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23.04.2026
- → Ausland
»Sie haben immer noch keinen Plan«
US-Präsident verlängert Waffenruhe mit Iran und hält Seeblockade aufrecht. Ernüchterung nach Unterrichtung im Kongress
Der Krieg gegen Iran wird vorerst – zumindest auf Ebene direkter militärischer Angriffe seitens der USA und Israels – nicht fortgesetzt. Das mit Spannung erwartete Ende der zweiwöchigen Waffenruhe Dienstag nacht war von US-Präsident Donald Trump zunächst beiläufig auf Mittwoch abend (Ortszeit) verschoben worden. Kurz vor Auslaufen der ursprünglichen Frist erklärte Trump schließlich über seine Onlineplattform »Truth Social«: Angesichts der Tatsache, dass die iranische Regierung »ernsthaft gespalten« sei und Pakistans Vermittler, Generalstabschef Asim Munir und Premier Shehbaz Sharif, ihn darum gebeten hätten, »unseren Angriff auf den Iran so lange auszusetzen, bis deren Führer und Vertreter einen einheitlichen Vorschlag vorlegen können«, werde die Waffenruhe so lange verlängert, »bis ihr Vorschlag vorgelegt und die Gespräche auf die eine oder andere Weise abgeschlossen sind«. Das Militär sei angewiesen worden, »die Blockade fortzusetzen und in jeder anderen Hinsicht bereit und einsatzfähig zu bleiben«.
Dazu passt, dass der US-Truppenaufmarsch ungeachtet der Verlängerung der Waffenruhe unvermindert weitergeht. »Der Spielraum für eine Ausweitung der militärischen Maßnahmen gegen den Iran dürfte sich in den nächsten Tagen vergrößern«, schrieb die Financial Times am Mittwoch. Konkret seien ein dritter Flugzeugträger und Tausende von US-Elitesoldaten auf dem Weg in die Region. So setzt die »USS George H. W. Bush« ihren Weg um das Kap der guten Hoffnung Richtung Naher Osten fort und bringt weitere 5.000 Truppen sowie drei Zerstörer in Stellung – was »den größten Aufmarsch von US-Seestreitkräften seit dem Irak-Krieg 2003« bedeutet, so das Blatt.
Jenseits dessen scheint Trump entgegen seiner großspurigen Onlineansagen allerdings keine Strategie zu verfolgen. Nach einem weiteren Briefing des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses am Dienstag zum Verlauf des Krieges, an dem Vertreter des Verteidigungsnachrichtendiensts DIA und des Pentagon teilnahmen, erklärte Ausschussmitglied Adam Smith (Demokraten) gegenüber CBS News lapidar: »Sie haben immer noch keinen Plan.« Die Unterrichtung sei dieses Mal zwar etwas transparenter gewesen, aber die Darstellung Trumps, die Verhandlungen mit Teheran stünden kurz vor dem Abschluss, entspräche »nicht einmal annähernd der Wahrheit«. Die US-Amerikaner sollten eher »besorgt« sein, dass die Äußerungen des Präsidenten die Gespräche erschweren könnten. In diese Richtung wiesen auch die Aussagen eines von der Agentur Reuters zitierten hochrangigen Vertreters aus Teheran: Die iranischen Unterhändler seien bereit gewesen, an einer weiteren Verhandlungsrunde teilzunehmen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die USA ihre Politik des Drucks und der Drohungen aufgeben würden.
Auch aus China kamen am Mittwoch besorgte Töne. Die Lage im Nahen und Mittleren Osten befinde sich an einem »kritischen Wendepunkt«, sagte Außenamtssprecher Guo Jiakun in Beijing. Oberste Priorität habe weiterhin, »alles zu tun, um eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zu verhindern«. Gespräche zwischen den USA und Iran standen vorerst aber nicht mehr im Raum.
Die iranische Seite wiederum hatte sich Dienstag nacht in Verteidigungsstellung gebracht und erklärt, den »Finger am Abzug« zu haben, sollten die USA ihre Aggression fortsetzen. Bis zuletzt hatte Teheran die Entsendung einer Verhandlungsdelegation nach Islamabad ausgeschlossen, sollte die Seeblockade durch die US-Marine aufrechterhalten werden. Am Mittwoch gingen die Marineeinheiten des Korps der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) dazu über, ihrerseits Schiffe in der Straße von Hormus aufzubringen. Die britische Behörde für maritime Sicherheit UKMTO teilte mit, dass mindestens drei Containerschiffe gemeldet hätten, in der Meerenge unter Beschuss geraten zu sein. Zuvor hatten die USA am Sonntag ein iranisches Frachtschiff sowie am Dienstag einen aus China kommenden iranischen Öltanker vor Sri Lanka geentert und festgesetzt. Die zwei Schiffe seien wegen Verstößen gegen die Seeverkehrsvorschriften aufgebracht und an die iranische Küste eskortiert worden, meldete die iranische Agentur Tasnim unter Verweis auf die IRGC. Weiter hieß es, Iran habe nicht um eine Verlängerung der Waffenruhe gebeten und drohe, die US-Blockade mit Gewalt zu durchbrechen.
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