bereits Standorte geschlossen, etwa 2023 in Berlin, wo rund 85 Beschäftigte ihre Arbeit verloren. Im ostwestfälischen Hövelhof kam die Schließungsankündigung im vergangenen Herbst völlig unerwartet, da das Werk schwarze Zahlen schreibt, wie der Betriebsratsvorsitzende Martin Zoidl dem WDR damals sagte. Mit den anstehenden Schließungen haben sich die Beschäftigten an den betroffenen deutschen Standorten notgedrungen abgefunden. Doch nach langjähriger Arbeit bei DS Smith wollen sie sich nicht mit Brosamen abspeisen lassen. Bei den Streiks an den fünf Orten am 21. Mai hielten die Beschäftigten Schilder hoch, auf denen »Jahrzehnte geschuftet – heute nix mehr wert?« und »Ihr saniert euch auf unsere Kosten!« zu lesen war. Am Tag darauf wurden die Verhandlungen zwischen GBR und Management am zentralen DS-Smith-Standort im hessischen Erlensee fortgesetzt.
Zeitgleich wurde vergangene Woche bekannt, dass DS Smith mehr als 14 Millionen Euro in die rumänischen Verpackungswerke in Timișoara und Ghimbav investieren will, um Produktionsabläufe zu modernisieren, Kapazitäten zu erweitern und Entwicklungen neuer Verpackungslösungen voranzutreiben, wie das Packaging Journal online am 22. Mai berichtete. Investitionen wären aus Sicht von Verdi, Betriebsräten und Belegschaften auch an den von Schließung betroffenen deutschen Standorten sinnvoll und machbar gewesen. Doch der global agierende IP-Konzern mit seiner Tochter DS Smith kalkuliert anders: Angesichts von mehr als 430 Papierfabriken und Verpackungswerken mit circa 65.000 Beschäftigten in über 30 Ländern werden fünf Standorte in Deutschland zur reinen Dispositionsmasse.
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