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Pakistan

Beleg für Khans Vorwurf

Pakistan: Vollständiges Kabel zu Sturz veröffentlicht

Foto: Akhtar Soomro/Reuters
Einer der zahlreichen Proteste gegen die politische Verfolgung Imran Khans am 13. Februar in Karatschi

Während die Familie des gestürzten pakistanischen Premierministers Imran Khan nach 1.018 Tagen Gefängnis um dessen Augenlicht bangt, bringt ein erstmals vollständig veröffentlichtes diplomatisches Kabel die aktuelle Führung in Islamabad in Erklärungsnot. Das am Sonntag vom unabhängigen Portal Dropsite News online zugänglich gemachte geleakte Dokument scheint den seit seinem Sturz im April 2022 von Khan und seiner Partei PTI vorgebrachten Vorwurf, dass es sich dabei um eine »ausländische Verschwörung« gehandelt habe, zu bestätigen. Zur Erinnerung: Khan hatte zum russischen Einmarsch in die Ukraine eine neutrale Position bezogen und war am 24. Feburar 2022 von Wladimir Putin in Moskau zu einem Staatsbesuch empfangen worden. Seither werden er, seine Ehefrau Buschra Bibi sowie zahlreiche PTI-Funktionäre und Anhänger mit Repressionen überzogen, ungeachtet aller Massendemonstrationen in den vergangenen Jahren zur Unterstützung des nach wie vor populären Expremiers, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Das in Pakistan als »Cypher« bekannte diplomatische Kabel enthält ein Gespräch vom März 2022 zwischen dem damaligen pakistanischen Botschafter in den USA, Asad Majeed Khan, und dem US-Diplomaten Donald Lu. Darin erklärt dieser dem Botschafter, dass Washingtons Vorwürfe gegenüber Khans Regierung beiseitegeschoben werden könnten, sofern der Premier durch ein Misstrauensvotum seines Amtes enthoben würde. Das erfolgte nur wenig später, am 7. ­April, und ging wie geplant zuungunsten Khans aus. Zu seinem beabsichtigten Verhängnis trug weiter bei, dass er dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden die Nutzung pakistanischen Territoriums für Drohnenstützpunkte verweigerte. Diese hätten nach dem geplanten Abzug der US-Truppen gegen Ziele in Afghanistan zum Einsatz kommen sollen, berichtete Dropsite. Gegenüber Axios habe Khan dann später erklärt, dass man »auf keinen Fall irgendwelche Stützpunkte oder irgendwelche Aktionen von pakistanischem Territorium aus in Richtung Afghanistan zulassen« werde. Kurze Zeit später fiel Afghanistan an die Taliban, der Abzug des US-Militärs endete im Fiasko.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.05.2026, Seite 6, Ausland

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