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21.05.2026
- → Betrieb & Gewerkschaft
Vorabankündigungen gibt es nicht
Tarifverhandlungen im hessischen Gastronomie- und Hotelgewerbe festgefahren. 400 Kolleginnen und Kollegen streiken in Frankfurt am Main
Fahrt aufnehmen sollen die festgefahrenen Tarifverhandlungen für Beschäftigte aus Hotels und Gastronomie in Hessen. Dafür wurde am Dienstag in Frankfurt am Main anlässlich der Tourismus- und Eventmesse IMEX gestreikt.
Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) hatte zum Arbeitskampf aufgerufen. Rund 400 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich am Streik, der aus einer Kundgebung und einem Demonstrationszug vom Messegelände bis zum Gewerkschaftshaus bestand. Seit Jahresanfang sind eigentlich Entgelterhöhungen in der Branche fällig. Während die NGG in der Tarifrunde 7,5 Prozent höhere Löhne und Ausbildungsvergütungen sowie 300 Euro pro Jahr als Gesundheitszuschuss fordert, will der zuständige Branchenverband für Hotellerie und Gastronomie, die DEHOGA Hessen, nur ein Prozent mehr Geld herausrücken – verteilt über 30 Monate. Ungelernte Beschäftigte sollen nach ihrer Vorstellung völlig leer ausgehen. DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Gisbert Kern hatte gegenüber der Frankfurter Rundschau Anfang Mai die NGG-Forderungen als völlig überzogen bezeichnet.
Nach der Streikkundgebung am Dienstag stellte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler klar, dass die Kollegen der Branche »mehr Wertschätzung und Anerkennung für ihre Arbeit erwarten. Wer dauerhaft Fachkräfte sichern will, muss anständige Löhne zahlen.« Der Verband sei aufgerufen, ein ernsthaftes Angebot vorzulegen. Zeitler kritisierte zudem den Angriff seitens der Bundesregierung auf das Arbeitszeitgesetz mit den geltenden täglichen Höchstarbeitszeiten: »Gerade im Gastgewerbe, wo Schichtarbeit, Personalmangel und hohe Arbeitsdichte den Arbeitsalltag prägen, brauchen Beschäftigte spürbare strukturelle Verbesserungen – keine Diskussion über längere Wochenarbeitszeiten.« Würde die tägliche Arbeitszeit erhöht, wie große Teile der Politik und Wirtschaft das fordern, drohten verschärfte gesundheitliche Probleme, wodurch der Fachkräftemangel noch weiter angetrieben werde.
Hendrik Hallier, NGG-Geschäftsführer in der Region Rhein-Main und Leiter der Tarifverhandlungen für die Gewerkschaft, machte die DEHOGA Hessen für die jüngste Eskalation verantwortlich. Außerdem kündigte er eine Ausweitung der Streikbewegung in nächster Zeit an, sofern der Verband in den Verhandlungen kein deutlich verbessertes Angebot präsentiere. Bereits Anfang Mai hatte der Vorsitzende der NGG Hessen, Hakan Ulucay, den Verband kritisiert: »Seit unserer ersten Tarifverhandlung im Januar bewegte sich die DEHOGA Hessen keinen Millimeter. Während die Preise nicht nur an der Zapfsäule, sondern in nahezu allen Bereichen steigen und die Inflationsrate an der Dreiprozentmarke kratzt, glauben die Gastronomen nach der Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent, bei den Beschäftigten den Rotstift ansetzen zu können.« Das sei unfair, denn die Entlastung aus öffentlichen Mitteln verschaffe den Betrieben finanziellen Spielraum, von dem auch die Beschäftigten profitieren müssten. »Statt fairer Beteiligung an der Mehrwertsteuersenkung sollen sie nun zweieinhalb Jahre nahezu ohne spürbare Tariferhöhung hingehalten werden«, empörte sich Ulucay.
Sehr viel Arbeit verteile sich in der Branche auf immer weniger Beschäftigte, machte Verhandlungsführer Hendrik Hallier klar. Sie arbeiteten »zu jeder Tages- und Nachtzeit, an Feiertagen, Sonntagen und unter stetig steigenden Arbeitsbelastungen«. Dabei seien ihr Engagement und die Leidenschaft für ihren Beruf groß. »Doch wer unter solchen Bedingungen arbeitet, hat nicht nur Anerkennung verdient, sondern auch eine spürbare und längst überfällige Gehaltsentwicklung.« Streiks seien die folgerichtige Antwort auf die Blockade des Verbands. Der Arbeitskampf werde dabei strategisch geführt, so Hallier. »Vorabankündigungen wie bei der Bahn wird es nicht geben.« Am Dienstag wurden insbesondere die Messegastronomie und die Lufthansa-Lounges am Flughafen Frankfurt am Main bestreikt, wie die Frankfurter Rundschau berichtete. Zudem beteiligten sich Beschäftigte aus großen Hotels der Mainmetropole und aus Nachbarstädten.
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