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19.05.2026
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Schlappe für Sánchez in Andalusien
Spanien: Konservative Volkspartei hält Mehrheit bei Regionalwahlen und ist auf extreme Rechte angewiesen
Traditionell galt Andalusien als sozialdemokratische Hochburg. Das ist unter anderem ein Grund dafür, warum die Partei des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez trotz guter Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten bei den 6,8 Millionen Andalusierinnen und Andalusiern so schlecht wie noch nie abschnitt. Mit 28 Sitzen wurde der PSOE bei den Regionalwahlen am Sonntag zweitstärkste Kraft nach dem rechtskonservativen Partido Popular (PP). Damit hat er zwei Mandate weniger als bei der letzten Abstimmung 2022.
Der PP von Juan Manuel Moreno Bonilla verlor auch fünf Sitze, konnte seine Mehrheit aber halten. Dennoch kann Bonilla, in dessen Amtszeit Skandale um die Privatisierung von Krankenhäusern und mangelhafte Krebsfrüherkennung bei Frauen fielen, nicht allein regieren. Kooperieren will nur die extreme Rechte, und Bonilla wird sich daran wie letztes Mal wenig stören. Eine gemeinsame Regierung ist wahrscheinlich.
Die ultrarrechte Partei Vox konnte sich auf dem dritten Platz halten, gewann einen Sitz hinzu und stellt nun 15 Abgeordnete. Stimmung hatte sie wie üblich gegen Migranten gemacht, insbesondere gegen unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Vox-Kandidat Manuel Gavira dürfte mit seiner höflichen, netten Art alte Hetze zu verbreiten, zum besseren Ergebnis beigetragen haben.
Die wachsende Unzufriedenheit mit den »alten« Formationen des Zweiparteisystem (PSOE und PP) zeigt aber auch, dass die Linke in Andalusien gewachsen ist. Zwar stellt sie am Ende weniger Abgeordnete als Vox, sie ist allerdings auch getrennt in zwei Formationen angetreten. Die Bündnisse Adelante Andalucía (AA) und Por Andalucía (PA) bekamen jeweils 401.700 Stimmen und 263.600, während Vox 576.600 erreichen konnte. Das sind fast 90.000 Stimmen mehr für die linken Formationen. AA geht jedoch mit acht Abgeordneten aus dem Rennen, PA mit fünf – also zwei weniger als Vox.
Das Bündnis Adelante Andalucía führt in der Region im Wettbewerb links der PSOE. Die antikapitalistische Partei, eine Abspaltung von Podemos, wurde bis vor kurzem von der Lehrerin Teresa Rodríguez geführt, die inzwischen an Krebs erkrankt ist. Die Partei verfügte bereits zuvor über zwei Abgeordnete und somit über politische Sichtbarkeit, nun hat sie jedoch erstmals Por Andalucía überholt und sechs Mandate erreicht, mehr als bei den vorherigen Regionalwahlen.
Por Andalucía vereint traditionelle linke Parteien wie die Vereinigte Linke (Iziquierda Unida, IU), die in Andalusien immer wichtiger als in andere Regionen war, zusammen mit kleineren ökologischen Parteien. Dieses mal trat sie auch im Verbund mit Podemos und der linksgrünen Partei Sumar an. Deren Teilnahme hat viele Wähler der IU und von Podemos verärgert, da die Formation der Vizepräsidentin Yolanda Díaz sich nach und nach in der Frage des Krieges Richtung deutsche Grüne entwickelt hat. Offenbar wollten die Stammwähler der IU der Partei einen Denkzettel verpassen. Andererseits behielt das Bündnis seine fünf Mandate.
Die Wahlen in Andalusien gelten traditionell als richtungsweisend für ganz Spanien. In einigen Monaten folgen Lokalwahlen, und im Juli 2027 stehen die nächsten Parlamentswahlen an. Für Sánchez sieht es nicht gut aus: Seit 2023 haben die Rechtskonservativen vom PP in Umfragen aufgeholt und würden heute die Wahlen mit rund 32 Prozent der Stimmen gewinnen. Der PSOE wäre zweiter mit rund 28 Prozent. Vox bekäme an dritter Stelle 18 Prozent und könnte zusammen mit dem PP eine knappe Mehrheit einfahren.
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