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Offenbach

Warum eröffnen Sie ein linkes Zentrum?

Wir brauchen einen eigenständigen Ort in Offenbach, um langfristig und konsequent Gegenmacht zu organisieren, sagt Torsten S.

Foto: privat
Sie wollen ein linkes Zentrum in Offenbach aufbauen

Sie wollen Anfang 2027 ein linkes Zentrum in Offenbach eröffnen und haben dazu ein altes Gebäude gekauft. Warum ist ein Zentrum für Linke, Sozialistinnen, Kommunisten und Antifaschistinnen ausgerechnet in dieser Stadt wichtig?

Offenbach ist eine Stadt mit einer starken Arbeiterschaft, geprägt von Kämpfen um Umverteilung und von vielen sozialen, kulturellen und politischen Initiativen, die sich für Selbstorganisation einsetzen. Viele Menschen verfügen hier nur über eine geringe Kaufkraft. Man stößt auf viele gesellschaftliche Widersprüche, sei es beim Aufenthalt, bei Mieten oder in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Weil hier viele Menschen eine Arbeiterbiographie haben und es einen guten Zusammenhalt gibt, ist Offenbach ein guter Ausgangspunkt für linke Politik. An all diese Potentiale wollen wir anknüpfen.

Gibt es dort bislang kein linkes Zentrum?

Es gibt eine starke linke Subkultur, Friedens- und Antikriegsinitiativen, antifaschistische Projekte, Initiativen gegen die Wehrpflicht und vieles mehr. Aber all das läuft bislang ohne eigenständige, feste Räume. Das wollen wir ändern. Offenbach liegt bei Frankfurt, wo es große linke Bewegungen gibt – und steht mitunter auch in deren Schatten. Unser Zentrum soll ein offener Raum für Veranstaltungen, Bildungsarbeit, Volksküchen und Ähnliches werden. Wir wollen offen für Ansätze sein, die es in der Stadt bereits gibt, uns vernetzen und einander bestärken. Es soll eine Infrastruktur entstehen, die all dies erleichtert.

Sie haben die Kommunistin Änne Salzmann zur Namenspatronin für das Zentrum gewählt. Sie wurde 1905 in Offenbach geboren und verstarb kurz vor ihrem 100. Geburtstag im Mai 2005. Während der Nazizeit war sie wegen illegaler Arbeit für die KPD im Widerstand und mehrfach in Gefängnissen inhaftiert. Nach dem KPD-Verbot 1956 stand sie weiterhin zu ihrer Überzeugung. Sind diese Verhältnisse denn mit den heutigen zu vergleichen?

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Geschichte wiederholt sich nicht. Doch auch heute gibt es einen starken Rechtsruck in der Gesellschaft. Gegen die Entwicklung hin zum Faschismus hat sich Änne Salzmann damals gestellt. Wir wollen an diese Haltung anknüpfen und an das lebendige Erbe unserer Bewegung erinnern: daran, dass es in Offenbach schon immer Menschen gab, die für eine bessere Welt gekämpft haben. Bei unseren Infoständen am 1. Mai treffen wir immer wieder Menschen, die Änne noch gekannt haben. Wir wollen nicht, dass Genossinnen und Genossen in Vergessenheit geraten, sondern in ihre Fußstapfen treten.

Warum haben Sie sich entschlossen, dafür ein Gebäude zu kaufen?

Viele von uns waren zuvor in anderen Kämpfen aktiv, ob in der Mieterbewegung oder in antifaschistischen Zusammenhängen. Einige kommen aus dem Internationalen Zentrum im Frankfurter Stadtteil Gallus, das nach zehn Jahren plötzlich schließen musste, weil der Mietvertrag gekündigt wurde. Das politische Projekt, das wir dort hatten, wurde damit quasi zerschlagen. Das darf uns nicht noch einmal passieren. Damit wir auch in noch prekäreren und stürmischeren Zeiten dem Druck von oben und der fortschreitenden Militarisierung der Gesellschaft standhalten können, haben wir dieses Zentrum gekauft.

Warum haben Sie nicht ein Haus besetzt?

Im linken Werkzeugkasten ist eine Besetzung immer ein Mittel. Aber wir benötigen jetzt einen verlässlichen Ort – einen festen Anker, der nicht unmittelbar und schnell von staatlicher Repression betroffen sein kann.

Bringt Sie das finanziell in eine schwierige Lage?

Wir sind konkret auf der Suche nach solidarischen Menschen, die uns politisch und finanziell tragfähig unterstützen oder sich an unserem Crowdfunding beteiligen. Das ist kein Luftschloss. Wir haben schon das Haus, einige sehr gute Strukturen und ein finanzielles Konzept. Um das Projekt zu tragen, ist etwa der Letalin Verlag als Mieter vorgesehen. Er ist dafür bekannt, dass er Comics zu Maja und zum Budapest-Komplex sowie eine Anthologie zur Palästina-Bewegung in Deutschland herausbringt. Wir wohnen, arbeiten und leben in Offenbach. Wir brauchen hier einen eigenständigen Ort in der Region: ein linkes Zentrum, um langfristig und konsequent Gegenmacht von unten zu organisieren und aufzubauen. Und wir müssen es dauerhaft tragen können.

Torsten S. ist einer der Aktivisten der Initiative für ein Linkes Zentrum Offenbach, das nach Änne Salzmann benannt ist

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.05.2026, Seite 3, Inland

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